Kein Ende in Sicht

17. Mai 2011 06:57; Akt: 17.05.2011 17:38 Print

Ziegelwerfer kriegt kein Wasser mehr

Seit über 30 Stunden tobt ein psychisch angeschlagener Mann auf einem Hausdach in Basel. Die Polizei versucht nun mit einer neuen Taktik, den Radaubruder vom Dach wegzubringen.

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Der Ziegelwerfer von Basel konnte um 10.30 Uhr nach 48 Stunden auf dem Dach unter Kontrolle gebracht werden. Er hatte seit Montag an der Bruderholzstrasse im Gundeldingerquartier für Aufsehen gesorgt. (Er trägt keine Maske, das Bild wurde verpixelt.) Eine Ambulanz brachte ihn nach dem Zugriff in die psychiatrische Klinik. Spezialisten der Polizei versuchten während zwei Tagen vergeblich, den Ziegelwerfer zur Aufgabe zu bewegen. Am Dienstagabend hatte er für kurze Zeit von den Ziegeln abgelassen und balancierte mit einer Leiter. Diese liess er allerdings kurz darauf auf die Strasse hinunterfallen. Seine bevorzugte Beschäftigung war es, Dachziegel auf die Strasse zu werfen. Die Polizei hatte mittlerweile ihre Taktik geändert: Kein Wasser und keine Zigaretten mehr für den Querulanten. Gleichzeitig versuchten Beamte, durch ein Loch im Dach zum Ziegelwerfer zu gelangen. Vergeblich. Am Dienstagmittag zeigte der verstörte Mann erste Ermüdungserscheinungen. Trotzdem dachte er nicht ans Aufgeben: Der Ziegelwerfer tobte weiter. Stunden nach Beginn des Dramas am Montagmorgen hat eine Familienangehörige vergeblich versucht, ihn zum Aufgeben zu bewegen. Der Unruhestifter hatte sich auf einem Dach an der Bruderholzstrasse verschanzt. Sicherheitskräfte hatten die Umgebung abgesperrt und ein Sprungkissen aufgeblasen. «Er schreit dauernd herum», sagte eine Leser-Reporterin. Der Mann spreche Schweizerdeutsch und mache einen angeschlagenen Eindruck. Seit Montagmorgen um 9 Uhr warf der Radaubruder mit Ziegeln um sich. Diese hat er auch gegen Polizisten geworfen. Spezialkräfte der Polizei versuchten, mit dem Unruhestifter zu verhandeln. Angefangen hat es damit, dass er Schuhe und Erdsäcke von seinem Balkon geschmissen hat. Danach stieg er aufs Dach und wendete sich den Ziegeln zu.

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Das Ziegelwerfer-Drama in Basel nimmt kein Ende. Um 17 Uhr Uhr verharrt der Mann nach wie vor auf dem Dach an der Bruderholzstrasse. Wie Polizeisprecher Klaus Mannhart gegenüber 20 Minuten erklärt, werde dem Mann nun kein Wasser und keine Zigaretten mehr aufs Dach gereicht. Dies soll ihn zur Aufgabe bewegen. Die Müdigkeit setzt dem Ziegelwerfer immer mehr zu. «Er ist um 16 Uhr beinahe vom Dach gefallen, als er einen Ziegel aufs Dach zurücklegen wollte», berichtet eine Reporterin von 20 Minuten vor Ort. Er wirke extrem erschöpft. Plötzlich schmeisse der Krawallmacher dann wieder einen Ziegel auf die Strasse. Die Stimme des Mannes sei nicht mehr so kräftig wie am Montag, er wirke völlig verzweifelt und sei wohl am Ende seiner Kräfte.

Polizeisprecher Klaus Mannhart im Videointerview:
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Video: Keystone

Nacht auf dem Dach verbracht

Zuvor verbrachte der Ziegelwerfer schon die ganze Nacht ohne zu schlafen auf dem Dach des Hauses, von wo er seit Montagmorgen alles, was nicht niet- und nagelfest ist, herunterschmeisst. «In der Nacht hat er regelmässig herumgeschrien und immer wieder Ziegel auf die Strasse geworfen», sagt eine Augenzeugin zu 20 Minuten Online.

Die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr, welche mit rund 70 Mann vor Ort sind, scheinen kein Mittel gegen den Radaubruder zu finden. «Wenn er in der Nacht eingeschlafen wäre, hätten wir ihn sofort vom Dach geholt», sagt Polizeisprecher Klaus Mannhart zu 20 Minuten Online. Das wichtigste sei, dass er Mann heil vom Dach herunterkomme. «Wir reden dauernd mit ihm und lassen ihn nicht einschlafen», so der Polizeisprecher. Sonst sei die Gefahr zu gross, dass der psychisch Angeschlagene vom steilen Dach falle.

Ziegelwerfer leidet unter Wahnvorstellungen

In Gesprächen mit dem Mann habe sich gezeigt, dass der Ziegelwerfer unter massiven Wahnvorstellungen leide, führt Mannhart aus. Er habe wirre Vorwürfe gegen zahlreiche Personen gerichtet. Ob der Ziegelwerfer unter Drogeneinfluss steht, kann Mannhart nicht sagen. «In so einer Situation mobilisiert der Körper alle Kräfte, die ganze Sache kann noch lange andauern.»

Polizeischutz für Anwohner

Für die Anwohner bleibt die Situation unangenehm: «Wir können unsere Wohnungen nur mit Polizeischutz verlassen», sagt Peter Brüllhart zu 20 Minuten Online. Das bunte Treiben in der Bruderholzstrasse lockt zahlreiche Schaulustige an. Die Polizei hat bereits gestern Abend einen Sichtschutz aufgestellt, um die Gaffer zu vertreiben.

Warum der Radaubruder dermassen durchdreht, bleibt weiterhin unklar. Laut Polizeiangaben befindet er sich seit Jahren in psychiatrischer Behandlung. Nachbarn berichten, dass er ein «Wirrkopf» sei und des öftern in der Nacht herumgeschrien und seine Freundin beschimpft habe.

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(am/sda)

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