Nach Labortest

29. November 2013 10:08; Akt: 29.11.2013 11:37 Print

Behörden nehmen giftige Puppen aus dem Handel

von N.Jecker - Phthalate bringen den Hormonhaushalt von Kindern massiv durcheinander. In Spielzeug sind sie deshalb verboten. Dennoch haben Basler Chemiker das Gift nun in Puppen nachgewiesen.

storybild

Phthalate, wie sie in Puppen enthalten sein können, hemmen die Entwicklung von Kleinkindern.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wer seinem Kind eine Puppe unter den Christbaum legen will, sollte beim Kauf besser nicht zum billigsten Angebot greifen. Denn gerade bei Spielzeug aus dem Tiefstpreissegment droht eine Belastung mit Phthalaten. Chemiker des Kantonalen Laboratoriums Basel-Stadt haben 29 besonders billige Puppen und Plastikfiguren aus dem Handel untersucht – drei der Puppen enthielten die hormonaktiven Giftstoffe.

Wie Phthalate im Körper wirken, zeigen zahlreiche Studien. «Besonders problematisch ist, dass sie bei Föten und Kindern bis drei Jahren die Ausschüttung von Testosteron hemmen», sagt Rex FitzGerald vom Schweizerischen Zentrum für angewandte Humantoxikologie. «Bei Buben und männlichen Föten wird die Spermienproduktion verändert, was zu Zeugungsunfähigkeit führen kann.» Ausserdem stehen die Stoffe im Verdacht, Hyperaktivität zu fördern.

Frühes Brustwachstum durch Phthalate

Auch bei Mädchen kommt es zu unerwünschten Effekten: In Puerto Rico etwa wurde schon bei Zweijährigen, die eine erhöhte Konzentration von Phthalaten im Blut hatten, eine unüblich frühe Brustentwicklung beobachtet. In Washington haben Wissenschaftler herausgefunden, dass mit Phthalaten belastete Frauen bis zu zwei Jahre früher in die Wechseljahre kommen. Auch bei Männern bringt man immer wieder Brustwachstum mit den toxischen Weichmachern in Verbindung.

«In Kinderspielzeug sind diese Weichmacher deshalb in der Schweiz und der EU verboten», sagt FitzGerald. Dass sie jetzt dennoch in Puppen entdeckt wurden, sei «schlimm, aber leider nicht erstaunlich». Immer wieder würden Hersteller das Verbot ignorieren. Phthalate werden bei der Verarbeitung von Kunststoffen eingesetzt.

Gifte gelangen durch Berührung in den Körper

Der Körper nimmt die Stoffe in erster Linie durch den Mund auf. «Bei Kindern ist also das Lutschen an belastetem Spielzeug eine massgebliche Quelle», sagt Urs Hauri vom Kantonalen Laboratorium Basel-Stadt. Aber auch die reine Berührung reicht aus, damit Phthalate über die Haut in den Körper gelangen. «Da sie nicht gebunden sind, dampfen sie aus und gelangen ausserdem in die Atemluft und den Hausstaub.»

Komplett ausweichen kann man den Stoffen nicht. «Sie kommen in vielen Bereichen und in grossen Mengen zur Anwendung», sagt Hauri. So werden etwa Kabel und andere Produktgruppen mit Phthalaten hergestellt.

Die belasteten Puppen, die in den Kantonen Basel-Stadt und Aargau erstanden wurden, dürfen in der ganzen Schweiz nicht mehr verkauft werden. Um welche Exemplare es sich genau handelt, darf Hauri nicht verraten. Dies lässt das Gesetz nicht zu.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Ausgewählte Leser-Kommentare

Das ist wieder so typisch! Der Verbraucher wird im Dunkeln gelassen bzw. hat keine Chance, sich aktiv dagegen zu wehren! Mich regt das so auf, dass es immer heisst: 'der Kunde wünscht das so' z. B. so billig. Aber das STIMMT NICHT! Es gibt genügend Verbraucher, die bewusst und gesund leben wollen, mit so wenig Schadstoffen und Giften, wie möglich! Und dafür wäre man auch bereit, mehr zu bezahlen! Aber es wird einem verdammt schwer gemacht, alles aufzuspüren und ist unglaublich mühsam! Wir brauchen eine Webseite mit genau diesen Infos! Nur so können wir uns aktiv gegen diese Verbrecher wehren! – Mia May

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mama am 29.11.2013 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist nur los?

