Dittingen BL

23. August 2015 18:08; Akt: 24.08.2015 09:52 Print

«Solche Flugshows sollten verboten werden»

Bei den Dittinger Flugtagen sind zwei Flugzeuge kollidiert. Einer der Ultralights stürzte mitten im Dorf ab. Der Pilot kam dabei ums Leben. Die Flugshow wurde abgesagt.

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Bei den Dittinger Flugtagen sind am Sonntag zwei Ultraleichtflugzeuge der deutschen Fliegerstaffel Grasshoppers zusammengestossen und abgestürzt. Dabei ist ein 50-jähriger Pilot ums Leben gekommen. Der andere Pilot konnte sich mit einem Notschrim retten und blieb unverletzt. Die Veranstaltung wurde daraufhin abgebrochen.

Eines der Flugzeuge ist mitten ins Dorf Dittingen auf eine Scheune gestürzt. «Dittingen hatte heute 100 Schutzengel», sagt Regierungspräsidentin Sabine Pegoraro, die als Zuschauerin vor Ort war. Das zweite Flugzeug stürzte 170 Meter davon entfernt am Dorfrand ab. Dessen Pilot konnte sich mit einem Notfallschirm retten.

Zuschauer berichten von einem Knall bei der Kollision der Flugzeuge und dann noch einen beim Aufprall. Danach seien Rauchschwaden gen Himmel gestiegen. 65 Einsatzkräfte waren im Einsatz, um die Situation in den Griff zu bekommen.

Der Rumpf wurde touchiert

Bei der verunglückten Fliegerstaffel handelt es sich um ein Team mit drei Piloten aus dem deutschen Baden-Württemberg. Laut ihrer Facebook-Seite wollte die im August 2011 gegründete Staffel in ihrem etwa zehnminütigen Programm «die gesamte Bandbreite» der Ultraleicht-Fliegerei vorführen. Sie ging mit zweisitzigen Leichtflugzeugen vom Typ Ikarus C42 an den Start.
Das Unglück ereignete sich um 11.30 Uhr während der Dreierformation.

«Das untere Flugzeug hat eines der oberen am Rumpf touchiert», erklärt Urs Winkelmann vom Organisationskomitee der Dittinger Flugtage. «In solchen Situationen bleiben den Piloten im besten Fall ein paar Sekunden, um zu reagieren.»

Kurz nach dem Absturz sah es in Dittingen so aus:


Quelle: Leser-Reporter

Flugshow soll abgeschafft werden

Nach dem Unfall kochte die Volksseele in Dittingen. «Die Show sollte schon längst abgeschafft werden. Es ist einfach zu gefährlich», meint eine Anwohnerin. Eine andere hat Verwandte nahe der Absturzstelle. «Meine Nichte wohnt mit ihren Kindern keine 100 Meter von der Absturzstelle entfernt. Die Kinder waren draussen am Spielen. Muss erst etwas passieren, bis reagiert wird?»

Es ist nicht der erste Todesfall an der Dittinger Flugshow. Bereits vor zehn Jahren kam ein Pilot bei einem Absturz ums Leben. Und in den siebziger Jahren stürzte ein Flugzeug nur knapp hinter den Zuschauerreihen ab.

Regina Weibel war zum ersten Mal OK-Präsidentin der Dittinger Flugtage. Mit zittriger Stimme und nassen Augen drückte sie allen Betroffenen ihr tiefes Mitgefühl aus. Ob die Flugtage nun weitergeführt werden können, liess sie offen. «Wir werden mit allen Verantwortlichen zusammensitzen und die Lage besprechen.»

Hohe Sicherheitsstandards

Wer an der Flugshow teilnehmen will, muss ein Auflagenprozedere des Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) durchlaufen. «Die Shows müssen Monate vor den Flugtagen bei uns eingegeben werden», sagt Dieter Haldenmann vom Bazl. «Wenn uns eine Vorführung zu riskant erscheint, dann lehnen wir sie ab. Stuntflüge wie in den USA gibt es bei uns in der Schweiz aber sowieso keine.»

Das Fliegerteam aus Deutschland habe zum ersten Mal einen Aufritt in der Schweiz gehabt. Das Bazl habe sie jedoch an einer Berliner Flugshow gesehen und somit keinen Grund für Zweifel am Können der Piloten gehabt.

(tab/mk/sda)