Betrüger aufgesessen

03. Juli 2017 05:47; Akt: 03.07.2017 10:43 Print

Untermieter hinterliess Chaos und Mietschulden

Stefanie Fragalà (22) hat ihre Wohnung in Allschwil für sechs Monate untervermietet – an einen verschuldeten Betrüger und Messie.

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Nebst Mietschulden hinterliess der Familienvater seinen ganzen Plunder, der nun Stefanie Fragalàs Keller füllt. (Bild: Stefanie Fragalà)

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Als Stefanie Fragalà Ende Januar 2017 ihre Wohnung in Allschwil wieder betrat, erwartete sie ein riesiges Chaos: «Die ganze Wohnung war zugemüllt. Es war widerlich.» Die 22-jährige Köchin war davor sechs Monate zur Saisonarbeit im Berner Oberland gewesen und hatte via Tutti.ch einen Untermieter für ihre Wohnung gesucht. Ein getrennt lebender Familienvater und italienischer Staatsbürger meldete sich schliesslich auf die Annonce. Fragalà: «Er hat einen sehr seriösen Eindruck gemacht.»

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Der Schock war entsprechend gross, als sie nach einem halben Jahr wieder in ihrer Wohnung stand. «Er war ein typischer Messie. Und ein Dieb», so Fragalà. Nebst kleineren Habseligkeiten habe er ihr die UPC-Box und eine Playstation gestohlen. Zwei Tage später kam der nächste Schock: Zwei Polizisten standen vor der Tür. «Sie fragten mich, ob ich wisse, wo er sei.» Wieso sie ihn suchten, sagten sie nicht. «Dafür aber, dass er Sozialhilfempfänger sei.» Kurz darauf bemerkte sie, dass die letzten drei Monatsmieten, die er schuldig war, nicht auf ihrem Konto eingetroffen waren: «Insgesamt fehlen mir 2800 Franken.»

Betreibungsregisterauszug war gefälscht

Fragalà hatte eigentlich alles richtig gemacht. Sie hatte sich mit ihrem Vermieter abgesprochen und vor der Wohnungsübergabe einen Untermietervertrag aufgesetzt, eine Mängelliste erstellt und vom Familienvater einen Betreibungsauszug verlangt. Wie sich jedoch im Nachhinein herausstellte, war dieser gefälscht. «Es sind mindestens 15 Betreibungen hängig», sagt sie. In seiner Post stapelten sich Vorladungen des Betreibungsamts. Die Firma des angeblichen Geschäftsmanns ist längst konkurs.

Als sie einige Tage nach dem Polizeibesuch wiederum die Polizei aufsuchte, um Anzeige zu erstatten, winkte diese ab: «Sie sagten mir, das gehe nicht, da er keinen festen Wohnsitz habe.» Genauere Angaben könne die Polizei Baselland aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes dazu nicht machen. Sprecher Adrian Gaugler bestätigt jedoch, dass man Kenntnis vom Fall habe. Über Facebook fand Fragalà schliesslich heraus, dass der Betrüger inzwischen das Land verlassen hat und in Polen weilt. «Er hat sich direkt aus dem Staub gemacht und mich auf seinem Müll und seinen Mietschulden sitzen lassen», sagt Fragalà.

«Ich hätte auf der Strasse landen können»

Auch das Sozialamt in Allschwil konnte ihr nicht helfen, da der Italiener nicht mehr gemeldet war. «Zum Glück konnte ich seine offenen Mietschulden selbst bezahlen. Sonst hätte ich auf der Strasse landen können», sagt die Geschädigte. Auch psychisch belaste sie der Fall sehr: «Ich habe Angst, dass er wieder vorbeikommen könnte. Ich will unbedingt umziehen.»

(rob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Polizist am 03.07.2017 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nochmals Anzeige erstatten !! 

    Die Polizei hat diese Anzeige entgegenzunehmen, auch wenn der Täter "keinen festen Wohnsitz hat"!! Wenn Diebstahl über Fr. 300.00 - Offizialdelikt; Polizei muss handeln. Unter Fr. 300.00 - Antragsdelikt; 3 Monate Zeit (ab Bekanntwerden der Tat) um Strafantrag zu stellen. Da der Täter einen gefälschten Betreibungsauszug vorgelegt hat und die Miete "prellte" kommt ev. noch Betrug hinzu.

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  • Denkpause am 03.07.2017 06:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Datenschutz ...

    ... hin oder her, zum Schutze der Vermieter müsste eine Liste von solchen Mietern geführt werden dürfen. Traurig, dass solche Individuen per Gesetz geschützt werden.

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  • B. Egger am 03.07.2017 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    darf nicht wahr sein?

    Das kann nicht sein, dass diese Frau keine Hilfe bekommt!? Traurig! ...Beobachter einschalten vielleicht?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Notar am 03.07.2017 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Original Auszug, keine Kopie akzeptieren

    Nochmals an alle, die jemals in die Situation kommen: lasst euch niemals mit einer Kopie des Betreibungsauszugs abspeisen! Immer ein aktuelles Original verlangen. Mit Original Stempel und Unterschrift drauf! So beugt man Fälschungen vor....

  • Prof. Dr. Weiss. am 03.07.2017 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schreibt mal über die Vermieter

    Die abzocken bis ins geht nicht mehr !

  • Andy Seeland am 03.07.2017 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wird nun Sozialhilfe nach PL gesendet?

    Ich hoffe nicht, ich hoffe eher dass diese Person bei Rückkehr bereits verurteilt ist mit Ländersperre. Da war wieder aktiver Täterschutz betrieben worden , und die Polizei BL , Weigerung die Anzeige entgegenzunehmen, das geht gar nicht. Pfui

  • nano am 03.07.2017 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur so

    Wenn ja, müsste ein solcher das Doppelte voraus bezahlen. Wenn dann alles wieder in ordung ist wie vorher würde ich 3/4 dann wieder zurück geben.

  • Manu am 03.07.2017 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abklären

    Wer so naiv ist und über PC und keine genauen Abklärungen trifft ist schlicht selber Schuld. Voraus Bezahlung, was einem selber gehört alles in ein Zimmer tun und abschliessen und gründlich über die Gemeinde und Leumundzeugnis und Schulden auszug verlangen. Bei Scheidung ist immer ein schlechter Grund dabei.