Spezielles Inserat

07. Juli 2017 05:41; Akt: 07.07.2017 07:11 Print

Mieter soll Wohnung während Messen freigeben

Eine ungewöhnliche Wohnungs-Anzeige verblüfft derzeit Basler Wohnungssuchende: Der zukünftige Mieter soll seine Loge während der Baselworld und der Art zur Verfügung stellen.

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Das Inserat liest sich vielversprechend: Vier Schlafzimmer, drei Bäder, eine Sauna, über drei Stockwerke auf 160m2 verteilt und der Rhein in Fussnähe. Doch das Ganze hat einen Haken: «Die Miete beträgt 2475 Franken, unter der Bedingung, dass der Mieter die Wohnung während den Baselworld- und Art Basel Messen zur Verfügung stellt», steht in der Annonce geschrieben.

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Würden Sie in eine Wohnung mit eingeschränkter Nutzung einziehen?
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6 %
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Insgesamt 1250 Teilnehmer

SP-Grossrätin Sarah Wyss stinkt das gewaltig. Sie zeigt sich auf Facebook über den Vermieter entnervt: «Solche Anzeigen finde ich zum k***. Und das nennt man dann Wohnraum.»

Rechtliche Knacknuss und Win-Win-Lösung

Ist es überhaupt rechtens vom Vermieter, seine Mieter zwei Mal im Jahr auf die Strasse zu stellen? Die Experten-Meinungen gehen bei der Frage auseinander. «Rechtlich gesehen müssen sich da beide Parteien gut absichern», sagt Ruedi Spöndlin, Rechtsberater beim Schweizerischen Mieterverband. «Illegal ist die Bedingung, die den Mietern auferlegt wird jedoch nicht.»

Der Fall könne zur rechtlichen Knacknuss werden, etwa, wenn die Mieter während den Messen die Wohnung nicht verlassen wollen oder können. Dennoch kann Spöndlin der eingeschränkten Nutzung auch eine positive Seite abgewinnen. «Wenn der Mieter mit einem entsprechend günstigen Mietzins belohnt wird, kann es sich sogar um eine Win-Win-Lösung handeln.»

Ähnliche Fälle

Urs Thrier, Geschäftsleiter des Mieterverbandes Baselland und Dorneck-Thierstein, kann sich gar an ähnliche Fälle erinnern. Er sagt aber: «Das Inserat wirft viele Fragezeichen auf.» Da würden bei ihm die «Warnlampen anfangen zu blinken»: Handelt es sich um ein Untermieter-Verhältnis? Wer haftet im Falle von Schäden, wer zahlt wem welche Kosten? Für solche Fragen müssten Antworten gefunden werden.

«Am Ende kann in Anzeigen alles reingeschrieben werden», sagt er aber. Strafbar mache sich dadurch noch niemand. Spannend werde im genannten Fall ein Augenschein des Mietvertrages. «Da muss drei Mal hingeschaut werden», warnt Thrier.

Nicht rechtmässig

Beat Leuthardt, Co-Geschäftsleiter des Basler Mieterverbands, hält die eingeschränkte Nutzung für nicht rechtmässig. Er verweist auf die Hauptbestimmung des Mietvertrages, eine umfassende Nutzung des Wohnraums. «Wenn der Mieter jedes Mal während den Messen raus muss, ist dies nicht gewährleistet.» Leuthardt warnt davor, solche «Umgehungs-Verträge» einzugehen und rät, den Mietvertrag vor der Unterzeichnung einem kantonalen Mieterverband oder einer ähnlichen Institution vorzulegen.

Der Vermieter wurde von 20 Minuten kontaktiert, wollte zum Sachverhalt aber keine Stellung beziehen.

(jd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chewy am 07.07.2017 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Win Win

    Das ist doch Sache des Mieters und Vermieters wenn es für beide stimmt.

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  • indi am 07.07.2017 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das sollte niemand eingehen.

    Auf einen solchen Vertrag soll nie jemand eingehen. Als Mieter hat man ja auch persönliche Sachen in der Wohnung. Wer kommt für Schäden auf. Es gibt ja nicht nur 1a Messebesucher. Auch wenn alles vertraglich geregelt ist, Ärger bleibt immer.

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  • Generation X am 07.07.2017 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht

    Aber der Mietpreis wäre echt ein Schnäppchen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Manu Ela am 08.07.2017 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    Neues Wohnmodell

    Warum eigentlich nicht. Wenn ein Mieter damit einverstanden ist. Mein Ding wär's nicht. Die Vorstellung, dass wildfremde Leute in meinem Bett schlafen.....

  • Nanadina90 am 07.07.2017 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niemals!

    Niemals! Und der Mietpreis wäre mir noch immer zu hoch, dafür, dass man die Wohnung dann auch noch frei geben muss.

  • Butch am 07.07.2017 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ha, ha, ha...

    Sicher ein Inserat von Max-Immo... Die haben immer so komische Inserate, wo man bei einem Vertragsabschluss einen Monatsmietzins bezahlen soll oder so was verrücktes. Warum wird gegen die nie etwas unternommen? Auf so Mist muss man nicht eingehen!

  • Franz Müller am 07.07.2017 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Gleiches Recht für beide Seiten, ok?

    Wieso nicht? Dann aber, bitte liebe Verwaltungen, wenn wir während den lukrativen Ausstellungen Zimmer oder die ganze Wohnung in BS/BL/SO/AG ausmieten, nicht rumrüsseln, ok? Gleiches Recht für beide Seiten.

  • Lena am 07.07.2017 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Nichtig

    Teilnichtiger Vertrag. Der Zweck der Miete ist das (ständige) Überlassen zum freien Gebrauch. Ist das nicht gegeben, handelt es sich um einen Vertrag mit unmöglichen Inhalt, den jedes Gericht nach Klage anpassen wird.

    • Jurist am 07.07.2017 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lena

      Stimmt einfach nicht.

    • Butch am 07.07.2017 19:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Jurist

      Wenn ich aber eine Wohnung miete, dann bin ich Wohnungsbesitzer. Es ist somit meine Privatsphäre, welche übrigens durch die Verfassung geschützt ist. Somit ist ein solcher Mietvertrag eigentlich "nicht im Sinne der Sache" und somit eigentlich ungültig.

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