Grausliger Fund

13. April 2017 09:18; Akt: 17.04.2017 14:25 Print

In dieser Mumie soll ein geopferter Bub stecken

Die Mumie eines Inkakriegers enthält nicht etwa einen Kämpfer, sondern ein Kind. Das zeigt eine Computertomografie. Der chronisch kranke Junge wurde vermutlich geopfert.

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Der Titel der aktuellen Ausstellung des Naturhistorischen Museums Basel könnte nicht treffender sein: «Mumien – Rätsel der Zeit». Eine Forschungsgruppe um den Basler Anthropologen und Kurator des Museums, Gerhard Hotz, lüftete das rund 500 Jahre alte Geheimnis einer Inka-Mumie. Von der sogenannten Hockermumie eines Inkakriegers, die das Basler Museum der Kulturen 1921 in München erworben hatte, wurde bisher angenommen, dass sie den Leichnam eines Kriegers birgt.

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Die Computertomografie, die vergangen Frühling gemacht wurde, schreibt die Geschichte dieses Artefakts jetzt aber um: Der CT-Scan enthüllte, dass im Innern der Mumienhülle kein Krieger, sondern ein achtjähriger Bub steckt, der augenscheinlich mit mehreren Krankheiten zu kämpfen hatte. Hotz, die Radiologin Stephanie Panzer von der Unfallklinik Murnau (D) und Holger Wittig, Forensiker der Basler Rechtsmediziner, fanden heraus, dass der Bub an einer erblichen Tumorerkrankung litt, der Neurofibramatose Typ 1. Er war chronisch krank und hatte zudem mit Verdauungsproblemen zu kämpfen.

Gewalt deutet auf Ritual hin

Weiter wurden Spuren von Gewalt gefunden, die vermutlich zum Tod des Jungen geführt hatte. So wurde sein Brustkorb aufgeschnitten und die Leber entnommen und in mehrere Stücke zerschnitten. Dieser Eingriff, sind sich die Forscher sicher, steht nicht in Zusammenhang mit der Mumifizierung, sondern hat einen ganz anderen Hintergrund.

Die Entnahme der Leber und deren Zerschneidung weise auf eine Opferung im Sinne einer Orakelsprechung hin, heisst es in einer Mitteilung des Museums vom Donnerstag. «Ein bis anhin an mumifizierten Körpern noch nie nachgewiesener Vorgang.» Im Inkareich opferten Priester üblicherweise Tiere, um aus deren Leber die Zukunft zu lesen. Die vorliegenden Erkenntnisse und Fakten legten auch für den Buben eine solche Interpretation nahe.

Forscher wollen das Rätsel lösen

Nach dem Ende der Ausstellung will das Team um Gerhard Hotz die Forschungen an der Mumie fortsetzen, um das Schicksal des Buben und die Hintergründe seiner möglichen Opferung zu entschlüsseln. Die spektakulären Erkenntnisse von Hotz und seinem Team wurden in der renommierten Fachzeitschrift «The Public Library of Science ONE» veröffentlicht.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beobachter am 13.04.2017 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Dürfen wir verurteilen?

    vor 500 Jahren wurden in ganz Europa angeblich Hexen verbrandt, Menschen gevierteilt etc. Die Inka Kultur als grausam zu verurteilen steht uns schlichtweg nicht zu.

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  • Herrcool.es am 13.04.2017 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Damals schon...

    Gewalt im Interesse sektiererischer Priester-Kasten. Es gibt wenig Neues unter der Sonne

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  • Fredi gurtner am 13.04.2017 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Mumie

    Die Religion des Inkavolkes,war halt anders als das bigotte Christentum.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J.P. am 14.04.2017 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    ja, so war das Früher. Heute ist es auch nicht viel besser, aber einfach anders.

  • Chela am 13.04.2017 23:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es war mal ...

