Basler Fotografen an der Photo 17

05. Januar 2017 05:49; Akt: 05.01.2017 05:49 Print

Gegensätze, Gewalt und Emotionen auf Fotopapier

150 Fotografen stellen ab Donnerstag ihre besten Bilder an der Photo17 in Zürich aus. Unter den renommierten Namen befinden sich auch deren neun aus Basel.

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Michael Stöcklins Serie «Duality» zeigt Gegensätze auf. Die Models konnten das Thema mit ihren Körpern in eigener Regie darstellen. So entstand aus zwei Körpern jeweils eine Form. Laut Stöcklin vereinen die Motive Liebe und Kampf, Ruhe und Bewegung. Die Nacktheit reduziert die Körper dabei auf das Wesentliche. Auch Stöcklins Frau Nithah ist an der Photo 17 dabei. Das zentrale Thema ihrer Arbeit ist das Selbstbewusstsein von Frauen... ..ungeachtet ihrer Religion, Hautfarbe oder Sexualität. Jens Oldenburg zeigt Bilder aus seinem Kalender «Golden Eagle». Der Portrait- und Reisefotograf schuf die Aufnahmen im Westen der Mongolei. Zu sehen sind Menschen einer muslimisch-kasachischen Minderheit. Sie führen ein nomadisches Leben. In einer unwirtlichen Umwelt. Oldenburg zeigt die Anmut des menschlichen Lebens jenseits der sesshaften Zivilisation. Die tiefen Kontraste seiner Schwarz-Weiss-Fotos spiegeln das Leben der Menschen wieder. Ihr Markenzeichen ist die Jahrtausende alte Kunst der Jagd mit Hilfe von Adlern. Sie ist heute nicht mehr überlebenswichtig, was sie aber in keiner Weise weniger beeindruckend macht. Christian Jaeggi setzt sich mit dem komplexen Thema der Gewalt auseinander. Die Hand steht im Zentrum der bildlichen Symbolik, als Werkzeug der Tat und der Abwehr. Für das Schweizer Hilfswerk EcoSolidar fotografierte er im Rahmen einer Reportage mehrere Opfer von Gewalt. Die verdeckten Gesichter demonstrieren den Tabuwert des Themas. Auf Christopher Kuhns Fotos sind die Auswirkungen von Emotionen auf die Körpersprache zu sehen. Gestik und Mimik sind für ihn integrale Elemente der Kommunikation. Dies will er mit seiner Serie «Emotionen» zeigen. Gestik und Mimik würden Emotionen auf eine ganz besondere Art und Weise deutlich machen. Kuhns Inspiration ist das Buch «Rhetorik» von Aristoteles. Kuhn ist Fotoassistent bei der Zeitschrift «annabelle». An der Photo17 zeigt er sein eigenes Fotoprojekt. Fabian Unternährer verarbeitet in seinen Fotos Visionen. Diese stellen oft sozialkritische Metaphern dar. Aber auch Humor ist enthalten. Unternährer geht es um Dinge, die ihn stark beschäftigen. Philipp Fuchs zeiget seine Faszination für den urbanen Raum. Er will durch ungewohnte Perspektiven Bauwerke neu entdecken. Struktur und Form stehen im Vordergrund... ...ebenso wie Materialien und Atmosphären... ...und die Beziehungen zwischen ihnen. Vor allem der Bahnhof SBB hat es ihm angetan. Seine Exponate sind dem Verkehrsknotenpunkt der Nordwestschweiz gewidmet. Diesen zeigt er auf verschiedenste Art und Weise. Alain Appel thematisiert die Tourismus-Bestrebungen Albaniens. Landschaftlich sei es wunderschön. Fehlende Baugesetze hätten aber skurrile Resultate zur Folge. Wie Bauskelette inmitten unberührter Natur. Nach turbulenten Jahren versucht das Land, sich zur Tourismus-Destination zu mausern. Christoph Dills Thema ist Handlungsunfähigkeit. Entsprechend verzerrt und verzweifelt muten seine Motive an. Mit seinen Bilden hat er emotionale Desaster fotografisch eingefangen. Oft im Bild: Die Hände und der Kopf. Sie sind unsere wichtigsten Werkzeuge. Wenn sie versagen, bleibt nur Handlungsunfähigkeit. Als «nicht mehr wollen können» beschreibt Dill diesen Zustand.

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Am 5. Januar ist Vernissage der Photo17 in der Maag-Halle in Zürich. Die grösste Werkausstellung der Schweiz, die bis 12. Januar dauert, erwartet 27'000 Besucher und zählt damit zu den bedeutendsten in ganz Europa. Auf 4000 Quadratmetern stellen 150 Fotografen ihre Werke aus. Unter ihnen sind auch neun aus der Region Basel.

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Insgesamt 113 Teilnehmer

Alain Appel, Christoph Dill, Christian Jaeggi, Christopher Kuhn, Fabian Unternährer, Jens Oldenburg, Michael Stöcklin, Nithah Stöcklin und Philipp Fuchs wurden von den Kuratoren ins illustre Feld der Aussteller aufgenommen.

