Schiesserei in Basel

14. März 2017 16:20; Akt: 14.03.2017 16:20 Print

War es Rache für den Diebstahl von Drogen?

Ein Streit um Drogen soll das Motiv für den Anschlag sein, der im Kleinbasel zwei Menschenleben kostete. Die Staatsanwaltschaft will demnächst wieder über den Fall informieren.

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Auf diesem Foto sind die beiden Toten, der 28-jährige Mirjan B. (Zweiter von links) und der 39-jährige Orges S. (Erster von rechts) zu sehen. Festim D. (24, Erster von links) ist ausser Lebensgefahr. Ermal K. (Zweiter von rechts) sass am Tatabend mit seinen drei Freunden zusammen. Er wurde als Einziger nicht getroffen. Dieses Bild entstand wenige Tage vor der Schiesserei im Café 56. Ein Bekannter von Mirjan B. sagt: «Seine Familie hat mich am Freitagmorgen angerufen. Sie alle waren schrecklich aufgelöst und haben geweint. Ihnen war bereits von anderen Personen mitgeteilt worden, dass Mirjan eines der Opfer ist, jedoch wussten sie nicht, ob er tot oder schwerverletzt ist.» Grossaufgebot: Einsatzkräfte der Basler Polizei vor dem Café 56 am Donnerstagabend. (9. März 2017) So sah es vor dem Café 56 einen Tag danach aus. Die Rollläden bleiben zu. Am Donnerstagabend wurde gleich eine Grossfahndung eingeleitet: Strassensperren, Polizisten und viele Scheinwerfer im Kleinbasel. (9. März 2017) Das Forensikteam von Basel untersucht die Einschusslöcher in den Scheiben des Café 56. (9. März 2017) Auch im Innern der Bar wird nach Spuren gesucht. (9. März 2017) Der Tatort wird von der Polizei abgesperrt. (9. März 2017) Auf Spurensuche: Ein Forensikteam der Basler Behörden untersucht den Tatort. (9. März 2017) Verschont geblieben: Die Bar direkt neben dem Café 56 war zum Zeitpunkt der Schiesserei offen. (9. März 2017) Die Situation um das Café 56 wenige Stunden nach der Schiesserei. (9. März 2017) In grelles Licht getaucht: Die Polizei beleuchtet den Tatort mit einem Scheinwerfer. (9. März 2017) Die Basler Polizei sucht nach Zeugen. (9. März 2017)

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Der 28-jährige Mirjan B.*, der 39-jährige Orges S.* und der 24-jährige Festim D.* sassen am Donnerstagabend im Café 56 in Kleinbasel, als zwei Personen in das Lokal kamen und zu schiessen anfingen.

Als Erster wurde der 24-jährige Festim D. getroffen, schildert ein Bekannter von Mirjan die Tat: «Dann soll Mirjan B. aufgestanden sein und nach der Waffe eines Täters gegriffen haben.» Dann seien auch er und Orges S. getroffen worden. Sie starben noch vor Ort. Festim D. überlebte schwer verletzt.

Zwei Kilogramm Heroin gestohlen

Doch wieso wurde auf die drei Albaner geschossen? 20 Minuten hat aus mehreren Quellen erfahren, dass es bei der Bluttat um einen Diebstahl einer grösseren Menge von Drogen gegangen sein soll. Laut einem Insider wurden einem Drogendealer zwei Kilogramm Heroin gestohlen. Mindestens ein Opfer der Schiesserei soll am Diebstahl beteiligt gewesen sein. Die Attacke sei ein Vergeltungsschlag gewesen.

Bekannt ist, dass die Opfer der Tat als Touristen in der Schweiz waren. Sie sollen sich schon mehrfach vorübergehend in der Schweiz aufgehalten haben – möglicherweise in Zusammenhang mit Drogengeschäften.

«Öffentlichkeit wird zeitnah informiert»

Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt gibt zum möglichen Motiv «aus ermittlungstaktischen Gründen» keine Auskunft. Kriminalkommissar René Gsell sagt nur: «Die Ermittlungen sind schwierig und umfangreich.» Die für den Fall zuständige Sonderkommission arbeite mit Hochdruck am Fall. «Wir werden die Öffentlichkeit zeitnah orientieren, sobald es aus ermittlungstaktischen Gründen möglich ist», sagt Gsell. Ob die Täter bereits gefasst sind, kommentiert Gsell nicht.

20 Minuten weiss: Die Polizei zog die Handys von Personen ein, die während der Bluttat im Café sassen. Dies will Gsell nicht kommentieren. Er sagt jedoch: «Es werden aber zur Abklärung von Straffällen alle Vorkehrungen getroffen, die notwendig sind.»

Die sterblichen Überreste der beiden Todesopfer sollen am Mittwoch in ihre albanische Heimat zurückgeführt werden, wie 20 Minuten von Angehörigen erfahren hat.

*Namen der Redaktion bekannt.

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(jen/qll)