Strafgericht

16. März 2017 18:40; Akt: 16.03.2017 18:40 Print

Mit Schrotflinte mitten in Basel Mann angeschossen

von Adrian Jäggi - Weil er sich bedroht fühlte, griff ein Mann zu einer geladenen Schrotflinte und schoss damit seinem Kontrahenten in den Rücken. Dafür erhielt er 15 Monate bedingt.

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Am Donnerstag standen drei Männer vor dem Basler Strafgericht, die im letzten Sommer im Basler Rotlichtmilieu in einen Streit verwickelt waren, bei dem am Ende ein Mann eine Ladung Schrot in den Rücken bekam. Ursprung der Geschichte war offenbar ein Chat-Verlauf: In diesem soll der Angeschossene der Freundin des Schützen mitgeteilt haben, dass ihr Partner fremd gehe.

Nun sassen die drei Männer aufgereiht nebeneinander vor der Richterin. Gegen einen vierten Involvierten wird ein separates Verfahren geführt. Nacheinander schilderten sie noch einmal die Ereignisse, die sich im Juli 2016 in der Webergasse vor einem Tattoo-Shop ereignet hatten.

Szene auf Video

Der Mann, der seine Freundin betrogen haben soll, ist der Inhaber des Ladens. Er war an jenem Nachmittag im Geschäft, als er plötzlich heftige Klopfgeräusche vernahm. «Als ich die drei sah, nahm ich ein Holzstück zur Hand», sagte der Angeklagte.

Im Eingang stand der 28-jährige Mann, der mit seiner Chat-Message alles ins Rollen brachte. Er ist ein Hüne von Gestalt. Und obschon der Ladenbesitzer mit dem Holzstück sofort auf ihn einschlug, konnte er dieses behändigen und seinerseits seinen körperlich unterlegenen Kontrahenten in den Schwitzkasten nehmen. «Ich ging nicht hin, um ihm eine Abreibung zu verpassen, sondern wollte die Sache mit ihm ohne Gewalt regeln», sagte er vor der Richterin. Der 28-Jährige hatte nämlich davon Wind gekriegt, dass sich der Ladenbesitzer rächen wolle. Für diese Version spricht, dass ausserhalb des Lokals eine Videokamera installiert war. Das wusste der 28-Jährige.

«Ich kriegte Panik»

Noch im Schwitzkasten wehrte sich der Ladenbesitzer mit Pfefferspray und konnte damit sowohl den 1,95-Meter-Mann wie auch dessen Kollegen neutralisieren. Während sich die beiden draussen auf der Strasse die Augen auswuschen, verbarrikadierte der Ladenbesitzer die Türen und verschanzte sich im Laden.

Die beiden Pfefferspray-Geschädigten liessen danach ihrem Frust freien Lauf. Einer der beiden warf eine Pet-Flasche und einen Barhocker gegen das Schaufenster – dieses war zu jenem Zeitpunkt wegen eines Glasbruchs mit Holzbrettern geschützt – während der Hüne die erste Türe auftrat. Die zweite Türe wollte er mit dem Holzstock aushebeln, was jedoch misslang. «Ich bekam es mit der Angst zu tun und kriegte Panik», beschrieb der Ladenbesitzer die Bedrohung. Dann griff er zu einer mit Gummischrot geladenen Schrotflinte.

Schuss aus kurzer Entfernung

«Vor der Türe schaute ich plötzlich in den Lauf der Schrotflinte», sagte der 28-Jährige. Sofort verliess er das Lokal. Draussen standen zu diesem Zeitpunkt nicht nur dessen Kollegen, sondern auch mehrere Unbeteiligte, wie die Videoaufnahmen zeigten, die vor Gericht als Beweismittel dienten. Der Ladenbesitzer will jedoch nur seinen Antipoden gesehen haben. «Ich zielte auf seinen Hintern», sagte er. Aus rund fünf Metern Entfernung aber schoss er ihm in den Rücken. «Ich gab den Schuss in Panik ab, merkte danach aber gleich, dass ich Mist gebaut hatte», gab der Schütze zu Protokoll.

Er ist vorbestraft und erhielt eine Strafe von 15 Monaten bedingt mit einer Probezeit von fünf Jahren. Verurteilt wurde er nicht nur für einfache Körperverletzung, sondern auch für Vergehen gegen das Waffengesetz. Für die Schrotflinte besass er nämlich keinen Waffenerwerbsschein. «Nun können sie sich fünf Jahre lang gar nichts mehr erlauben», mahnte ihn die Richerin.

Die beiden anderen Männer wurden vom Vorwurf des Raufhandels freigesprochen.