Parlamentarischer Vorstoss

05. April 2016 05:38; Akt: 05.04.2016 05:49 Print

Väter sollen acht Wochen Elternzeit erhalten

Kommt das Baby, gucken die Väter in die Röhre, findet Sarah Wyss (SP): Im Grossen Rat fordert sie nun, dass der Kanton auch frischgebackenen Vätern Urlaub ermöglicht.

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Kantonsangestellte haben in Basel-Stadt Anspruch auf 10 Tage Vaterschaftsurlaub. Damit sind sie besser gestellt als die meisten Angestellten in der Privatwirtschaft. Das gesetzliche Minimum beim bezahlten Vaterschaftsurlaub sind gemäss Obligationenrecht ein- bis zwei Tage – von Urlaub kann da kaum die Rede sein. Mütter sind diesbezüglich mit einem Anspruch auf mindestens 14 Wochen bei 80 Prozent ihres Lohnes privilegiert.

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Dieses Modell, das die klassische Rollenverteilung in der Familie zementiert, sei überholt, findet Grossrätin Sarah Wyss (SP). In einem Anzug, der kommende Woche ans Basler Kantonsparlament gelangt, fordert sie die Einführung der sogenannten Elternzeit auf Ebene des kantonalen Personalgesetzes. «Dabei geht es um eine Grundeinstellung», so Wyss. Das Kind sei nicht einfach Sache der Mutter. Die Einführung der Elternzeit würde, so hofft sie, auch bei privaten Arbeitgebern zu einem Umdenken führen.

«Schluss mit dem Karriereknick»

Mutterschaft und Teilzeitarbeit gingen nach wie vor mit einem Karriereknick einher. «Damit muss endlich Schluss sein», sagt Wyss. In ihrem Vorstoss schlägt sie eine Elternzeit von 24 Wochen vor, wovon 16 Wochen auf den Mutterschaftsurlaub entfallen. Das übrige Kontingent fällt dem Vater zu, der mindestens acht Wochen bezahlte Elternzeit zugute haben soll.

Schweden kennt die Elternzeit bereits seit 1994. Auch in der Schweiz werden auf Bundesebene schon länger Überlegungen in diese Richtung gemacht. Die Eidgenössische Koordinationskommission für Familienfragen (EKFF) schlug schon 2010 die Einführung der Elternzeit von 24 Wochen vor. Allerdings hatte das Anliegen bislang einen schweren Stand. Erst im Januar sprach sich die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrats gegen einen zweiwöchigen bezahlten Vaterschaftsurlaub aus.

Der Arbeitgeberverband nahm das erfreut zur Kenntnis: Es sei nicht damit getan, wenn der Vater zwei oder drei Wochen nach der Geburt beim Kind sei. Die Erziehung beginne ja erst später, teilt der Arbeitgeberverband Basel auf Anfrage mit: «Will er unbedingt kurz nach der Geburt länger vollzeitlich beim Kind und bei der Frau sein, kann er sich Urlaub nehmen.» Barbara Gutzwiller, Direktorin des Verbands, tat das Anliegen als «Begehrlichkeit von Gewerkschaftskreisen» ab.

Kein linkes Gewerkschaftsanliegen

Allerdings sei die Elternzeit durchaus ein liberales Anliegen, hielt die «Neue Zürcher Zeitung» unlängst fest. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass der Mutterschaftsurlaub die traditionellen Rollenmuster stärke. «Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, die Verteilung der Arbeit in einem Haushalt nach der Geburt eines Kindes bloss einem Elternteil zu übertragen», schrieb die Zeitung in ihrer «liberalen Agenda» . Das Feld dürfe man nicht allein der Linken überlassen.

Wyss möchte ihren Anzug von möglichst vielen Parlamentariern aller politischen Couleur unterzeichnen lassen. In einer Woche wird sich dann zeigen, wie sehr die Elternzeit in Basel nur ein linkes Anliegen ist.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sebo50 am 05.04.2016 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber Militärdienst kann finanziert werden

    aha zu teuer und unnötig finde viele. typische Missgunst, typisch Schweizerisch. einfach 8 Wochen weniger Militärdienst und die Finanzierung steht. Ps: in der regel ist Militärdienst eh Zeitverschwendung.

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  • Kayla am 05.04.2016 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hallo Menschlichkeit...?

