Verkehrs-Experiment

15. Juni 2016 16:26; Akt: 15.06.2016 16:26 Print

Freie Bahn für Velofahrer auf Basler Teststrassen

Unbedingter Vortritt für Zweiräder und legales Nebeneinanderfahren sind auf so genannten Fahrradstrassen völlig normal. Nun soll das Konzept auch in der Schweiz Schule machen.

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Man soll mit dem Velo schneller durch die Stadt kommen. Dieser Ansicht sind das Amt für Mobilität Basel und das Bundesamt für Strassen (Astra). Zu diesem Zweck wird das Konzept so genannter Fahrradstrassen überprüft. Auf diesen «Autobahnen» für Velos geniessen Zweiräder den Vortritt von allen Seiten und dürfen nebeneinander fahren.

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Um herauszufinden, ob ein solches Verkehrsregime funktioniert, stellt die Stadt Basel zwei Strassen von Juli 2016 bis September 2017 darauf um. So werden auf dem St. Alban-Rheinweg von Mühleberg bis Farnsburgerstrasse sowie auf der Mülhauserstrasse zwischen Kannenfeldplatz und Elsässerstrasse zeitweise neue Verkehrsregeln herrschen, wie das Amt für Mobilität am Mittwoch mitteilte.

Abgeschautes Experiment

In Holland, Belgien, Deutschland und Österreich gebe es solche Strassen schon lange, hiess es weiter. Dies solle nun auch in der Schweiz möglich sein. Allerdings fehlt dafür gegenwärtig noch die Rechtsgrundlage. Ob das Astra diese schaffen wird, hängt von den Ergebnissen der Versuchsphase ab. So würden sich neben Basel auch fünf andere Schweizer Städte an dem Experiment beteiligen.

Neben der umgestellten Vortrittsregelung gilt neu in der Mülhauserstrasse Tempo 30. Das Amt für Mobilität erhofft sich auch Erkenntnisse dazu, wie die Fahrradstrassen mit den dortigen Trottoirüberfahrten, wo Fussgänger den Vortritt behalten, funktionieren.

«Ob noch weitere Strassen zu Fahrradstrassen werden, hängt von den Ergebnissen des Experiments und vom Astra ab», erklärt Nicola Kugelmeier, Projektleiterin der Mobilitätsplanung. Neben einer rechtlichen Grundlage benötige es auch eine verkehrstechnische Abklärung.

Mehr Signale, weniger Parkplätze

«Die Fahrradstrassen müssen klar signalisiert sein, sonst ist das gefährlich», sagt Roland Chrétien, Geschäftsführer von Pro Velo beider Basel, der das Projekt sehr begrüsst. Er habe ähnliche Strassen schon in Deutschland und Österreich befahren. Von dort habe man auch die Signalisierung abgeleitet, so Kugelmeier. Situationsbedingt müssten Wartelinien oder Stop-Schilder angebracht werden. Zudem sei die Fahrradstrasse nach jeder Kreuzung mit einem zwei Meter breiten Velo-Symbol markiert.

Aus Sicherheitsgründen fallen dem Experiment aber diverse Parkplätze zum Opfer. «Dabei geht es um Sichverhältnisse», erklärt Kugelmeier. So müssten am St. Alban-Rheinweg 1 sieben Meter, an der Eptingerstrasse 160 fünf Meter und an der Mülhauserstrasse 86 vier Meter Blaue Zone jeweils einem Halteverbot weichen.

TCS ist skeptisch

Der Touring Club Schweiz (TCS) befürwortet aus Sicherheitsgründen die Entflechtung von motorisiertem Individualverkehr und Veloverkehr, so Geschäftsführer Lukas Ott. «Dann sollte es aber eine vollkommene Entflechtung sein», hält er fest.

