Teilzeitmänner

15. August 2014 05:47; Akt: 15.08.2014 15:52 Print

Basler Männer sollen weniger arbeiten

von Lukas Hausendorf - Teilzeitarbeit für Männer wird in Basel neuerdings staatlich propagiert. Auch in der Regierung hält dank jungen Vätern Flexibilität im Arbeitsalltag Einzug.

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Lukas Engelberger und seine Frau Kirsten freuen sich über seine Wahl in den Regierungsrat. Für den CVP-Politiker beginnt nun der Härtetest: Lässt das Amt genug Zeit für seine Kinder? (Bild: Keystone/Patrick Straub)

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Baschi Dürr (37) machte landesweit Schlagzeilen, als er verkündete, auch im Amt als Regierungsrat einen halben Tag pro Woche für die Familienarbeit freihalten zu wollen. Der Basler Justizdirektor nahm das nicht nur für sich in Anspruch. Auch jeder Job in seinem Departement sollte fortan auch als Teilzeitstelle angeboten werden. Die Basler Abteilung für Gleichstellung propagiert mehr Teilzeitarbeit für Männer nun im frisch lancierten zweiten Teil der Kampagne Männersache.

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Unternehmen mit familienfreundlichen Massnahmen erzielten rund 8 Prozent mehr Rendite und mittlerweile gebe es bei Grossunternehmen wie auch KMU gute Beispiele dafür, dass Karriere und Teilzeit sich nicht ausschliessen würden, heisst es in der Kampagne. Die Wirklichkeit für die meisten Männer ist aber eine andere.

Regierungsräte als Vorbilder

«Die traditionellen Männlichkeitsvorstellungen sind immer noch vorherrschend», sagt die Basler Gleichstellungsbeauftragte Leila Straumann. Tatsächlich arbeitet nur jeder siebte Mann Teilzeit, bei den Frauen sind es mehr als die Hälfte. Wie aktuelle Erhebungen zeigen, wünschten sich aber 90 Prozent der Männer eine reduziertes Arbeitspensum. Ein gesellschaftlicher Wandel bahnt sich an. Baschi Dürrs Initiative für Teilzeitarbeit sei darum vorbildlich. «Er hat ein wichtiges Signal ausgesendet», sagt sie.

Auch der frisch gewählte Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger steht als Vater dreier junger Kinder vor der Herausforderung, Familienleben und ein anspruchsvolles Exekutivamt unter einen Hut zu bringen. «Die Arbeitswelt ist dank der neuen Kommunikationsmittel flexibler geworden», sagt der 39-Jährige. Er werde auch weiterhin morgens etwas Zeit mit seinen Kindern verbringen. «Die Politik muss das auch möglich machen», findet er.

«Würden Leute mit Kindern solche Ämter nicht übernehmen können, würde eine wichtige Perspektive fehlen», sagt Engelberger. Die Regierung müsse schliesslich die breite Gesellschaft repräsentieren, da gehörten junge Familien unbedingt dazu.

Anspruch kollidiert mit Wirklichkeit

«Es wäre doch auch mal interessant, einen Mann in der Baselbieter Regierung zu haben, der diese oder jene Verpflichtung einfach mal sausen lässt und sich auch mal während des Tages für seine Kinder ausklinkt», findet der Arlesheimer Polit-Blogger Manfred Messmer. Im Baselbiet ist man aber noch nicht so weit. Hier haben Regierungsräte fast nur erwachsene Kinder. Für die Neuwahlen im Februar wurde unlängst Andreas Büttiker, Direktor der Baselland Transport AG, als Kandidat ins Spiel gebracht. Er wäre ideal, waren sich viele Beobachter einig. Doch nach wenigen Tagen nahm sich der sechsfache Vater selbst aus dem Rennen: «Als Regierungsrat hat man kaum mehr Zeit für seine Kinder», sagt er auf Anfrage von 20 Minuten.

In seinem jetzigen Beruf als Direktor der BLT könne er seine Zeit freier gestalten. Sind Regierungsräte vielleicht doch nicht so flexibel, wie sie es gerne hätten? Büttiker, der seit 20 Jahren regelmässig mit den Magistraten verkehrt, ist sich sicher: «Der Wunsch ist das eine, die Realität das andere.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dino am 15.08.2014 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehalt

    Es gibt viele Männer die keine Löhne haben um weniger zu Arbeiten.

