Titanwurz in Basel

26. April 2011 15:28; Akt: 26.04.2011 15:46 Print

Mehr Besucher als das Cup-Halbfinale

Die grösste Blume der Welt hat über 25 000 Besucher in den Botanischen Garten Basel gelockt. Die blühende Titanwurz bescherte dem Garten weltweite Aufmerksamkeit und einen dicken Gewinn.

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17 Jahre lang musste der Botanische Garten Basel auf diesen Moment warten, doch als es am Karfreitag so weit war und die Titanwurz zum ersten Mal blühte, passte einfach alles, sagt Kurator Heinz Schneider. «Das Wetter, das Datum und das mediale Interesse waren ein Glücksfall für uns.» Die Verantwortlichen rechneten mit einem Ansturm von 8000 bis 10 000 Besuchern, gekommen sind während der vier Ostertage über 25 000. Zum Vergleich: Das Fussballcup-Halbfinale zwischen dem FC Zürich und Xamax Neuchâtel wollten gerade mal 10 000 Fans sehen.

Nach Basel reisten allerdings auch Besucher aus der ganzen Schweiz, dem angrenzenden Ausland sowie teilweise auch aus der weiteren Umgebung wie Köln an. Über 300 000 Personen verfolgten zudem auf der Webseite des Botanischen Gartens die Entwicklung der Pflanze. Eine Person, die das Schauspiel beobachtet hatte, meldete sich gar aus Hongkong. Selbst Wikipedia berichtete auf der Startseite über das seltene Ereignis. Kein Wunder ist Kurator Schneider nach dem Event müde, aber glücklich. «Mehr Aufmerksamkeit und Interesse hätten wir gar nicht bewältigen können», so Schneider. Er hat einen Medien-Marathon hinter sich: Rund um den Globus gab es Anfragen. Schneider gab fünf TV-Interviews, 32-Radio- und ungezählte weitere Medien-Interviews.

T-Shirts und Flakons waren am ersten Tag ausverkauft

Der Stress hat sich allerdings gelohnt. Der Botanische Garten Basel macht einen fetten Gewinn mit der stinkenden Titanwurz: Die Eintrittskarte kostete zehn Franken, angesichts von 25 000 Besuchern ein schöner Zustupf für den Gönnerverein, der den Event organisierte. Hinzu kommt der Gewinn aus den Marketing-Artikeln: Die 400 vorproduzierten T-Shirts «Basel stinkt anders» für 25 Franken waren im Nu weg. Gemäss Schneider liegen knapp 1000 Nachbestellungen vor. Die 300 Flakons mit dem Aasgeruch der Pflanze waren bereits am ersten Tag ausverkauft. Die stinkende Erinnerung soll ebenso nachproduziert werden. Abzüglich der Organisationskosten von rund 150 000 Franken bleibt ein fetter Gewinn.

Das Plus nach der Ausstellung ist fast die grössere Sensation als die blühende Titanwurz. Normalerweise sind botanische Ausstellungen ein Minus-Geschäft für den Garten, weshalb der Titanwurz-Erlös nun weitere Ereignisse querfinanzieren wird, sagt Schneider. Der wirkliche Gewinn des Events ist für Schneider sowieso nicht finanzieller Natur. «Dieses Ereignis hat einen unbezahlbaren Beitrag zur Umweltbildung gemacht», findet er. Die Besucher hätten viel über elementare Dinge der Biologie erfahren, das sei für ihn das Schönste. Hinzu kommt, dass viele Erstbesucher in den Garten gekommen sind. «Vielleicht kommt der eine oder andere wieder.»

Der zuständige Gärtner ist stolz

Die Reaktion der Titanwurz-Besucher war jedenfalls positiv, sagt Schneider. «Wir haben eine Flut von Dankesbriefen erhalten.» Die Begeisterung der Besucher sei allerdings am besten direkt bei der Pflanze zu beobachten gewesen: «Mit offenen Mündern und ehrfürchtig wie in einer Kirche standen die Leute da und haben gestaunt.» Kein Wunder hatte Gärtner Dominique Rigo angesichts dieser Ehrfurcht keine Angst um seinen Star. Drei Jahre lang hat er die Titanwurz betreut, bevor sie am Karfreitag blühte. «Es ist schön, dass so viele Besucher kamen und auch Freude daran hatten», so Rigo. Die Arbeit sei streng gewesen und die Pflanze anspruchsvoll. «Ich bin natürlich stolz, dass sie nun geblüht hat.» Für Rigo beginnt nun aber wieder die Arbeit von vorne - schliesslich sollte die Titanwurz in drei Jahren wieder blühen.


Die Titanwurz wie sie blühte und verblühte im Zeitraffer:


(Quelle: YouTube.com)

(amc)

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