Basler Opfer

09. August 2016 05:56; Akt: 09.08.2016 05:56 Print

5000 Franken für Pfusch an Teppichen gefordert

Dubiose Teppichwäscher treiben in der Region Basel ihr Unwesen. Lockvögel, horrende Preise, intransparente Kosten und Einschüchterung gehören zu ihrem Standardrepertoire.

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T.M. (77) aus Riehen wurde dazu gebracht, 5000 Franken für die Wäsche und die Reparatur von zwei Teppichen zu bezahlen. Als sie diese zurückbekam, traute sie ihren Augen nicht. Angesprungen ist sie auf diesen Werbeflyer der Teppichwäscherei Basel, den sie in der Basler Zeitung gefunden hatte. Einem Experten der Schweizerischen Orientteppichhänder-Vereinigung (SOV) fallen hier schon Unsauberkeiten auf: Nirgends steht der volle Name des Inhabers. Zudem seien Versprechen «für jeden 10. Anrufer» unzulässig. Die Rückseite: Der Flyer ist ein typischer Lockvogel, so der Experte. Es werden zahlreiche Rabatte angepriesen, um Kunden zur Kontaktaufnahme zu bringen. Danach hört man nie wieder etwas von einer Vergünstigung. Dieser Teppich von T.M. wurde weder fachmännisch gewaschen noch repariert, konstatiert der SOV-Experte. Bei Teppich Nummer zwei zeigt sich ein ähnliches Bild punkto Waschen. Die hier ausgeführte Reparatur ist aber noch schlimmer. Als «katastrophal» stuft sie der Experte ein. Statt die Fransen zu erneuern hat die Wäscherei sie einfach abgeschnitten und durch Kurbeln ersetzt. Dabei war dies keineswegs erwünscht. Dieses Dokument, dessen Zweck nirgends aufgeführt ist und auf dem auch nirgends der volle Name des Unternehmers steht, zeigt klar: Die Fransen sollten erneuert werden. Um wie viele Teppiche es sich handelte, ist nicht ersichtlich. Auch wie der Preis zustande kam, kann nicht ermittelt werden. Von den versprochenen Rabatten gibt es keine Spur. Und von der Mehrwertsteuer hat man hier wohl auch noch nie etwas gehört. Mit diesem Schreiben sollte T.M. garantieren, dass sie nach der Rückzahlung von 2000 Franken keine weiteren Forderungen mehr an die Firma stellen würde. Wie der Preis zustande gekommen ist, konnte auch der mutmassliche Unternehmer, der nur mit dem Namen «Demeter» unterschreibt, nicht aufschlüsseln. Das Urteil des Experten über die Dienstleistung fällt verheerend aus: «Der Auftragswert ist gleich null.» Es wurde weder gewaschen noch wie gewünscht repariert.

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Als T.M.* (77) aus Riehen einen Werbeflyer der Teppichwäscherei Basel in der «Basler Zeitung» sah, der mit vielen Rabatten lockte, wollte sie die Gelegenheit nutzen und ihre beiden Perser günstig reinigen lassen. Dass sie sich dabei auf ein teures Spiel einliess, ahnte sie zu dem Zeitpunkt nicht, und rief am 23. Juni bei der Firma an.

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Einen Tag später standen zwei elegant gekleidete Herren bei ihr in der Wohnung und priesen ihre Teppiche in den höchsten Tönen. «Die Rede war von einem Wert von 22'000 Franken», erinnert sich T.M. Einer der beiden habe gar nicht mehr aufgehört zu sprechen, so dass sie nur noch ja gesagt habe, als er Kästchen auf einem Blatt angekreuzte. Dann setzte sie ihre Unterschrift unter einen Preis von 5000 Franken. 1500 davon musste sie bar direkt bezahlen.

Nach zwei Tagen zurück

Zwei Wochen hätten Wäsche und Reparatur der Teppiche dauern sollen. Schon nach zwei Tagen läutete die Teppichwäscherei aus der Missionsstrasse 35 wieder bei T.M. und gab die Teppiche in völlig ungepflegtem Zustand zurück. Völlig perplex zahlte T.M. das restliche Geld: 3500 Fr., wiederum in Bar.

Die 77-Jährige fühlte sich betrogen und forderte das Geld am 1. Juli zurück. «Ich hatte Angst vor ihnen, also fragte ich eine Freundin, ob sie dabei sein kann», so T.M. Die Zeugin, Virginia P.* (66), bestätigt die bedrohliche Situation: «Er war sehr fordernd und kam nicht von sich ab», beschreibt sie das Verhalten des Mannes, der das Geld hätte zurückgeben sollen. Ein leeres Portemonnaie soll er gezeigt haben, so T.M. Als sie mit der Polizei drohte, sei er «weg wie eine Rakete».

Fadenscheinige Dokumentation

Nach langem Hin und Her zahlte die Teppichwäscherei am 18. Juli 2000 Franken zurück – mit der Auflage, dass T.M. keine weiteren Forderungen mehr an die Firma stellen würde. Die Dokumentation des Auftrags und der Transaktionen sei «haarsträubend dreist», so ein Experte der Schweizerischen Orientteppichhändler-Vereinigung SOV. Einzelunternehmen seien verpflichtet, sich in ihrer Korrespondenz zu identifizieren und den Zweck der Dokumente anzugeben. Nichts davon sei hier korrekt gemacht worden.

Der mutmassliche Geschäftsführer der Teppichwäscherei Basel, der nur mit dem Namen «Demeter» unterschreibt, konnte die Situation nicht klären. Auf die Frage, wie der Preis von 5000 Fr. zustande gekommen sei, behauptete er, es sei um fünf Teppiche gegangen. Nachweisen konnte er es aber nicht. Die Rechnungen will er schon seinem Steuerberater geschickt haben. Das Geld habe er nur zurückgegeben, da ein Fehler unterlaufen sei: Es seien zwar alle fünf Teppiche gewaschen, aber nur zwei davon repariert worden. Der SOV-Experte widerspricht: «Fachmännisch gewaschen oder repariert wurde nichts.»

Pfusch bei der Reparatur

«Beim ersten Teppich wurden keine Reparaturen vorgenommen», konstatiert der Experte. Beim zweiten seien die Fransen abgeschnitten und durch Kurbeln ersetzt worden. «Eine Katastrophe. Einfach grobfahrlässig», hält er fest. Dies habe eine Wertminderung zur Folge. Auch wollte T.M. das nicht. Wie im Dokument steht, sollten die Fransen erneuert und nicht die Abschlüsse gekurbelt werden.

Bei einem seriösen Betrieb hätte die Wäsche rund 290 Fr. gekostet. Die Reparatur der Abschlüsse wäre mit rund 1700 Fr. schwerer ins Gewicht gefallen. Da aber weder gewaschen noch die gewünschte Reparatur ausgeführt wurde, bleibt für den Experten nur ein Fazit: «Der Auftragswert ist gleich null.» T.M. hätte nichts bezahlen sollen.

*Namen der Redaktion bekannt

(las)

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