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  • Der Mann am 15.08.2014 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Leicht gesagt

    Natürlich würden viele Männer gerne Teilzeit arbeiten. Wenn ich alleine wäre, ginge dies vielleicht sogar. Aber ich muss immer langfristig damit rechnen, dass meine Frau keinen Verdienst mehr hat (z. B. Kind). Dann steht man plötzlich ganz schlecht da und kann es sich schlicht weg nicht leisten 80% zu arbeiten.

  • Peter Meier am 15.08.2014 06:09 Report Diesen Beitrag melden

    Nur bei Staatsbetrieb

    Das geht vermutlich im Staatsbetrieb wo dieselbe Arbeit statt in 100% auch in 80 oder 70% erledigt werden kann. Anders in der Privatwirtschaft, da ist es vielerorts als Mann kaum möglich Teilzeit zu arbeiten, das geht oft nur bei Frauen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • hans am 15.08.2014 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    25 h woche

    Ich bin überzeugt, dass unser alltag auch mit einer 25 h woche funktionieren würde. Sechs stunden pro tag arbeiten genügen völlig. Dazu ein freier nachmittag pro woche. Vorteile: Frühaufsteher machen die jobs eher morgens, spätaufsteher beginnen später, zb. ab zehn uhr. Daraus ergibt sich die lösung der rush hour, es gibt wieder genug platz in den zügen und auf der autobahn.Weiterer vortei: Ein freier nachmittag pro woche ermöglicht zb einen einkauf, den besuch beim coiffeur, botengänge oder sonstige termine, die sonst alle am gedrängten samstag gemacht werden müssn. Und schon ist der dichtestress beim wochenendeinkauf vergangenheit. Natürlich muss man dann sparen, das neueste und teuerste auto brauchts ja eh nicht. Teilen heisst das zauberwort, zb. Mobility car sharing. Die 40h arbeitswoche ist einfach nicht nötig, eine 30h woche ist schon lange machbar.

  • Martin K. am 15.08.2014 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Schön wärs

    Das würde ich auch gerne machen. Doch ich habe ausgerechnet, dass ich mit 80% nicht in der Lage wäre, meine Familie zu ernähren. Schön für diejenigen, die das können.

  • C.g. am 15.08.2014 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Basler Männer...

    Leider ist es nach wie vor so, dass es zuwenig Teilzeitstellen für Männer gibt. Die meisten Arbeitgeber habe Angst dies einzuführen und verstecken sich hinter Ausreden. Oder auch "Teilzeit nur bei politischer Karriere möglich."Ich kann nur an die Arbeitgeber appellieren ihre Ansichten zu überdenken. Nur Mitarbeiter, deren Bedürfnisse ernstgenommen werden bleiben langfristig motiviert und zufrieden. Der "ROI" werden eine höhere Loyalität, weniger Krankheitstage, mehr Leistung pro erbrachter Arbeitsstunde, ein besseres Betriebsklima und eine höhere Bereitschaft bei Bedarf Mehrarbeit zu leisten.

  • Cyril Rindlisbacher am 15.08.2014 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt tausend Gründe.....

    ...Teilzeit zu arbeiten. Diese hier auf zu führen wäre müssig, da sie einerseits individuell sind und andererseits allen bekannt. was mich jedoch am meisten stört, vor allem an der Kampagne von BS, dass sie voll auf den Arbeitgeber ab zielt. Es gibt Berufe, da ist Teilzeit schlicht nur schwerst zu organisieren. Die viel grössere Hürde sehe ich im Strukturellen. Da sind Männer enorm benachteiligt. Bsp bei Scheidung: Kann der Mann erreichen, dass er trotzdem weiter betreuen kann, so zahlt er Alimente und hat für die Betreuung selber keine Abzugmöglichkeit. Erziehungszulagen? etc. etc.

  • Der Mann am 15.08.2014 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Leicht gesagt

    Natürlich würden viele Männer gerne Teilzeit arbeiten. Wenn ich alleine wäre, ginge dies vielleicht sogar. Aber ich muss immer langfristig damit rechnen, dass meine Frau keinen Verdienst mehr hat (z. B. Kind). Dann steht man plötzlich ganz schlecht da und kann es sich schlicht weg nicht leisten 80% zu arbeiten.