Art Basel

19. Juni 2014 05:44; Akt: 19.06.2014 05:44 Print

Viel provokative Kunst an der Messe der Superlative

von Mirjam Rodehacke - Bisher war die Art Basel nur für Kunstsammler, VIPs und die Presse zugänglich. Ab Donnerstag können sich alle nebst normaler Kunst auch viel Provozierendes ansehen.

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Die wichtigste Kunstmesse hat in den vergangenen Jahren viele Entwicklungen durchgemacht. Auch Kunstmuseumsdirektor Bernhard Bürgi ist dies aufgefallen: «Sie hat durch ihre Bedeutung zwar ihren experimentellen Charakter der ersten Jahre verloren, doch schätze ich heute die Fülle an hochklassigen Werken seit der Moderne.» Trotz aller Entwicklung bleibt die Provokation der Kunst jedoch erhalten: Denn zum diesjährigen Start der mittlerweile 45. Art Basel gibt es bereits den ersten Skandal: Die Schweizer Nacktkünstlerin Milo Moiré, bekannt für ihre Performance in Köln, bei der sie nackt Eier legte, kündigte eine neue Aktion an. So will sie mit dem Tram nackt bis zur Kunstmesse fahren und anschliessend die Ausstellung auch im Eva-Kostüm besuchen.

Doch nicht nur Mila Moiré sorgt mit ihrer Nacktheit für Aufsehen, auch einige der Künstler, die in den 232 Galerien im Hauptsektor der Art Basel vertreten sind, setzen darauf oder gehen noch einen Schritt weiter zur Sexualität über. So zum Beispiel der Künstler Pierre Klossowski mit seinem Werk «L'enlèvement de roberte ou la descente de l'escalier». Dabei ist ein Mann zu sehen, der eine Frau eine Treppe hinunter trägt, ihr dabei unter den Rock fasst und seinen Kopf in ihren Schoss drückt. Das Werk stammt aus der Cabinet Gallery aus London und ist an der Art Basel Teil der Horrible-System-Reihe.

Atombombe vor dem Weissen Haus

«Neben den traditionellen Messeständen gibt es beim Sektor Unlimited 78 Kunstwerke im Grossformat zu betrachten», sagt Pressesprecherin Dorothee Dines. So zeigt Julio Le Parc mit «Continuel Mobile – Sphère rouge» einzelne rote Elemente, die zu einem grossen Ball zusammengefügt wurden und faszinierende Lichtspiele auf den Boden zaubern. Die englische Künstlerin Cathy Wilkes zeigt mit ihren Skulpturen «Untitled (Biggar)» in einem eigenen Raum eine arme Bettlerfamilie, die stark an die verfolgten und ausgezehrten Juden während des Zweiten Weltkriegs erinnert.

Dass die Politik auch heute ihre Fehler hat, versucht Jim Shaw aus den USA mit seinem Wandbild «Capitol Viscera Applicances mural» zu zeigen. Denn neben der ohnehin schon faszinierenden Grafik und Ausdruckskraft dieses Bilds sieht man im Hintergrund das Weisse Haus und davor eine nukleare Explosion, die diverse technische Geräte umherfliegen lässt.

Künstler bemalen Alltagsgegenstände

Weniger schockierend, dafür aber nicht weniger auffällig, ist das Werk «Soft Work» von Künstler Sterling Ruby. Die grossen Kissen, die von der Decke hängen oder am Boden liegen, erinnern an die in Amerika populären «Husband Pillows». Diese sind hohe grosse Rückenkissen, die dem Sitzenden mit zwei «Armen» aufrechtes Sitzen ermöglichen.

Wem solche grossen Werke zu unhandlich sind, der kann sich schon vor der Art auch Kunst zum «herumtragen» besorgen. «Bis am Donnerstag sind bei der Kaserne sechs internationale Künstler anwesend, die alles Mitgebrachte gratis bemalen», so die Gründerin der dafür zuständigen Start-up Firma aus Zürich, Nadine Benedickt. «Bisher war von Skateboards, Handyhüllen, Portemonnaies und Jeansgilets alles dabei – sogar eine Louis- Vuitton-Tasche wurde uns gebracht.»

Weitere Infos zu diesem Event unter: artplus.keyofaurora.com