Kunst und Dokumentation

Die Exponate sind so vielfältig wie ihre Macher. Von Porträts über Themen- bis zu Körperstudien ist alles dabei – technisch hochstehend umgesetzt. Michael Stöcklin zeigt Bilder aus der Serie «Duality». Er erklärt: «Dabei geht es um Gegenteiligkeit und Zweiseitigkeit.» Die beiden Models, die in der Serie zu sehen sind, konnten nach eigenen Ideen mit ihren Körpern Gegensätze darstellen. Aus zwei Körpern entstand so jeweils eine Form. «Die Serie ist durchzogen vom Thema des Gegensatzes. Wie Liebe und Kampf, Ruhe und Bewegung, kommt alles jeweils in den Motiven zum Tragen.»

Christian Jaeggi beschäftigt sich mit einer anderen Form von Gegensatz: der Gewalt an Menschen im Privaten und in der Öffentlichkeit. Für das Schweizer Hilfswerk EcoSolidar fotografierte er im indischen Bangalore Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden. An der Photo17 zeigt er nun einen Auszug aus seiner Reportage. Gewalt sei überall auf der Welt ein Thema, nicht nur an Frauen und nicht nur in Indien. «Ich habe lange damit gerungen, wie man dieses komplexe Thema angehen soll. Die Hand ist dabei ein wichtiger Teil der Symbolik, denn sie kann sich sowohl als Werkzeug der Tat als auch des Schutzes manifestieren», erklärt Jaeggi. Die verdeckten Gesichter symbolisierten dabei den Tabustatus, den Gewalt noch immer innehabe.

Weiter zeigt etwa Christopher Kuhn Emotionen anhand von Foptorafien von Mimik und Gestik. Von Reisefotograf Jens Oldenburg sind Impressionen aus der Mongolei zu sehen.

Namhafte Teilnehmer

Die neun Basler sind an der Werkschau in guter Gesellschaft. Dabei sind auch bekannte Namen wie der Snowboarder Iouri Podlatchikov sowie die Freelance-Fotografen Lukas Maeder, Cyrill Matter und Tina Sturzenegger. Zu den Stargästen zählen der niederländische Regisseur Anton Corbjin und der britische Fotograf Martin Parr.

Neben neun Sonderausstellungen wie etwa «Die Sicht der Anderen V – Irren ist menschlich» aus der Psychiatrie Winterthur und der Arbeit von Dominic Nahr, die von Ärzte ohne Grenzen präsentiert wird, wird auch der Schweizer Fotograf des Jahres gewählt. Die Swiss Photo Academy unter dem Vorsitz von Res Strehle, Präsident der Journalisten-Schule MAZ, hat Alexandra Wey, Andri Pol, Jean-Vincent Simonet, Lukas Wassermann und Thomas Kern nominiert. Der Sieger wird noch während der Messe gekürt.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Patric Huber am 05.01.2017 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    So schlimm war's noch nie....

    Danke für's zeigen der Beispiele. Macht mich gleich wieder viel selbstbewuster. Ausser bei den letzten der Serie eine emotionslose Ansammlung von Altagsbildern. Zeigt einmal mehr, dass Erfolg nicht mit Können sondern mit Connections zusammenhängt.

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  • Max Power am 05.01.2017 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Weg zum Profifotografen

    Man fotografiere ein "stinknormales" Motiv in Schwarzweiss und tataaa, man ist Profi.

  • Nick Paker, NYC am 05.01.2017 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    08:15!

    Wow, das sind aber eindrückliche 08:15 Fotos! Und so ein Schmarren wir noch aufgehängt, schade um die Löcher in der Wand

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stef am 05.01.2017 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur Connection?

    Wo sind die Basler Fotografinnen geblieben? Vielleicht wäre die Bildstrecke dann besser.

  • Patricia am 05.01.2017 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ihr habt wen vergessen

    Ich möchte kurz anmerken das auch Beat Mummentaler auf der Photo17 ausstellen wirt, der Herr der die "Bundesratstanne" fotografiert hat. Ein echt guter Fotokünstler!

  • Nick Paker, NYC am 05.01.2017 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    08:15!

    Wow, das sind aber eindrückliche 08:15 Fotos! Und so ein Schmarren wir noch aufgehängt, schade um die Löcher in der Wand

    • Fotografierer am 05.01.2017 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Stelle selber auch Bilder aus

      Wird dort nicht aufgehängt sondern gedruckt und auf Tischen ausgestellt ;)

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  • Max Power am 05.01.2017 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Weg zum Profifotografen

    Man fotografiere ein "stinknormales" Motiv in Schwarzweiss und tataaa, man ist Profi.

  • Patric Huber am 05.01.2017 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    So schlimm war's noch nie....

    Danke für's zeigen der Beispiele. Macht mich gleich wieder viel selbstbewuster. Ausser bei den letzten der Serie eine emotionslose Ansammlung von Altagsbildern. Zeigt einmal mehr, dass Erfolg nicht mit Können sondern mit Connections zusammenhängt.

    • Peter Meier am 05.01.2017 08:24 Report Diesen Beitrag melden

      Nichts Spezielles

      Genau das ging mir auch durch den Kopf. Bis zur letzten Serie fehlte mir vollkommen der Zugang - nichts Spezielles ...

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