Nachbarschaftsstreit

27. September 2017 19:40; Akt: 28.09.2017 15:46 Print

«Ihr kriegt eine Ladung Säure in die Fresse»

Vor dem Strafgericht in Muttenz wurde am Mittwoch eine Fehde unter Nachbarn verhandelt. Ein 62-Jähriger wurde wegen über 20 Droh-Briefen und anderen Aktionen verurteilt.

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Der Angeklagte bedrohte seine ehemaligen Nachbarinnen und wurde zu einer bedingten Strafe verurteilt.

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«Die Briefe haben eine ständige Todesangst in mir ausgelöst, die bis heute anhält», sagte die 48-jährige ehemalige Nachbarin des Mannes am Mittwoch vor der Dreierkammer des Strafgerichts Basel-Landschaft aus. Sie und ihre zwei Jahre ältere Schwester wurden 2013 und 2014 vom Angeklagten in insgesamt 22 handgeschriebenen Briefen aufs übelste beschimpft. «Ihr kriegt eine Ladung Säure in die Fresse. Ich reisse euch die Brüste ab», hiess es etwa in den Hass-Tiraden.

Während die Briefe zu Beginn Beschimpfungen wie «Beschissene Gurken» oder «Dreckshuren» beinhalteten, sei der Inhalt von Mal zu Mal brutaler geworden – «bis hin zu sexualisierter Gewalt und Todesdrohungen», so die Staatsanwältin.

Wohnungs-Annonce in Zeitung gestellt

Die Fehde zwischen den Nachbarn geht aufs Jahr 2002 zurück, als die Schwestern ins selbe Mehrfamilienhaus in Binningen zogen. «Die zwei waren der Grund, dass meine Frau einen Nervenzusammenbruch erlitt und wir nach 23 Jahren unsere Wohnung verliessen», sagte der Beschuldigte, der in besagter Liegenschaft als Hausmeister tätig gewesen ist. Beschimpfungen und unwahre Beschuldigungen von Seiten der Frauen seien beinahe an der Tagesordnung gewesen.

Sieben Jahre nach dem Auszug seien Rachegelüste in ihm aufgeflammt. «Ich wollte sie an ihrem Wohnort verunsichern. Stress bei ihnen erzeugen und sie fühlen lassen, was wir durchgemacht haben», so der 62-Jährige der heute keiner Arbeit mehr nachgeht. Nebst den Briefen erstellte er zwei Wohungs-Annoncen im Namen der Schwestern, inserierte diese im «Baslerstab» und «Binninger Anzeiger» und veröffentlichte deren Nummern mit dem Vermerk, dass die Wohnungen zur Besichtigung bereit stehen würden.

«Bereue jeden Buchstaben»

Diese Situation machte vor allem dem jüngeren Opfer zu schaffen, da sich ihre chronischen Erschöpfungszustände dadurch verschlechterten. «Er hat mein ganzes Leben zerstört.» Auf die Gesundheit schlugen die fortwährenden Bedrohungen auch der anderen Schwester. Ihre MS-Erkrankung habe sich verschlechtert, gab sie zu Protokoll. Beide könnten bis heute nur noch mit Medikamenten Schlaf finden.

Er bereue jeden Buchstaben, liess der Angeklagte am Prozesstag verlauten. «Die Opfer konnten nicht wissen, dass er die Drohungen nicht wahr machen würde», so die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Sie forderte nebst einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren eine therapeutische Massnahme.

2000 Franken Genugtuung pro Schwester

Das Gericht sprach ein milderes Urteil und verurteilte den Mann wegen Drohung, versuchter Nötigung und Urkundenfälschung zu 14 Monaten Freiheitsstrafe bedingt. Schuldig gesprochen wurde er auch aufgrund der Beschimpfungen und bekam eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 30 Franken auferlegt. Zudem trägt er rund 10'000 Franken Verfahrenskosten und muss jeder der Schwestern 2000 Franken Genugtuung zahlen.

(jd)