Ausgrabung im Stadtcasino

29. November 2016 05:49; Akt: 29.11.2016 05:49 Print

«Basel ist ein einziger grosser Friedhof»

Bei den Bauarbeiten am Stadtcasino sind nicht nur architektonische Überreste alter Bauten, sondern auch Knochen gefunden worden, die mehrere hundert Jahre alt sind.

Im Rahmen des Umbaus des Stadtcasinos in Basel wird gegraben. Dabei sind menschliche Überreste zum Vorschein gekommen. (Video: las)
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Das Basler Stadtcasino wird umgebaut. Dafür müssen rund sieben Meter Erdreich und Fundament ausgehoben werden. Täglich werden zwischen 10 und 15 Kubikmeter Material entfernt. Es handelt sich dabei aber nicht um eine gewöhnliche Baustelle, denn die Arbeiter stossen regelmässig auf historische Fundstücke. Im Kreuzgarten, der sich früher zwischen der Barfüsserkirche und der Stadtmauer am Steinenberg befand, eben dort, wo heute das Stadtcasino steht, wurden menschliche Überreste gefunden.

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Um ein Verbrechen handelt es sich aber allem Anschein nach nicht. Und selbst wenn, wäre dieses längst verjährt. Vielmehr sind die Arbeiter auf etwas gestossen, was im Mittelalter und der Renaissance als Friedhof durchging. «Früher war man mit den Toten viel weniger zimperlich», erklärt Ausgrabungsleiter Marc Bernasconi. Sie wurden begraben, wo gerade Platz war. Reichte dieser nicht mehr aus, grub man die alten Knochen aus und sammelte sie an einer Stelle, während an der alten die frisch Verstorbenen unter die Erde kamen. «Basel ist eigentlich ein einziger grosser Friedhof», so Bernasconi.

Erwarteter Fund

Die Überreste von rund 30 Menschen sind bisher katalogisiert worden. Dass sich etwas Derartiges unter dem Konzertsaal befinden könnte, ist nicht ganz überraschend. Denn das Casino steht dort, wo früher der Kreuzgang die Barfüsserkirche mit der alten Stadtmauer verband. Wo einst Mönche des Franziskanerordens flanierten, entstand während der Reformation ein Irrenhaus des Bürgerspitals, wo die Patienten eingesperrt und sich selbst überlassen wurden. Dessen Fundament liegt rund drei Meter unter dem Barfüsserplatz.

«Die bisher jüngsten Funde stammen aus dem 16. Jahrhundert», sagt Bernasconi. Zu dieser Zeit habe man damit begonnen, Menschen im Kreuzgarten zu bestatten. Allerdings hatte das 14-köpfige Archäologenteam zunächst mit einem Mönchsfriedhof gerechnet. Im weiteren Verlauf stellte sich aber heraus, dass alle möglichen Personen dort begraben wurden. Als 1843 ein Kaufhaus am heutigen Ort des Stadtcasinos errichtet wurde, nahmen die Bauherren wenig Rücksicht auf die Gräber. «Sie waren ihnen einfach im Weg. In der modernen Archäologie gehen wir viel vorsichtiger damit um.» Während die Knochen vor 170 Jahren noch einfach weggeräumt wurden, werden sie heute penibel registriert und für wissenschaftliche Zwecke eingelagert.

Mögliche Funde aus der Römerzeit

Gegenwärtig sind die Aushubarbeiten etwa 3,5 Meter in die Tiefe vorgedrungen und befinden sich auf der Ebene des zweiten Kreuzgangs. «Wenn wir noch zwei oder drei Meter weiter gehen, finden wir vermutlich den alten Kreuzgang des Vorbaus der heutigen Barfüsserkirche. Dieser stammt aus dem Jahr 1250.» Noch weiter darunter glaubt Bernasconi auf eine Handwerkersiedlung aus dem 11. Jahrhundert zu stossen. Der ganz grosse Fund wäre aber eine römische Ruine. Einzelne Stücke weisen bereits darauf hin. «Damit könnten wir 2000 Jahre in die Basler Geschichte zurückblicken.»

Da am Ende alles ausgehoben und neu bebaut wird, dokumentieren die Archäologen die Fundstücke und -stellen ganz genau. Sie erstellen dazu dreidimensionale Bilder, die vom Gang durch die Ausgrabungsstätte kaum zu unterscheiden sind. «Schliesslich können wir das nur einmal machen. Danach ist es weg. Archäologie ist eigentlich dokumentierte Zerstörung», konstatiert Bernasconi.

Dienstags werden jeweils ab 13 Uhr Führungen durch die Ausgrabungsstätte veranstaltet.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Casinogino am 29.11.2016 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausgelöscht

    Das sind die Überreste der Schuldner des Casinos,und der Spielbetrüger.

    einklappen einklappen
  • Scotti am 29.11.2016 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Funde

    Interessant, wäre die Rosentalanlage nicht auch eine Ausgrabung wert?

  • Ferdiand Reischl am 29.11.2016 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Historische Opfer

    Vermutlich waren viele dieser Menschen, deren sterbliche Überreste nun gefunden wurden, Opfer des grossen Erdbebens in Basel im Jahr 1353.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • ich komme euch zu holen am 30.11.2016 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Miaubu das Katzengespenst

    Basel wurde auf einem Indianerfriedhof gebaut, die Katzen steigen jetzt aus ihren Gräbern!

  • wysa00 am 30.11.2016 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vom friedhof zum museum?

    wenn die basler regierung nicht bald umdenkt.. wird die basler innenstadt zum museum..

  • Carol am 30.11.2016 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Sind Sie hirnverbrannt?

    Wenn in Zürich ein Kaffee CHF 4.60 kostet und sie noch glauben, aus Anstand müsse man noch auf CHF 5.00 aufrunden, dann haben sie satte 25% Trinkgeld gegeben (CHF 4.00 + CHF 0.60 obligatorische Service-Gebühr, von der sie nicht entweichen können, + freiwillige CHF 0.40 Aufrundung), das heisst auf CHF 4.00 haben Sie CHF 1.00 für den Service gegeben.

    • Frosties am 30.11.2016 17:35 Report Diesen Beitrag melden

      @Carol

      Genau, und deswegen hat man diese Leute unter dem Casino vergraben... Wohl am falschen Ort gepostet?

    einklappen einklappen
  • gustav meyer am 30.11.2016 08:16 Report Diesen Beitrag melden

    Auto Friedhof!

    Basel ist sowieso ein Auto -Friedhof bei dieser Verkehrspolitik!

  • Eric Cerf am 29.11.2016 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Uraltes BS

    BS hat schlappe 2000 Jährli auf dem Buckel, sicher sogar noch etwas mehr. Beispiel Münster: Vor dem Bau um 1200 ? stand dort eine Kapelle, etwas jünger. Die Römer bauten um Christi Geburt einen kleinen Tempel, wohl auf den Überresten einer keltischen Kultstätte. Einzig die nachrückenden Alemannen hinterliessen keine festen Bauten.Dann kam das Christentum nach BS. Rechne! Ob der Münsterhügel ein magischer Ort ist, dass dort oben immer Kultstätten gebaut wurden?