Strafgericht BL

17. August 2017 05:53; Akt: 17.08.2017 05:53 Print

Ehemann soll Nanny seiner Kinder vergewaltigt haben

Ein 47-jähriger Togolese soll die Nanny seiner Töchter vergewaltigt haben. Er bestreitet die Tat, das Gericht hat aber Zweifel an seiner Version der Geschichte.

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Auf der Anklagebank versuchte der Togolese dem Gericht glaubhaft zu machen, dass die junge Nanny für ihn geschwärmt habe. (Bild: bl.ch/Tom Bisig)

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Schwarzer Anzug, weisses Hemd, makellose Lederschuhe. Der 47-jährige Beschuldigte trat am Mittwoch wie ein Buchhalter vor das Baselbieter Strafgericht. Dies sei sein früherer Beruf in Togo gewesen, gab er zu Protokoll. Dann lernte er eine Schweizer Ärztin kennen, zog 2009 in die Region Basel. Heirat, Familienglück. Eine Nanny kümmerte sich um die Zwillinge, weil der Papa immer wieder temporär Hilfsarbeiten annahm und die Mutter eine Arztpraxis zu managen hatte.

Als die Nanny selbst Mutter wurde, sprang im Februar 2014 eine 21-Jährige ein. Eine unsichere junge Frau, die sich freute, endlich eine Stelle gefunden zu haben. Was folgte, war laut ihren Aussagen ein Albtraum. Der Familienvater lungerte mehrheitlich zu Hause herum und bedrängte die junge Frau. Auf Schritt und Tritt verfolgte er sie. Am 17. Februar kam es zu ersten sexuellen Übergriffen. Am 20. Februar vergewaltigte er sie. Ungeschützt. «Er hielt ihr den Mund zu, damit sie nicht schreien kann», heisst es in der Anklageschrift.

Zweifel an einvernehmlichem Spontan-Sex

Die forensischen Beweise sind allerdings nicht eindeutig. Wohl ist der Geschlechtsverkehr nachgewiesen, eindeutige Spuren von Gewalteinwirkung aber nicht. Der Beschuldigte behauptet denn auch, dass der Sex einvernehmlich war. «Ich habe nichts gegen ihren Willen getan», sagte er vor Gericht. Die Frage, wie sich die sexuelle Beziehung angebahnt hatte, konnte er aber nicht schlüssig beantworten.

«So, jetzt ab aufs Sofa, jetzt tun wir es. Sie schildern es, als ob vorher nichts gewesen wäre und dann geht es Zack. Wie sollte eine 21-jährige Nanny auf die Idee kommen?», wollte Gerichtspräsidentin Monika Roth wissen. Die Schilderungen des Togolesen stimmten offensichtlich nicht mit der «allgemeinen Lebenserfahrung» der Gerichtspräsidentin überein.

«Jeder hat einen Moment der Schwäche»

Der Angeklagte wiederum wollte dem Gericht glaubhaft machen, dass die junge Nanny ihn angehimmelt habe. Weil er gut kochte und die Küche aufräumte, überhaupt ein vorbildlicher Hausmann sei. «Wenn sie entscheidet, mit jemandem wie mir Liebe zu machen, ist es nicht an mir zu entscheiden. Sie wollte es», entgegnete er.

Ob ihm nicht bewusst gewesen sei, dass er damit seine Ehe gefährde? «Ich bin Christ, ich bin gläubig. Aber jeder Mensch hat einen Moment der Schwäche.» Seine Frau scheint es ihm verziehen zu haben. Sie wohnt nach wie vor mit ihm zusammen und wohnte dem Prozessauftakt im Gerichtssaal bei. Eine Nanny ist nicht mehr im Haus.

Mehrjährige Haftstrafe gefordert

Für den moralischen Fehltritt plädiert Felix Moppert, der Verteidiger des Beschuldigten, auf Freispruch. Die Anklage, geführt von Staatsanwältin Alexandra Frank, sieht das ganz anders. Nebst Vergewaltigung und mehrfacher sexueller Nötigung hat sich der Togolese auch der versuchten schweren Körperverletzung und dem versuchten Verbreiten menschlicher Krankheiten schuldig gemacht. Er ist nämlich mit Hepatitis B infiziert und nahm in Kauf, sein Opfer damit anzustecken.

Dafür soll der 47-Jährige eine mehrjährige Haftstrafe kassieren. Das Baselbieter Strafgericht eröffnet das Urteil voraussichtlich am Freitag. Das Opfer war an der Hauptverhandlung nicht anwesend, macht als Privatklägerin aber noch nicht bezifferte Genugtuungs- und Schadenersatzansprüche geltend.

(lha)