Sterbehilfe in Basel

26. Februar 2014 09:09; Akt: 26.02.2014 10:12 Print

Gutes Aussehen weg – Frau ging in den Tod

Weil sie Angst hatte, ihr gutes Aussehen zu verlieren, nahm sich eine Italienerin in Basel das Leben. Die involvierte Sterbehilfeorganisation fällt nicht zum ersten Mal auf.

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Die Italienerin Oriella Cazzanello liess sich von einer Sterbehilfeorganisation in Basel in den Tod begleiten. (Bild: ZVG)

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Die Familie von Oriella Cazzanello dachte, die rüstige 85-Jährige sei im Spa-Wochenende. Stattdessen fuhr die geistig und körperlich gesunde Frau nach Basel, um zu sterben. Den Entschluss zum Suizid fasste sie, weil sie sich einsam fühlte und Angst hatte, ihr gutes Aussehen zu verlieren. Dies berichten verschiedene internationale Medien. Gegen 10'000 Franken bezahlte sie für die Sterbehilfe. Vom Tod erfuhren die Angehörigen, nachdem die Sterbehilfeorganisation einen Brief mit der Todesurkunde und ihrem letzten Willen verschickt hatte.

«Ich bin geschockt», sagt Elisabeth Augstburger, EVP-Landrätin im Kanton Basel-Land. Zusammen mit einer Kollegin hatte sie letztes Jahr im Grossrat Basel-Stadt ein Postulat eingereicht, in dem sie den Kanton aufforderten, die Sterbehilfe zu überprüfen. «Es hätte andere Möglichkeiten gegeben, diese Frau zu behandeln», sagt sie. «Offensichtlich hat sie sich minderwertig gefühlt. Das hätte durch therapeutische Möglichkeiten behoben werden können.»

«Betagte entscheiden selbst über ihr Leben»

Bei der Sterbehilfeorganisation handelt es sich offenbar um Eternal Spirit, die von der in Basel-Land praktizierenden Ärztin Erika P.* geleitet wird. Diese bietet in Basel als einzige neben Exit begleitete Sterbehilfe. Exit verneint jeden Bezug zum Fall. «Wir helfen keinen Personen aus dem Ausland», sagt Exit-Vizepräsident Bernhard Sutter.

Rechtlich handelt die Organisation im Graubereich. Zwar darf sich jeder mit Hilfe einer Sterbehilfeorganisation das Leben nehmen, der psychisch stabil ist. «Betagte entscheiden selbst über ihr Leben», sagt der basellandschaftliche Kantonsarzt Dominik Schorr. Im aktuellen Fall sei kein Verfahren eingeleitet worden. Die Standesregeln der Akademie der medizinischen Wissenschaften besagen allerdings, dass ärztlich begleitete Sterbehilfe nur legitim ist, wenn die Erkrankung des Patienten die Annahme des nahen Lebensendes rechtfertigt, alternative Möglichkeiten der Hilfestellung erörtert wurden und der Patient urteilsfähig ist. Wer sich als Arzt nicht an die Standesregeln hält, kann seine Zulassung verlieren. Gerichte stellen immer wieder auf die Richtlinien ab.

Kein Verfahren eröffnet

Ein solcher Fall entspreche möglicherweise nicht den ärztlichen Standesregeln, sagt denn auch Peter Gill, Sprecher der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt. Die Staatsanwaltschaft selbst eröffne aber nur ein Verfahren, wenn der Freitod nicht regelkonform abgelaufen sei. Das sei dann der Fall, wenn die suizidwillige Person das tödliche Gift nicht selber einnehme. Falls die Angehörigen das Gefühl hätten, es sei gegen Regeln verstossen worden, müssten sie an ihrem Wohnort eine Anzeige einreichen.

Eternal Spirit war letztes Jahr in die Schlagzeilen geraten, nachdem sich ein 62-jähriger gesunder Mann, ebenfalls aus Italien, mit Hilfe der Stiftung das Leben genommen hatte. Er hatte mit fingierten Dokumenten eine schwere Krankheit vorgetäuscht. In Basel-Land läuft deshalb ein Verfahren gegen Erika P. Die Ärztin selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul Meister am 26.02.2014 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn ich

    dereinst mit 85 Jahren die Welt verlassen möchte, dann hoffe ich doch darauf, dass ich dies in Würde auch tun darf. Weshalb ich dann sterben möchte ist wohl einzig mir überlassen und hat niemanden zu kümmern. Lieber sauber mit Begleitung aus dem Leben scheiden als sich vor einen Zug oder von einer Brücke zu werfen.

