Skandal-Serie im Basler Polizeikorps

25. Mai 2017 18:44; Akt: 25.05.2017 18:45 Print

«Es ist Zeit für einen Neuanfang bei der Polizei»

Nach der jüngsten Freistellung einer Polizistin kritisiert Grossrat Eduard Rutschmann (SVP) die Polizei-Führung harsch. Sein Kollege André Auderset (LDP) ortet den Fehler ganz woanders.

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Es scheint, als vergehe kein Tag ohne negative Schlagzeilen aus dem Basler Polizeikorps: Zuletzt wurde am Mittwoch die vierte Freistellung bekannt – einer Polizistin wird vorgeworfen, empfindliche Daten herausgegeben zu haben. Nach Blaulicht-Polizist Dienstwagen-Affäre, Erdogan-Spitzel und mutmasslichem Schänder ist dies die jüngste Verfehlung einer Angehörigen, mit denen das Korps für Schlagzeilen sorgt.

SVP-Grossrat Eduard Rutschmann fordert nun Konsequenzen: «Wenn Regierungsrat Baschi Dürr endlich mal Ruhe im Stall will, muss er die Polizeileitung in Frage stellen», sagt der langjährige Grenzwächter. Es gelte, nebst dem Kommandanten Gerhard Lips vor allem auch dessen Stellvertreter Rolf Meyer zu hinterfragen. «Die Basis ist unzufrieden mit der Führung, vor allem mit dem Vize», weiss Rutschmann, der gute Kontakte zum Korps pflegt. Dabei nimmt er Dürr in Schutz: Man habe den Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartements mehrmals «auflaufen lassen», indem ihm Informationen vorenthalten wurden. «Es ist Zeit für einen Neuanfang», so der SVP-Mann.

«Denunziation schadet dem Betrieb»

Einen weniger kritischen Blick auf die Basler Polizei hat LDP-Grossrat André Auderset. «Bei rund 1000 Mitarbeitern ist es nicht erstaunlich, dass ein Prozent davon Mist baut», sagt der ehemalige Sprecher des Sicherheitsdepartements.

Das Problem sei nicht etwa eine Häufung der Skandale, sondern vielmehr, wie damit innerhalb des Korps umgegangen wird: «Früher wurden die Fälle nicht ausgeschlachtet und augenblicklich den Medien gesteckt», so Auderset. Loyalität sei schlichtweg grösser geschrieben worden. «Die Denunziation schadet dem Betrieb.» Damit wolle er keinesfalls sagen, dass Missstände unter die Decke gekehrt gehören. «Es ist die Pflicht der Polizei-Spitze, nun alles sauber aufzuarbeiten.»


(jd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. K am 25.05.2017 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Klartext

    Es geht nicht um Denunziation, sondern vielmehr darum, dass falsches Personal eingestellt worden ist. Wer dafür verantwortlich ist, soll auch dafür gerade stehen. Und diejenigen, die mit ihrem Verhalten das Gesetz gebrochen haben, sollen auch dafür bestraft werden. Ich denke, da sollte es keine weitere Diskussion geben.

  • Bürger am 25.05.2017 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    Berichterstattung

    Dazu kommt noch, dass die Medien noch weiter Öl ins Feuer giessen. Es handelt sich bei der betroffenen Person weder um eine Polizistin, noch um eine Verkehrspolizistin. Korrekterweise handelt es sich um eine Sicherheitsassisten, welche unter anderem für den ruhenden Verkehr verantwortlich sind. Natürlich entschuldigt das ein fehlbares Verhalten nicht, wenn ein solches denn auch vorgefallen ist - was die laufenden Ermittlungen sicherlich aufklären werden.

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  • Trudi Trödel am 25.05.2017 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig Herr Rutschmann

    Da muss ich ausnahmsweise mal einem SVP-Mann recht geben. Für mich wäre es schon längst an der Zeit, dass in den oberen Reihen die Plätze geräumt werden müssen. Zumindest müssten mal die Personalverantwortlichen -abgesehen vom JSD-HR- die Verantwortung für ihr Fehlhandeln übernehmen. Bei anderen Grosskonzernen gehen die CEO's auch, wenn solche Missstände herrschen! Keine Konsequenzen für das Kader finde ich ein unding und schönreden bringt jetzt absolut nichts mehr!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ras01 am 26.05.2017 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlende Loyalität? Sicher nicht!

    Was soll das, Herr Auderset? Fehlverhalten zu decken ist illoyal gegenüber all jenen Polizisten, die trotz immensem Druck und Frust anständig und korrekt arbeiten. Folgen keine Konsequenzen, zeigt man intern, dass manche des Korps von den Auflagen ausgenommen sind. Nach aussen signalisiert man, dass es schon ok ist - d.h., dass die Polizei über dem Gesetz steht. Da die Kernaufgabe der Polizei im Durchsetzen der Gesetze besteht, ist es kein Wunder, wenn sich die Öffentlichkeit darüber aufregt.

  • John X am 26.05.2017 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Sowas darf nicht mehr passieren

    Habe kürzlich eine Strafbefehl erhalten. Erfahren habe ich vom Str.B. erst mit der Mahnung, weil ich zum Zeitpunkt der eingeschriebenen Briefe auf Geschäftsreise war. Was komisch ist, ich hatte nie eine Rechtsmittelbelehrung erhalten und wusste deshalb auch nichts vom Strafbefehl. Trotzdem stand eine Aussage welche ich am telefon gemacht habe im Strafbefehl - Machen kann ich nichts mehr. Die Busse musste ich bezahlen auch wenn sich die Situation nie so zugetragen hat. Habe das Gefühl da wurde eine taktisch clevere Hetzjagd veranstaltet. Das muss aufhören.

  • John Free am 26.05.2017 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Wunsch

    Herr Auderset. Ich vermisse manchmal die Loyalität der Polizei gegenüber dem Bürger. Mann kommt sich oftmals vor als würde man Räuber und Polizei spielen... mit dem Ziel dem Bürger wieder ein paar Franken abzunehmen. Ich wünsche mir eine vernünftige, menschliche und anständige Polizei. Militärische Möchtegern mit Schreitiraden wie "Händ us de Hoseseck" bei einer Fahrradkontrolle wie die kleine Blonde bei der KP BS brauchen wir nicht. Und wenn offenbar auch bei der Polizei selbst nicht alles sauber läuft, dann möchte ich nicht bei jeder Kontrolle wie ein Schwerverbrecher behandelt werden.

    • Basler am 26.05.2017 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @John Free

      Ich glaube ja nicht, dass Sie gleich von Beginn weg angeschrien wurden. Sicherheit geht nunmal vor.

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  • Kleiner Mann am 26.05.2017 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Loyalität??

    "Früher wurde nicht alles den Medien gesteckt." Wow! Da fühlt man sich ja sehr sicher!!! Sollte nun bei der Polizei alles erlaubt sein solange nichts nach Aussen dringt??? Klar können auch Polizisten fehler begehen. Es sind auch NUR Menschen. Aber sie sollten genau wie die restlichen Bürger zu Rechenschaft gezogen werden, wenn die Verfehlung enorm ist.

  • Cavi33 am 26.05.2017 08:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso Diskussion

    Das ist ganz klar ein Führungsproblem und fängt beim Departementleiter an, sprich unfähiger Politiker und somit unfähiger Polizeichef.