Aus Knorpelgewebe

11. April 2014 05:53; Akt: 11.04.2014 18:14 Print

Basler Mediziner lassen Nasenflügel wachsen

Forschenden der Universität Basel ist es erstmals gelungen, die Nasenflügel von Krebspatienten mit Hilfe von gezüchtetem Knorpelgewebe zu rekonstruieren. Bald sollen Ohren folgen.

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Um diese Transplantation zu ermöglichen, verwendeten die Ärzte körpereigene Knorpelzellen der Patienten. Das Team um Ivan Martin vom Institut für Biomedizin, hat den Knorpelersatz für fünf Patienten im Alter von 76 bis 88 Jahren hergestellt und implantiert, deren Nasenflügel wegen Hautkrebs beschädigt war.

Ein Jahr nach dem Eingriff waren alle Patienten sowohl mit der Nasenatmung als auch dem Aussehen der Nase zufrieden, wie die Forschenden am Freitag im Fachjournal «Lancet» schrieben. Sie berichteten auch von keinen Nebenwirkungen.

Knorpelzellen isoliert

Auf der stark sonnenexponierten Nase ist ein bestimmter, nicht melanomartiger Hautkrebs häufig, wie die Hochschule in einer Mitteilung schreibt. Normalerweise müssen Chirurgen in diesen Fällen Knorpel, etwa von der Nasenscheidewand, einem Ohr oder einer Rippe nehmen, um den Nasenflügel zu rekonstruieren. Dieser ernsthafte Eingriff sei schmerzhaft und könne zu Komplikationen führen.

Für die Züchtung des körpereigenen Knorpels entnahmen die Wissenschaftler Gewebe aus der Nasenscheidewand der Patienten. Aus dieser Probe isolierten sie Knorpelzellen (Chondrozyten) und vermehrten sie während zwei Wochen in Kultur. Diese Zellen brachten sie dann auf eine Kollagenmembran auf und liessen sie zwei weitere Wochen auf die 40-fache Grösse der ursprünglichen Probe heranwachsen.

Im Kniegelenk getestet

Dann schnitten sie die Transplantate auf die Form der defekten Stelle am Nasenflügel zurecht und implantierten sie. Die Ergebnisse seien vergleichbar mit den derzeitigen Standardmethoden, liess sich Martin, Professor für Tissue Engineering, in der Mitteilung zitieren.

«Die neue Technik könnte dazu beitragen, dass der Körper das Gewebe besser akzeptiert und die Stabilität und Funktionalität des Nasenflügels verbessert wird», erklärte er. Die Methode öffne den Weg, künstlichen Knorpel für anspruchsvollere Rekonstruktionen in der Gesichtschirurgie zu nutzen, etwa der kompletten Nase, des Augenlids oder des Ohres.

Die gleichen Transplantate würden derzeit in einer Parallelstudie für die Knorpelrekonstruktion im Kniegelenk getestet, sagte Martin. Die routinemässige Anwendung des Verfahrens in der klinischen Praxis liege aber noch in weiter Ferne. Zunächst müsste seine Wirksamkeit an grösseren Patientengruppen überprüft werden.

(mj/sda)