Mobilfunkstreit

04. Mai 2016 11:31; Akt: 04.05.2016 17:31 Print

Schweizer Handynetz am Euro-Airport abgestellt

Telefonieren am Basler Euro-Airport wird für Schweizer künftig teuer. Weil die französischen Mobilfunkanbieter stur bleiben, muss die Swisscom ihre Sendeanlagen per 24. Mai abstellen.

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Der Mobilfunkstreit am Euroairport Basel-Mülhausen hat für die Schweizer Kunden und Mitarbeiter ein schlechtes Ende genommen. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, haben die französischen Mobilfunkunternehmen und Behörden ihre Interessen durchgesetzt und verbieten Schweizer Mobilfunkanbietern inskünftig auf französischem Boden ihr Signal anzubieten.

Die Swisscom ist damit gezwungen, ihre Sendeanlagen per 24. Mai abzuschalten. Man bedaure den Ausgang der Verhandlungen sehr, schreibt das Unternehmen. Die Verhandlungen mit dem französischen Telekomregulatoren ANFR und ARCEP dauerten von Januar 2015 bis im April dieses Jahres. Sie wurden aufgenommen, nachdem sich die Franzosen bei der Erneuerung des Versorgungsvertrags auf dem binationalen Flughafen auf den Standpunkt stellten, dass Schweizer Sendeanlagen auf französischem Territorium nicht rechtens sind.

«Das stört uns wirklich»

Allerdings: Von den über 6000 Beschäftigten am Flughafen arbeiten die meisten im Schweizer Sektor. Ebenso machen Schweizer Fluggäste den Grossteil der über 7 Millionen Passagiere aus, die letztes Jahr den Euroairport nutzten. Für sie fallen in Zukunft Roaming-Gebühren an. «Das ist ein grosses Ärgernis», sagt Andreas Büttiker, Vizepräsident des EAP-Verwaltungsrats. «Für die Schweizer Kunden ist diese Lösung schlecht. Das stört uns wirklich.»

Das Verhandlungsergebnis taxiert auch der Telekomexperte Ralf Beyeler als «unverständlich». Eine Lösung würde nur eine Anpassung des Staatsvertrags zum Euroairport mit Frankreich bringen. Wenn es der Schweiz wichtig ist, muss der Bundesrat sich für eine Lösung engagieren. Der Landesregierung ist das Problem bereits bekannt. Allerdings gilt es wohl vorrangig die Steuerfragen am Flughafen abschliessend zu klären. «Man muss Prioritäten setzen», meint Büttiker dazu. Der Staatsvertrag datiert aus dem Jahr 1948, damals waren Handys noch kein Thema. Bei der Vergabe der Mobilfunk-Konzessionen in Frankreich wurde der Euroairport dann schlicht nicht berücksichtigt.

Gratis Wlan und tiefere Roaming-Gebühren

Der Euroairport verspricht indes eine Verbesserung der Dienstleistungen durch den Wechsel im «Betrieb der Mobilfunkabdeckung». Zusätzlich zum kostenlosen Wlan für alle Passagiere würden die Mobilfunkdienste auf dem gesamten Flughafenareal ausgebaut. Fakt bleibt aber: Für Telefoniedienste werden Schweizer auf dem Euroairport künftig Roaming-Gebühren bezahlen. Diese sollten ab 2017 aber weiter sinken, verspricht der Flughafen mit Verweis auf entsprechende Ankündigungen auf europäischer Ebene. Büttiker sieht hier auch die Schweizer Mobilfunkanbieter in der Pflicht, bei den Roaminggebühren den Kunden entgegenzukommen.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lars Meier am 04.05.2016 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Roaminggebühren endlich abschaffen!

    Wenn die Schweiz wie die EU endlich die Roaminggebühren abschaffen würde, würde es gar keine Rolle mehr spielen, welchen Netzanbieter es am Flughafen gibt!

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  • Müüsli am 04.05.2016 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seid einmal stark

    Vereintes Europa? Wer das noch so sieht, braucht eine Therapie, tolles Entgegenkommen der Franzosen, was ist mit den vielen Grenzgänger, wieso können wir nicht auch was "abstellen?"

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  • Phänomen am 04.05.2016 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    die welt dreht sich nurnoch um geld.. wenn jemand irgendwo was nehmen kann dann schnappt er sich das auch sofort ohne an andere zu denken.. schade

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nicci Bruderholz am 05.05.2016 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flughafen

    Vor X Jahren hat Basel diesen Flughafen realisiert, immer wieder finanziert, usw. und jetzt ist die "Grande Nation" am längeren Hebel und bestimmt was auf ihrem Territorium geschieht. Selber Schuld. Früher hatten die Franzosen Kolonien, die sie schröpfen konnten, heute backen sie kleinere Brötchen und schröpfen eben was ihnen gerade gelegen kommt. Selber arbeiten wäre für sie zu mühsam.

  • Karl am 05.05.2016 19:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr wollt doch nicht zur EU gehören...

    In der EU werden Roaming-Gebühren 2017 komplett abgeschafft. Ergo kann ich mit nem irischen 20 Euro Abo unlimitiert in der ganzen EU surfen und telefonieren. Super Sache. Die Schweiz ist aber nicht EU und will auch keine EU-Richtlinien haben, also zahlen wir alle schön weiter hohe Roaminggebühren auf die ohne hin zu hohen Abogebühren. JUHU!!!

  • Propeller Lixi am 05.05.2016 14:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    To be or not to be

    Wie ach so modern ist unsere Gesellschaft, dass wir uns mit solchen Problemchen beschaeftigen koennen; ich schliesse mich gleich ein ;-) Ein Zuercher, der mit einer Baslerin in Bern lebt

  • Romeo Zolin am 05.05.2016 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Details bitte

    Fragt sich eigentlich hier drin niemand, warum eigentlich die Verhandlungen gescheitert sind? So stur wie die Schweizer Mobil Unternehmungen in Sachen Roaming in der Europa sind, so stur waren sie vielleicht auch bei den Verhandlungen. Ich würde deshalb gerne einmal die Details kennen die aber wohlwollend verschwiegen werden.

  • Robert Basler am 05.05.2016 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sparmassnahmen

    So wie es aussieht, wollen die Franzosen den Flughafen ganz für sich. Der Flughafen hat ein grossen Potential für die Franzosen, jetzt wo es auf dem neuesten stand ist und sie wollen es für sich. Heute ist das Handy, morgen die Steuern der Schweizer arbeitsfirmen und Arbeiter. Übermorgen die Zollfreie Strasse. Lassen wir Ihnen doch den Flughafen und wir sparen Millionen für unsere eigene Interessen. Sie werden dann schnell merken dass ihr internationalen Flughafen langsam aber sicher zur Regionalen Flughafen dekretiert wird.