Basel

05. Februar 2017 13:26; Akt: 06.02.2017 08:28 Print

Schnecken ziehen für 116'000 Franken um

Der Margarethenstich soll das Leimental besser an den Bahnhof SBB anbinden. Vor den Bauarbeiten müssen die bedrohten Anwohner aber zuerst evakuiert werden.

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Der Margarethenstich zwischen Basel und Binningen soll die Reisezeit zwischen dem Leimental und dem Bahnhof SBB um bis zu fünf Minuten verkürzen. Das 20,7-Millionen-Franken-Projekt mit 300 Metern Tramgleis zwischen den Stationen Margarethen und Dorenbach wurde vom Grossen Rat bereits abgesegnet; im Landrat ist das Geschäft noch hängig. 116'000 Franken des Budgets entfallen auf die Umsiedlung der im Baugebiet ansässigen Quendelschnecken.

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Da die Tierchen stark gefährdet seien und sowohl kantonal als auch national auf der Roten Liste stünden, dürfe ihr Lebensraum nicht ohne weiteres zerstört werden, schreibt die «Basellandschaftliche Zeitung». Damit sie nicht unter den Bagger kommen, werden die Schnecken mitsamt ihrem heimischem Boden, den sie zum Überleben brauchen, über den neuen Tunnel der A22 zwischen Füllinsdorf und Liestal umgesiedelt. Dies soll noch geschehen, bevor sie aus ihrem Winterschlaf erwachen – und zwar von Hand.

«Ist das wirklich nötig?»

Ganz ohne Widerstand wollte die Bau- und Planungskommission des Grossen Rates das Geld für den Umzug der Tiere nicht springen lassen. «Die spinnen doch. So viel Geld für Schnecken. Ist das wirklich nötig?», zitiert die Zeitung Kommissionsmitglieder. Gegen den Schutz der bedrohten Schnecken liess sich schliesslich aber nichts machen. «Wir mussten diese Kröte beziehungsweise Schnecke schlucken», sagt Kommissionspräsident Hannes Schweizer gegenüber der «BZ».

Roland Schuler, Mediensprecher von Pro Natura, weist zudem darauf hin, dass die Kosten für den Schneckenumzug nur 0,5 Prozent des Gesamtbudgets ausmachen. Zudem sei Bauen auf Kosten der Natur «schon lange nicht mehr zeitgemäss».

Mehr Fingerspitzengefühl

Im Kanton Zürich hatte die Baudirektion 2009 bei Laufen-Uhwiesen eine Asphalt-Zwischendeponie für die Arbeiten an der Nationalstrasse N4 errichtet. Genau dort aber hatten bis zu 10'000 Quendelschnecken gelebt. Die Massnahme tötete laut Kantonsrat Robert Brunner (Grüne) zwischen 95 und 99 Prozent der Population. In Basel dürfte eine ähnliche Tragödie mit der Umsiedlung verhindert werden.

Inzwischen ist ein neues Bewusstsein für Tiere bei Bauprojekten entstanden. So hatte der Kanton Baselland schon 2013 geschützte Kreuzkröten aus der Zurlindengrube in Pratteln in ein neu geschaffenes Amphibienschutzgebiet in der Klingenthalgrube in Muttenz umgesiedelt. Kostenpunkt: 2,7 Millionen Franken. Der Grund waren damals die Bemühungen, das Gebiet Salina Raurica wirtschaftlich aufzuwerten.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin Meier am 05.02.2017 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fachkraft

    Es hat noch Geld zum verschwenden in hülle und vülle. 20,7 Millionen Franken Baukosten um "bis zu 5" (...) minuten Reisezeit einzusparen. Sorry, aber mir hauts gleich die Splinte raus.

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  • salingaros am 05.02.2017 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir greifen in deren raum ein...

    ....für die schnecken also mehr als in ordnung. die frage bleibt einzig ob 20,7mio für 300 meter gleise gerechtfertigt sind... aber wie immer: man bekommt was man wählt.

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  • Sandra am 05.02.2017 13:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so!

    Richtig so! Wer bauen will, muss Rücksicht beheben auf Natur und Umwelt nehmen. Tiere wie Schnecken, Insekten und Amphibien sind leider nicht so populaire wie Pandas und Tiger, aber alle Tierarten sind es wert geschützt zu werden!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bahnchaot am 06.02.2017 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das ständige gejammer

    hmmm...... ich versteh das ganze nicht ganz. auf der eine seite wollt ihr ein besseres ÖV netz, aber es darf nichts kosten. ihr macht so ein theater wegen 20,7 mio für die ÖV. würde die stadt das geld für strassen ausgeben ist es auch nicht recht. der bund soll doch den ÖV den geldhahn zu drehen, und wir sehen wie ihr morgen zur arbeit kommt resp wann ihr da ankommtda es keine parkplätze hat. es ist wieder einmal ein gejammer auf sehr hohem niveau. viel spass noch.

  • Arthur Martin am 06.02.2017 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Von Schnecken und Obdachlosen

    Fr. 116'000.- für Schnecken. Und Obdachlose überlässt man bei zweistelligen Minusgraden ihrem Schicksal. Basel 2017. Grossartig.

  • Frosty am 06.02.2017 03:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wiki - was stimmt jetzt ?

    Die Quendelschnecke wird auf das Gesamtverbreitungsgebiet betrachtet als nicht gefährdet eingestuft.[7] Dagegen steht sie in Deutschland auf der Roten Liste und wird als stark gefährdet angesehen,[8] ebenso in Österreich (Welter-Schultes).

  • Mr. Bull am 06.02.2017 00:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch

    Jetzt ist mir übel. Ich kämpfe jeden monat um irgendwie über die Runden zu kommen und die wollen über 20 mio für ne Tramverbindung ausgeben die niemand braucht? Lässt sich mit logik nicht erklären. Wer da wohl die Hand aufhält?? Und 116000 für die Schnecken? Wie sieht da wohl die detailierte rechnung aus? 115900 spende für die Grünen und 100 für ein par Eimer um die viecher einzusammeln? Lieber Landrat, bitte nein sagen. Danke

  • fh am 05.02.2017 23:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fristlos

    Wer immer diese unverschämten Kosten zu verantworten hat: Diese Leute sollten allesamt gefeuert werden.