Zudem befürchte man, dass das Pilotprojekt lediglich eine «Vorstufe» der Veloring-Initiative ist, die nur zu einer Teilentflechtung führe und eine Temporeduktion von 50 auf 30 km/h auf sechs Hauptverkehrsachsen in Basel in Basel fordere. Diese lehnt der TCS entschieden ab.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Orchidea am 15.06.2016 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mach legal aus illegal

    Dann resigniert die Verkehrspolitik also und man legalisiert einfach etwas, was schon längst ausser Kontrolle geraten ist. Dabei müsste man, wie das bei den Milchkühen Autofahrer der Fall ist, bloss ernsthaft gewillt sein, Verkehrskontrollen auch für Velofahrer zu machen. Das würde die Bussen-Kassen füllen, bei all den Verkehrsübertretungen seitens der Zweirad-Kamikazen. Es läuft immer gleich ab in der Schweiz: Befolgen mehrere Leute während längerer Zeit ein Gesetz nicht, wird es einfach abgeschafft und man nennt es "innovatives Versuchsprojekt".

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  • lauaia am 15.06.2016 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    freche velofahrer

    uiui das kommt nicht gut. die nehmen sich schon jetzt immer den vortritt und man sieht ja was dabei rauskommt..

  • patrick menziken am 15.06.2016 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wenn dann alle

    wenn schon dann aber auch Velofahrer welche über 30kmh fahren Büssen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tux am 30.06.2016 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Basler Polizei

    Das war wieder einmal eine tolle Idee der Basler Polizei. Wieviele Unfälle wegen Missachtung des Rotlichtes hatte es an dieser Kreuzung gegeben. Genau keinen. Und das mit den Motorräder die Vorfahren kommt täglich vor. Was soll es. Solange sie schnell wegfahren spielt es keine Rolle. Tolle Leistung der Basler Polizei ! Haben wir eigentlich nur noch Gesetze und Vorschriften in diesem Land. Ist ja traurig was wir für ein Polizeistaat sind.

  • basilisk am 19.06.2016 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nervige und freche velofahrer

    Auch ich finde viele Velofahrer enorm frech; oft halten sie sich an keinerlei Regeln und schneiden auch Fussgängern den Weg ab. Schon 3x hat mich einer auf dem Fussgängerstreifen (!) gestreift. An meisten nervt es, wenn der Bus hinter ihnen herschleichen muss, weil sie nicht einmal kurz zur Seite fahren und die 80 Leute im Bus durchlassen können. Elendig z.B. der Birs entlang mit dem 36er. Meistens verpasst man dann als ÖV-Fahrer den Anschluss. Da kann es echt nicht sein, dass die immer noch mehr Zückerchen erhalten!

  • Velokatastrophe am 19.06.2016 02:21 Report Diesen Beitrag melden

    bin noch nicht stolz darauf!

    Glaube nicht, dass das schweizweit Schule machen wird, denn Basel Stadt ist ziemlich links, so links wie an den meisten Orten in der Schweiz nicht. Schlechte Velofahrer gibt es aber schon schweizweit. Die Linken möchten wohl schlechtes Velofahren noch mehr bekanntmachen. Gehöre selber auch zu den schlechten Velofahrern, bin aber noch nicht stolz darauf.

  • Gläibasler am 19.06.2016 00:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist so schön

    Bin wegen genau solcher Ideen vor ein paar Jahren nach BL gezogen. Hier hätten solche Projekte keinen Hauch einer Chance. Sorry alte Heimat, aber ich vermisse Dich keine Spur. Es reicht Deinen lustigen Bürgern wohl nicht, dass die Geschäfte abwandern. Jetzt soll auch noch der kleine Bürger verjagt werden. Macht nur so weiter. Aber bezahlt dann auch brav die Steuern, die immer höher und höher werden.

  • Rumpelstilzli am 18.06.2016 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleiben die Autofahrer?

    Wieso nicht noch die Seitenstrassen in Einbahnen umfunktioniere, so hätten die E-Biker mindestens dort ihre geforderte eigene zusätzliche Spur...