Protest

22. Oktober 2015 18:10; Akt: 22.10.2015 18:10 Print

Anonymous kämpft in Basel gegen Scientology

Das Kollektiv Anonymous setzt sich nun auch in Basel gegen Scientology ein. In der Nacht auf Donnerstag wurden etwa vor dem Büro der Glaubensgemeinschaft am Claraplatz mit Kreide Parolen angebracht.

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«Es herrscht Krieg», so beschreibt ein Basler Anonymous-Mitglied die Spannungen zwischen Scientology und dem Sekten-kritischen Kollektiv. Laut eigenen Aussagen geht die Gruppe beinahe täglich auf die Strasse, um gegen die Scientologen zu protestieren und deren Aktionen somit zu verhindern. Anonymous ist ein Verbund von anonymen Angehörigen, der es sich zum Ziel gemacht hat, weltweit gegen Scientology vorzugehen.

Während sich der Protest gegen die zahlreichen Ableger von Scientology lange Zeit hauptsächlich im Internet abspielte, verlagerten sich die Demonstrationen ab 2008 vermehrt in die Öffentlichkeit. Um ihre Anonymität zu wahren, werden bei Auftritten oftmals die typischen Anonymous-Masken getragen. Erst seit kurzem operiert Anonymous auch in Basel. «Nach der Eröffnung des Scientology-Zentrums an der Burgfelderstrasse hatten wir die Schnauze voll und formierten den Widerstand», erzählt ein Anonymous-Basel-Anhänger.

«Scientology zerstört dein Leben»

200 Personen würden mittlerweile dazu zählen und sich um einen «harten 20-köpfigen Kern» formieren. «Wir sind so viele, dass wir jeden Tag auf der Strasse und auf den Plätzen vor Ort sein können, um gegen die Sekte vorzugehen», heisst es aus Anonymous-Kreisen. Der Aufstand der anonymen Gemeinde sei laut eigenen Aussagen vielseitig und gewaltfrei. In der Nacht auf Donnerstag habe sie den Scientologen etwa mit Kreide den Kampf angesagt. Zahlreiche Schriftzüge vor dem Scientology-Büro am Claraplatz wurden auf den Boden gekritzelt: «Scientology zerstört Familien» und «Scientology will dein Geld und dein Leben», stand dort geschrieben, bis sie am Vormittag weggewischt wurden.

Grundsätzlich seien sie immer dann vor Ort, wenn Flyer-Aktionen oder sonstige Events der religiösen Gemeinschaft statt finden würden, um Aufklärungsarbeit zu leisten. «So können wir beispielsweise intervenieren, wenn sie auf ahnungslose Passanten zugehen, psychologische Tests mit ihnen durchführen wollen und sich nicht als Sekten-Mitglieder zu erkennen geben», so der Anonymous-Aktivist.

«Anzeigen gegen Anonymous»

Scientology zeigt sich indes empört über den Aktivismus von Anonymous und bezeichnet die Kritiker als Jenseits von gut und Böse. «Anonymous will keinen Dialog mit uns eingehen, sondern lediglich rassistische Parolen rauslassen», ärgert sich Annette Loeffler, Medienverantwortliche von Scientology Basel, über die Kreide-Malereien.

Konsequenzen hätten die Kritzeleien vorerst nicht, da Scientology nicht wisse, wer dahinter stecke. «Wir behalten es uns jedoch vor, eine Anzeige einzureichen», so Loeffler. Es wäre nicht das erste Mal, dass Scientology gegen Anonymous Basel vorgehen würde. Einzelne Mitglieder hätten bereits Anzeigen erstattet, da sie auf Film- und Foto-Material zu sehen waren, das auf der Anonymous-Facebookseite veröffentlicht wurde.

(jd)