    Wenn ich diese Kommentare hier teilweise lese... Es scheint wieder einmal so zu sein, dass das Geld eine wichtigere Rolle spielt als die Humanität. Die Väter sollen arbeiten, statt eine Beziehung zu ihrem Kind aufbauen zu können, da es sonst "Geld verschlingt". Aber wenn die Eltern dann das Kind mit 3 Monaten "freiwillig" in die Kita geben, weil sie wieder arbeiten müssen/möchten, sind sie Rabeneltern, die ihre Kinder abschieben. Die Schweiz ist KEIN armer Staat und die Steuern werden teilweise für weitaus sinnlosere Dinge ausgegeben!

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  • Semir Zaxoy am 05.04.2016 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    GUT GUT

    Ich finde sehr gut Vor allem in der Schweiz man hat zu wenig Zeit für die Familie !

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lu am 06.04.2016 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also

    Also das wäre übertrieben,das ist nur für mütter wo nicht belastbar sind,ich habe mein kind vor 32.jahren bekommen,da ist mein mann am nächsten tag wieder arbeiten gegangen,das baby schläft ja die ersten par wochen und sehen ab ca.5-6.wochen!

  • Andy am 06.04.2016 08:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH die familienfeintliche Zone

    Vater wird man ja nicht jedes Jahr, 1-2 Wochen Vaterschaftsurlaub sollte möglich sein! Unser Kind ist mit Kaiserschnitt auf die Welt gekommen, meine Frau war froh um meine Unterstützung. Mir war von Anfang an klar, dass die CH eine familienfeintliche Zone ist, unser Sonnenschein kompensiert alles!

  • Domdi am 06.04.2016 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider nein

    Wir Schweizer sind zu rückständig und missgünstig. All die beleidigten Leberwürste " ich hatte das auch nicht". an alle Neunmalklugen die sagen dies sei nicht umsetzbar wegen kleinen Betriebe und co. UND WESHALB GEHT ES IN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH? Weil sie dort nicht so kleindenker sind!

    • Steuern Deutschland am 06.04.2016 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Domdi

      Es geht, weil 50% des Lohnes als Steuern wieder abgegeben werden. Das will man hier ja auch nicht und gerade junge Familien würden aufschreien, wenn sie mehr Steuern zahlen müssten

    • Silvia C am 06.04.2016 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Domdi

      .... und wie steht es mit der Wirtschaft in DE und F? Die Familie kann nur von einer starken Wirtschaft profitieren, wenn ARBEIT da ist und es den Kindern ermöglicht in einer stabilen Familie aufzuwachsen. Harz4 Eltern, erziehen ihren Nachwuchs wieder zu Harz 4 Bürgern.....!!!!!

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  • Arbeitnehmer am 05.04.2016 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Urlaube

    Und überlegt euch bitte auch folgendes Szenario, vor allem, wer in einem kleineren Betrieb arbeitet: "Ferien im Juli oder August? Nein das geht nicht, da ist ja schon der Fritz im Vaterschaftsurlaub und mehr als einer kann nicht weg..."

  • Linda am 05.04.2016 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super idee

    Das wäre mal ein plus. Ehrlich geht ja nicht nur um sein kind kennenzulehrnen es geht auch darum die frau zu unterstützen, damit sie wieder genügend kraft hat sich auf ihre 100% stelle zu kümern plus kind plus haushalt ect... Aber kann ja auch nicht jeder verstehen verient ja nicht jeder 6000 fr ( pro per.) :-S

    • Peter Moser am 06.04.2016 06:44 Report Diesen Beitrag melden

      @Linda

      Ich kann ehrlich gesagt, dieses Gejammere von (frischen) Familien nicht mehr hören. Schlussendlich hat sich JEDER dafür selbst entschieden. Selbst bei einer ungeplanten Schwangerschaft hat man sich bis zur 12. Woche fürs Kind entschieden. Was die heutigen Eltern einfach nicht mehr wissen, dass ein Kind Arbeit und Verzicht bedeutet. So frage ich mich sehr oft, wie es dann z.B. ein Fabrikarbeiter (mit Migrationshintergrund) schafft seine Familie als Alleinverdiener zu versorgen. Vielleicht sollte man sich in der CH wieder mehr um die Familie gesinnen, statt den Luxusgütern hinterher zu rennen!

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