  • Herr Gesangsverein am 26.02.2014 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Voll Daneben

    Eine Frechheit wie das hier Aufgebauscht wird. Wenn jemand sterben will egal aus welchem Grund auch immer, dann soll man ihm dies auch gewähren. Klar damit verdient sich kein Geld für teure Therapien darum ist es auch schlecht. Was sollen diese Menschen denn tun. Sie wollen sterben, aber nicht schmerzhaft. Und da 99.99% der Leute keine Ahnung haben wie sie das anstellen schmeissen sie sich vor Züge und Autos und sterben grauenvolle Tode. Und ruinieren damit vielleicht noch andere Leben. Lasst diese Menschen in Frieden, ruhen.

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  • Noldi Schwarz am 26.02.2014 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Titel

    Wo ist der Unterschied, wenn eine 85-jährige, einsame Frau sterben will und ein 16 jähriger Teenager vor den Zug springt? Wenn die EVP, eine christliche Partei, ehrlich wäre, müsste sie sich in beiden Fällen empören. Und ich bin sicher, dass die 85 Jährige nicht nur wegen ihres Aussehens diesen Schritt wagte. Das wird hier nun aufgebauscht, weil sie auch im Alter noch attraktiv war. Aber die Einsamkeit war sicher auschlaggebend.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wolan Frasier am 27.02.2014 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Lebenszwang

    Es ist jedem selbst überlassen, wie lange er oder sie auf dieser Welt sein will. Wieso soll man Leute zum Leben zwingen, wenn Sie das nicht wollen?

  • denkt zuerst nach am 27.02.2014 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    eigenständig

    Leute die gehen wollen, werden das auch ohne Sterbehilfe weiterversuchen. Ich kenne jemand, der seine Mutter dreimal nach einem Suizid-Versuch gefunden hatte! Zweimal konnte man noch helfen, doch beim Dritten mal wars zuspät. Das kann auch für die Angehörigen traumatisch sein. Nach meiner Meinung müssten alle wieder mehr miteinander sprechen (von angesicht zu angesicht) damit man allfällige Veränderungen bemerken kann

  • Hanspeter L. am 27.02.2014 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Entschiedenes Ja für Sterbehilfe, weil..

    Wo liegt das Problem? Jeder ist seines eigenen Lebens Besitzer und Meister. Jeder darf mich sich selbst machen, was man will. Da hat NIEMAND etwas dazu zu sagen, speziell in solchen Fällen. Ist doch positiv, wenn sich eine Organisation dazu bekennt, traumatisierende Selbsttötungen zu verhindern und jemandem die Möglichkeit zu geben, in Würde zu sterben. Oder wollen die Sterbehilfegegner lieber, dass Zugführer aus dem Tunnel kommend einen Knall hören und ihr Cockpit blutverschmiert und voller Glassplitter vorfinden? Oder Brückenspringer, die Kinder traumatisieren?

  • Stefan am 27.02.2014 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Eigener Wille

    Wenn ich mein Leben beenden will, dann tu ich das auch, auf die eine oder die andere Weise. Ich finde es gut, dass es Sterbehilfe gibt. Niemand soll zum Leben gezwungen werden. DAS ist falsche Moral!

  • Rämi am 27.02.2014 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    teure Therapien gehen verloren

    Schon ein bisschen blöd gelaufen... Wenn diese Sterbe-Organisationen nicht gäbe, hätte man 2 Varianten zu sterben.. 1. Man begibt sich in eine teure Therapie und schafft somit Arbeitsplätze und hält die Wirtschaft im schwung, *lach* raurig aber wahr, oder man wirft sich vor einen Zug und der nette Zugfahrer erhält einen Schock fürs Leben und ist auch bis ans Lebensende traumatisiert, heisst. Dieser muss dann eine Therapie machen. Ach und ja... dass die SBB Kunden dann sauer sind, dass die Züge wieder verspätung haben, kommt gratis noch dazu. Unglaublich, diese Dummheit heutzutage....!!!!