Datenübertragung per LED

14. September 2017 05:51; Akt: 14.09.2017 05:51 Print

Kommt das Internet bald aus der Glühbirne?

Die LED-Lampe soll das WLAN ablösen. Ein Basler Unternehmen präsentierte diese Woche das sogenannte «LiFi». Smartphone-Hersteller bringen sich schon in Stellung.

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Die meisten Menschen surfen heutzutage über das drahtlose Netzwerk WLAN. Das Internetkabel, mit dem man Computer und Modem einst verbunden hat, liegt verstaubt im Schrank. Dasselbe könnte bald dem Wireless-Router widerfahren. Denn nun ist es möglich, über das Licht eine Internetverbindung aufzubauen. Genauer: Daten zu übertragen. Die neue Technologie nennt sich Li-Fi, was soviel bedeutet wie «Light Fidelity».

Das Glühbirnen-Netz soll bis zu 100-mal schneller als Wi-Fi sein. Das Verfahren wurde vom deutschen Forscher Harald Haas an der Universität Edinburgh entwickelt und vor zwei Jahren erstmals unter realen Bedinungen in Estland getestet. Dabei konnten Daten mit einer Geschwindigkeit von einem Gigabyte pro Sekunde übertragen werden. Jetzt steht die Technologie vor dem Durchbruch. Der Basler Leuchtenhersteller Regent Lighting hat an der Fachmesse Ineltec diese Woche erstmals Li-Fi-Lampen präsentiert.

Lichtfrequenz macht es möglich

Fabian Gerschwiler, Produktmanager der Regent Lighting, erklärt gegenüber 20 Minuten, wie es funktioniert: «Wie die Radiofrequenz besteht auch das Licht aus einem Spektrum, das sich in Frequenzen einteilen lässt. Die LiFi-Technologie nutzt einen bislang ungenutzten Frequenzbereich des LED-Lichts, über den Daten gesendet werden könnten.» Das Licht allein reiche für die Datenübertragung aber noch nicht aus: «Jede LED-Leuchte ist an ein entsprechendes Modem angeschlossen», so Gerschwiler.

Besserer Schutz gegen Hackerangriffe

Mittels einer speziellen Kamera wird das Licht «empfangen» und heruntergeladen; der Upload funktioniert via Infrarotstrahlen, die zurück an die LED-Leuchte gesendet werden. Und hier liegt bislang noch der Haken der Technologie: Die Endgeräte, die heute auf dem Markt sind, besitzen noch keine LiFi-fähige Kamera, um Daten aus dem Licht zu empfangen. Eine solche ist aber zwingend nötig, da bei LiFi die Daten optisch übertragen werden.

Genau weil sie sichtbar ist, könnte die optische Datenübertragung die gesendeten Daten aber weitaus besser schützen, als dies das WLAN kann. Der Nutzer von LiFi steht unmittelbar neben der Lichtquelle, mit der er verbunden ist, sonst können keine Daten übertragen werden. Hacker müssten sich also im selben Raum wie das Netzwerk befinden, um darauf Zugriff zu haben.

Kein Licht, kein Netz

Das heisst aber auch: Ohne Licht keine Daten. Vor dem Einschlafen im Dunkeln noch Whatsapp-Nachrichten versenden wird über LiFi also nicht möglich sein. Zudem muss in jedem Raum eine LiFi-fähige LED-Leuchte hängen, um zu Hause überall online zu sein. Die LEDs haben dafür mächtig Power. «Bis zu 15 Personen können sich gleichzeitig mit einer Leuchte verbinden», erklärt Gerschwiler.

Bald erste Lifi-fähige Smartphones

Wann und ob LiFi überhaupt auf den Markt kommt, kann man bei Regent Lighting noch nicht sagen. Die Technologie werde zurzeit noch evaluiert und weiter entwickelt, so Gerschwiler. Für die lichtgerechten Endgeräte siehts aber gut aus. Smartphone-Hersteller wie Apple und Samsung arbeiten gemäss Gerschwiler bereits an der Entwicklung von LiFi-fähigen Kameras.

(daf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Unbreakable am 14.09.2017 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spannend

    Wird sich aber wohl nie durchsetzen. Wenn ich nur daran denke, dass ich anstatt ein oder zwei Wireless Accesspoints um die 16 neue LED Lampen brauche, um die gleiche Fläche abzudecken, wirds mir zu mühsam und teuer. Und dazu kommt noch, dass man im Dunkeln nicht mal LiFi hat... Vorbei mit Kino-Atmosphäre

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  • Markus Erler am 14.09.2017 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    Energieverbrauch

    Wie sieht es den mit dem Energieverbrauch aus wenn ich 24h das Licht in allen Räumen einschalten muss um Online zu sein. Bei Wlan brauche ich am Tag kein Licht wenn die Sonne scheint

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  • securityman am 14.09.2017 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sicherer?

    sichere soll es sein wenn nach ein paar metern licht auf die konventionelle technologie zurückgegriffen wird...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat am 15.09.2017 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    1. April

    Ich glaub es ist schon wieder 1. April !!?

  • Roman am 15.09.2017 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wird nichts

    Ich habe ca. 1-2 Stunden pro tag das Licht an. Am Tag sowieso nicht, und am Abend reicht das passive Licht der Elektrogeräte, wie Fernseher usw. für das Wohnzimmer vollkomen aus. Ich finde das keine gute Idee. Evtl. für die Sitzung im Badezimmer ganz nützlich)..

  • Mike am 14.09.2017 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht neu

    dass auch LED Daten übertragen kann. Auch über die Bildschirmfläche des TV's. Nur wissen wir das natürlich nicht und was dieser Elektrosch.... alles bewirkt und was damit unbewusst "angestellt" werden kann, der soll doch mal das Buch von George Orwell "1984" lesen und Aldous Huxley's "Schöne neue Welt". Matrix und The Trumanshow sind noch zwei gute Filme. Viel Spass.

  • Vladimir Baslerdybli am 14.09.2017 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Eine gute Idee

    Gemäss Regent ist diese Lösung gedacht für Sitzungszimmer und Büros. Kein Hackbares WLAN mehr sondern LIFI an den Plätzen wo man auch arbeitet. Und dadurch auch weniger Strahlung in den Räumen. Ich bin gespannt wie sich diese Sache weiterentwickelt. Ob es in den Wohnräumen je zur Anwendung gelangen wird ist im Moment sicher nicht die höchste Priorität.

  • Mavin am 14.09.2017 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Fortschritt Zwänglerei

    Bei mir kommt das Internet aus dem Kabel und das bleibt auch so, egal was für smarte Fürze sich irgend jemand einfallen lässt.

    • Marvin am 14.09.2017 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mavin

      Fortschrittzwängerei ? 1. Artikel nicht gelesen oder nicht verstanden ? 2. Hier wird nicht gezwängt. 3. Fortschritt muss nichts negatives sein. 4. Sehen sie offensichtlich die Vorteile nicht dieser neuen Art der Datenübertragung gegenüber der alten. 5. Wenn sie etwas gegen Fortschritt haben bleiben sie am Lagerfeuer und jagen weiterhin Dinos.

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