Strafgericht BL

17. August 2016 05:42; Akt: 17.08.2016 05:42 Print

19-Jähriger entsorgt Zigi falsch – Wohnungsbrand

Ein junger Mann gönnt sich über Mittag eine Zigarette, wirft diese in den Mülleimer und löst so einen Glimmbrand aus. Am Dienstag stand er vor der Einzelrichterin und wurde verurteilt.

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Eine Rauchpause kam einen Baselbieter teuer zu stehen: Nebst einem Wohnungsbrand und mehr als 200'000 Franken Schulden hat der gelernte Koch beinahe seine Mutter auf dem Gewissen. Am Dienstagvormittag stand der sichtlich nervöse Mann vor dem Strafgericht und gab an, sich nicht mehr daran erinnern zu können, wie es zu dem Desaster kommen konnte. Die Anklage wirft dem heute 22-Jährigen vor, während einer Mittagspause in der Birsfeldner Küche seiner Eltern geraucht und die Überbleibsel der Zigarette erst in einen Aschenbecher und schliesslich in den Mülleimer unter dem Waschbecken geworfen zu haben.

Obwohl der Angeklagte während dem Beweisverfahren am Gericht erklärte, keine Erinnerungen mehr an die Entsorgung der Raucherwaren zu haben, sahen sowohl der Staatsanwalt als auch sein Verteidiger die Sachlage als zweifelsfrei erwiesen: Der glimmende Stummel und die Asche wurden unvorsichtig entsorgt. Zumal der Angeklagte in der polizeilichen Einvernahme sowie gegenüber einer psychiatrischen Gutachterin schilderte, dass er nicht sicher sei, ob die Zigarette aus war, als er sie an jenem 15. März 2013 in den Müllsack geworfen hatte.

Von Bauarbeitern gerettet

Der junge Mann verliess das Mehrfamilienhaus, während sich ein gefährlicher Glimmbrand ausbreitete, der eine starke Hitze- und Rauchentwicklung nach sich zog. Die Wohnung war zu diesem Zeitpunkt nicht leer: Die Mutter des Beschuldigten schlief krank auf dem Sofa und die beiden Katzen der Familie waren ebenfalls da. «Nur dank grossem Glück erwachte die Frau. Ich möchte mir nicht ausmalen, was sonst passiert wäre», las der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Sie stürmte zum Schlafzimmerfenster und rief um Hilfe. Per Zufall hielten sich zwei Arbeiter auf der gegenüberliegenden Strassenseiten auf und retteten die Frau mit einer Leiter aus dem ersten Stock. «Mit seiner unüberlegten Tat gefährdete er seine Mutter und alle Bewohner des Hauses akut,» so der Staatsanwalt weiter.

Die Richterin betonte, dass sie eine milde Strafe für angebracht halte. «Sie haben nicht gleichgültig gehandelt. Es handelt sich um ein Versehen bei einem Vorgang, den jeder Raucher jeden Tag macht. Bei Ihnen führte es fatalerweise zu einem Brand», begründete sie ihr Urteil. Verurteilt wurde er zu bedingten gemeinnützigen Arbeitsstunden. Ein Strafmass, dass laut Gerichtspräsidentin fast nie ausgesprochen werde.

(jd)