Mehr schwere Gewalttaten

28. März 2017 16:30; Akt: 29.03.2017 15:49 Print

«Partyvolk kommt schon verladen in Basel an»

Die Zahl der Delikte gegen Leib und Leben war in Basel letztes Jahr zwar rückläufig, die der schweren Körperverletzungen hat aber massiv zugenommen. Dies vor allem im Nachtleben.

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«Gehen Sie mal am Freitagabend in einen Agglo-Zug: Da ist kaum einer nicht angetrunken»: Beat Voser, Chef der Basler Kriminalpolizei, machte unlängst diese Beobachtung – und sie passt ins Bild, das er vom Basler Nachtleben zeichnet. Die Spassgesellschaft wird, je später die Stunde, immer enthemmter und gewalttätiger. Das schlägt sich in der polizeilichen Kriminalstatistik des vergangenen Jahres nieder.

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So ist die Zahl der schweren Körperverletzungen gegenüber 2015 um 258 Prozent oder von 12 auf 43 Fälle gestiegen. Die Gewalttaten passieren vor allem im Umfeld des Basler Nachtlebens. «Das stimmt nachdenklich», so Voser. «Das Partyvolk kommt bereits unter Drogen- und Alkoholeinfluss in der Stadt an.» Nach Mitternacht wird es dann kritisch in der Stadt. «Je verladener die Leute, desto tiefer die Frustrationstoleranz», erklärt Voser im Video.

Polizei markiert Präsenz vor den Clubs

Vosers Bemerkung zum «Agglo-Zug» weist auch darauf hin, dass ein wesentlicher Teil der Gewalt im Basler Nachtleben von Personen ausgeübt wird, die nicht in der Stadt leben. Die Polizei hat auf die Gewaltexzesse im Basler Nachtleben reagiert. Ab 2 Uhr morgens wird vor gewissen Clubs Präsenz markiert. «Damit lässt sich aber nicht alles verhindern», sagt Voser. Besonders nicht, wenn sich die Gewalt im Club entlade.

Insgesamt sind die Delikte gegen Leib und Leben aber um sechs Prozent zurückgegangen. «Das ist das erfreuliche», kommentiert Voser. Im vergangenen Jahr kam es auch zu keiner vollendeten Tötung. Um elf Prozent zurückgegangen sind zudem die Fälle von häuslicher Gewalt. Dass die Zahl der Gewaltdelikte insgesamt um zwei Prozent zunahm, liegt daran, dass auch Sexualdelikte in dieser Deliktkategorie erfasst werden. Dabei liess ein Einzeltäter, dem in 75 Fällen sexuelle Handlungen mit Kindern nachgewiesen wurden, die Statistik nach oben ausschlagen.

Cannabis-Konsum auf Allzeit-Hoch

Bei «vertieften» Personenkontrollen würden mittlerweile fast immer Betäubungsmittel beschlagnahmt. Dabei betont Thomas Homberger, Leiter des Betäubungsmitteldezernats, dass die Polizei keine Jagd auf Kiffer mache: «Wir jagen keine Konsumenten und werden dies auch nicht tun.» Vielmehr seien die Beschlagnahmungen Beifang von Kontrollen, die in einem ganz anderen Zusammenhang stehen, wie Homberger im Video erklärt.

Beim Konsum steht Cannabis ganz vorne. Mit 1066 Verzeigungen wurde eine Rekordmarke aufgestellt. Weiter im Trend sind auch Stimulanzien, worunter Kokain, aber auch Amphetamine fallen. Dabei stellt Homberger eine zunehmende Verbreitung von Metamphetamin fest. Primär sei diese Droge im Rotlichtmilieu verbreitet.

(lha)