Gleiserneuerung in Basel

30. August 2017 16:31; Akt: 30.08.2017 17:18 Print

«Es ist eine Operation am offenen Herzen»

Die Gleise am Steinenberg sind in alarmierendem Zustand und müssen ersetzt werden. Deshalb kommt der Tramverkehr in der Innerstadt im September komplett zum Erliegen.

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Der Beton bröckelt, der Stahl ist abgenutzt – die Tramgleise am Steinenberg sind in einem desolaten Zustand. Laut den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) fallen sie in die Kategorie «alarmierend» und müssen deshalb dringend ersetzt werden. Während ambitioniert projektierten drei Wochen werden die 525 Schienenmeter an einem der in Basel zentralsten Knotenpunkte für den öffentlichen Verkehr ausgewechselt. Vom 9. bis zum 30. September gibt es deshalb für neun Tramlinien in der Innerstadt kein Durchkommen mehr.

Die Linien 11, 8 und 6 werden dann vom Bahnhof SBB kommend über den Messeplatz umgeleitet. Fährt man in einem 10er- und 15er-Tram, muss man beim Aeschenplatz aussteigen. Der 10er wird dabei ab Münchensteinerstrasse über das Denkmal geführt. Die Linie 3 wird derweil vollständig durch Busse ersetzt, die vom Burgfelderhof über die Heuwaage bis zum Bahnhof SBB fahren. Neu wird während der Bauphase die Linie 9 vom Eglisee bis zur Schifflände und zurück verkehren. Zwischen Barfüsserplatz und Schifflände wird zudem der sogenannte Barfi-Bus im Einsatz sein.

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Über Hälfte des Netzes in mangelhaftem Zustand

«Es ist eine Operation am offenen Herzen», sagte Stefan Schaffner, Leiter Markt und Netz bei den BVB, an der Pressekonferenz vom Mittwoch. Damit die Bauarbeiten möglichst reibungslos verlaufen, wolle man die Fahrgäste umfassend informieren: In der BVB-App ist die Baustelle im Fahrplan bereits integriert, in den Fahrzeugen sind ausserdem Flyer ausgelegt. «Neu haben wir auch eine telefonische Hotline eingerichtet», so Schaffner. Unter der Nummer 061 685 14 14 erhält man ab dem 31. August zwischen 7 und 19 Uhr Auskunft über die Umleitungen.

Hier wird in Basel überall gebaut:

«2017 ist für die BVB ein besonderes Jahr», sagte Infrastruktur-Leiter Bruno Stehrenberger. Ein Kuchendiagramm zeigt wieso: Über die Hälfte des Streckennetzes befindet sich momentan in einem schadhaften, schlechten oder gar alarmierenden Zustand. 40 Millionen Franken müssen die BVB dementsprechend für das diesjährige Bauvolumen aufwenden. Zum Vergleich: In den Jahren 2015 und 2016 waren es noch 12,5 beziehungsweise 17 Millionen gewesen. Auch die Jahre 2019 und 2020 werden mit ungefähr 32 und 39 Millionen zu Buche schlagen.

«Spätestens in acht Jahren noch mal ran»

Wie kommt es, dass sich über 20 Prozent des Netzes in einem schlechten bis alarmierenden Zustand befindet? «Es wurde in der Vergangenheit zu lange zugeschaut», sagt Stehrenberger, der erst vor einem Jahr von seiner Kaderposition in der SBB zu den BVB wechselte und dort die Position von Michael Bont übernahm. Beim Rundgang über den Steinenberg werden seine Worte naoch deutlicher: «Die Trams könnten hier jederzeit plötzlich nicht mehr fahren. Das ist doch kein Zustand.»

Deshalb werde nun unter Vollsperrung gebaut, um den Gleisersatz möglichst sicher und schnell über die Bühne zu bringen. Allzu lange dürften die neuen Schienen jedoch nicht im Betrieb sein: «Tramschienen haben eine Lebensdauer von 7 bis 30 Jahren. Wenn das Verkehrsaufkommen hier so hoch bleibt, müssen wir schon in sieben bis acht Jahren wieder ran.»

(rob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Waggis am 30.08.2017 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Bau(pfusch)departement

    Hätte man es vor ein paar Jahren richtig gemacht, wäre es jetzt nicht schon wieder nötig!!!

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  • StefanWillibald am 30.08.2017 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber so

    Lieber so, als im Halbbetrieb ein Jahr lang arbeiten, damit es dann ebenfalls in 7 Jahren wieder ersetzt werden muss!!!

  • Urs Meier am 30.08.2017 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlplanung

    Wieso hat man dies nicht wärend den Schulferien gemacht oder gleichzeitig mit dem unteren Abschnitt bis zur Post. Jetzt wo wieder alle Arbeiten schadet man schon wieder den Gesschäften der Innerstadt. Dies ist einfach unbegreiflich und eine Totale Fehlplanung der BVB,

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz Müller am 05.09.2017 23:51 Report Diesen Beitrag melden

    Trams zu schwer, zu dichte Fahrpläne

    Laut BVB setzen die neuen Combino&Stadler Rail Trams den Schienen, Weichen und umgebendem Asphalt-Gleisbett viel mehr zu, als angenommen! Das Leergewicht einer Combino-Komposition beträgt satte 40 Tonnen! Rechne noch die Passagiere dazu, ist es wohl klar, dass die Lebenszeit der Gleise nur noch 5-7 Jahre betragen kann, nicht mehr. Die Abnützung. Viel benützte Weichenstücke wie etwa am Märtplatz, Claraplatz, Bahnhof SBB, etc. eher noch kürzer. Weil die dichten Fahrpläne, beinahe im Minutentakt, besonders im Stossverkehr, eine Riesenbelastung für Schienen und Rollmaterial bedeuten.

  • D.N. am 05.09.2017 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Tatsache

    Ich würde eher meinen, unzumutbare Sicherheit! Aber eben, Strasse und ÖV ist eben nicht das Gleiche!

  • caco weise am 04.09.2017 00:52 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder

    Es ist ja bekannt dass die neuen Trams die Geleise stärker beanspruchen. Versteh nicht ganz weshalb am Steinenberg nach einer Sanierung von 6 Millionen (gestiftet von Oeri, um die Akustik im Musiksaal zu verbessern bzw. den Lärm der Trams zu beseitigen) nun schon wieder saniert werden muss.

  • Schnurri am 01.09.2017 00:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Züri

    In Zürich wäre dies eine Sache von einem Wochenende! Die VBZ bauen das gesamte Central in 5 Wochen Somerferien um. Dä könnt ihr Basler wieder einmal etwas lernen...

  • Bärbeli am 01.09.2017 00:16 Report Diesen Beitrag melden

    Gundelianerin

    ...... und wie fährt der 16er???? Manchmal habe ich das Gefühl, bei der BVB existieren diese Fahrgäste nicht........ Bei allem dürfen wir zurückstehen, aber voll zahlen!