    Noch was, im Beobachter ist auch ein Artikel über diese Puppen! In der EU weden die Namen der Hersteller genannt usw.! Die Schweiz übernimmt doch auch jedes schwachsinnige Gesetz von der EU warum dieses nicht? Das wäre mal was vernünftiges! Was ist nur los mit unserer Regierung?? Werden die etwa geschmiert?

    einklappen einklappen
  • lasagne am 29.11.2013 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Initiative

    ...Um welche Exemplare es sich genau handelt, darf Hauri nicht verraten. Dies lässt das Gesetz nicht zu....einfach lächerlich. Das gäbe doch mal eine schöne Volksinitiative: "Macht die Schmuddelresaurants, Umwelsünder und Dumpinglohnfirmen öffentlich!"

    einklappen einklappen
  • Ambrosia am 29.11.2013 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Trauig aber wahr.

    Unsere Regierung ist einfach keinen Rappen mehr Wert. Täter werden mehr beschützt, umhegt und gepflegt wie die Opfer. Vor Mafiafirmen gehen sie in den Kniefall. Auf die Konsumenten legen sie keinen Wert. Es kommt mir vor, als erhoffen sie sich wieder mehr kranke Menschen dadurch ,damit die Pharma wieder gute Einnahmen macht.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fabian M. am 29.11.2013 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    ist das Konsumentenschutz??!!

    Wieso darf man nicht erfahren woher die Puppen stammen? Sieht der Staat etwa das kürzlich abgeschlossene Freihandelsabkommen mit China gefärdet? Nehme schwer an das die Puppen sowieso von dort stammen oder irre ich mich da etwa? Als bewusster Konsument sehe ich langsam keinen Grund mehr unserer Judikativen zu vertrauen! Alles nur Pseudogesetze die einzig für Opportunisten mit Geldgier nützlich sind, den Konsumenten aber nach Strich und Faden betrügen! Die Schweiz - einst ein Land von Qualität - heute nur noch ein Abzockerstaat ohne Niveau!

  • Joe Arpaio am 29.11.2013 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch...

    Ich möchte aber gerne wissen welceh Puppen und Marken. Schliesslich möchte ich sie aus dem Kinderzimmer entfernen falls wir so ein Ding haben. Die Anonymitat ist wichtiger als der Schutz der Kinder.

    • charly am 29.11.2013 21:13 Report Diesen Beitrag melden

      Wo ist der Kinderschutz?

      Leider werden die schwarzen Schafe wieder gedeckt. Verantwortliche Eltern werden wieder einmal im Regen gelassen. Welchen Stellenwert hat die Gesundheit unsrer Kinder? Wenn ich dies betrachte, sehe ich ihn nach dem Umsatz. Traurig aber wahr.

    einklappen einklappen
  • Gehirnathlet am 29.11.2013 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Kaufhausverbrauchswegwerfmüll

    Theoretisch ist alles aus Plastik giftig. Die Industrie muss Abfall produzieren um zu überleben. Weihnachten sind die Kaufhäuser voll und kurz darauf landetet der kurzlebige Spielzeugschrott im Müll. Darum vor allem bei Spielzeugen robustes aus heimischem Holz das noch an die Enkelkinder weitergegeben werden kann. Dies ist wieder in. Wer Plastikspielzeug kauf ist primär selber doof und muss immer mit Giftstoffen darin rechnen und tut auch beim Entsorgen der Umwelt nichts gutes.

  • Thomas am 29.11.2013 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Regulierungswut

    Ja, und die Käpplein, die meine Mutter vor 30 Jahren für mich und meine Geschwister gestrickt hat, dürfen heute nicht mehr in die EU und CH eingeführt werde. Wegen den Bändel -> Strangulationsgefahr.

  • Babs am 29.11.2013 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Mein Gott, es geht um die Gesundheit der Kinder und es wird nicht gesagt welche Puppe "unbegreiflich"