    Die Inkakultur kannte keine Religion , Christentum brachten die Eroberer mit Gewalt und lügen. Die Inkas glaubten an die Mutter Erde und hatten 3 Geboten welche zu befolgen waren. Ama sua: stehle nicht Ama llulla: Lüge nicht Ama quella: sei nicht faul Wenn nur diese Eroberer nicht gewesen wären.... Wäre heut zu Tage alles viel besser

    • Leyla am 16.04.2017 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chela

      Ich kann Ihnen eins sagen. Von verschwundenen/zerstörten Völkern steht in der Thora, in der Bibel und auch im Koran (es ist ja der gleiche Gott). Jedes Volk, welches die Zeichen Gottes verachtete, an mehrere Götter glaubte oder Frevler waren, wurde zerstört - der Pharao, das Volk Lots, Atlantis, Maya, Azteken, Inkas, usw. Nicht die Menschen haben andere Völker zerstört, es war Gottes Wille auf der Erde "aufzuräumen". Lesen Sie mal Gottes Wort, Sie werden es selber einsehen.

    • Heide am 18.04.2017 10:34 Report Diesen Beitrag melden

      System der Herrschaft und Ausbeutung

      @ Leyla Jaja, die monotheistischen Religionen waren waffentechnisch den Naturreligionen überlegen (die Macht der Gewalt eben) - schliesslich dienen die Religionen des "HERRN" auch dazu die Herrschaft der Herrscher über die Beherrschten zu legitimieren. Ein System der Ungleichheit und Ausbeutung zu errichten (macht euch die Welt Untertan...). Dafür waren die Naturreligionen sozial, ökologisch und menschlich dem Monotheismus überlegen.

    • Armin am 19.04.2017 10:35 Report Diesen Beitrag melden

      @Leyla

      Dass Lots Sodom und Gomorrah von einem kosmischen Meteoritenschauer ohne jegliche göttliche Beteiligung ausradiert worden ist, das ist ihnen schon auch bekannt, oder? Wie die Mehr-Götter-Religionen dem Monotheismus weichen mussten (weil , um Dutzenden von Göttern zu gefallen und ihnen zu huldigen, wohl mit der Zeit niemand mehr gearbeitet hat) genau so werden eines Tages auch die monotheistischen Religionen verschwinden. Alles nur eine Frage des Wissens, eine Frage der Aufklärung, eine Frage des Bildungsgrades.... Jesus war übrigens bloss ein Wanderprediger einer Weltuntergangssekte...

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  • Désy am 13.04.2017 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Désy

    Ich finde es auch brutal aber ich erlaube mir nicht eine Kultur zu kritisieren die ich nicht kenne.

    • Miraculix am 15.04.2017 15:55 Report Diesen Beitrag melden

      Chapeau

      Sie sprechen ein grosses Wort gelassen aus. Wir dürfen nicht verurteilen was wir nicht verstehen. Mehr gibt's dazu nicht zu sagen.

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  • Nemo am 13.04.2017 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nee ich verstehe nicht

    Brutal. Nur noch brutal. Was haben die Inkas für Kinder empfunden? Brutale Kultur.

    • Verdingkind am 18.04.2017 10:37 Report Diesen Beitrag melden

      brutale Schweizer Kultur

      In diesem Land wurden Kinder vor wenigen Jahrzenten noch als Arbeitssklaven gehalten (Verdingkinder) und waren den Misshandlungen völlig rechtlos ausgeliefert. Was haben die Schweizer für Kinder empfunden? Brutale Kultur!

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  • Perulinda am 13.04.2017 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie das Mädchen in Arequipa

    Der Junge wurde wahrscheinlich vor der Opferung mit Naturdrogen betäubt. Zudem war er ja auserkoren worden und das war für ihn eine hohe Ehre. Das ist zumindest das, was ich selber in Peru gehört und gesehen habe über das Thema Menschenopfer. Dort hat es ein Mädchen im Museum in Arequipa, das noch sehr gut erhalten ist und zwar nicht skelettiert! Man fand es in den Bergen und durch die Kälte fand kein Verwesungsprozess statt. Sehr eindrücklich und auch ein wenig gruselig. Ich habe höchsten Respekt vor den Inkas und ihrer Kultur! Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, kommt man oft ins Staunen!