Kampf dem Einheitsbrei

12. Mai 2016 05:46; Akt: 12.05.2016 05:46 Print

Shop-Sharing an bester Lage in Basel

Statt grosse Verkaufsflächen zu füllen, wird nun geteilt. Neu auch in der Basler Freien Strasse. Das Konzept ist flexibel und sprengt die Grenzen der traditionellen Ladenkultur.

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Seit Jahren setzen der starke Franken und Onlineshops dem Detailhandel zu. Grosse Ladenketten resignieren angesichts der Krise. Das Shop-Sharing-Konzept könnte aber ein Weg aus der Misere sein. Denn so genannte Popup-Stores mieten sich situativ nur für kurze Zeit ein und verschwinden dann wieder. Andere rücken nach. Die Ladenflächen bleiben damit bespielt und die Strassen attraktiv. Seit Ende April können Neugierige im ehemaligen Modegeschäft Spira an der Freien Strasse alle Arten von Neuheiten entdecken.

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«Wir schauen vorwärts», sagt François Spira zur Neukonzipierung des Ladens. Basel sei in der Vergangenheit zu ähnlich wie andere Schweizer Städte geworden. Nun brauche sie wieder etwas, das ihr mit innovativen Konzepten neues Leben einhauche. Zu diesem Zweck taten sich Spira, sein Cousin Gérard Spira und der Basler Szene- und Gastrokenner Elias Buess zusammen, um zumindest einen kleinen Teil der Freien Strasse dem Mainstream zu entreissen. «Wir wollen das Lokale, das Regionale. Bei uns gibt es Unikate, die man sonst nirgends findet.» Die für ein bis zwei Monate eingemieteten Geschäfte profitierten dabei von der Präsenz in bester Lage, so Spira.

Shop-Sharing boomt

Chalid El Ashker, Geschäftsführer von popupshops.com, kennt das Problem. Er war 2007 mit seinem Fashion-Startup auf der Suche nach einer Ladenfläche, wollte sich aber nicht an einen langfristigen Mietvertrag binden. «Ich wollte ein neues Konzept testen», sagt er. Doch damals hätten sich Vermieter nicht darauf eingelassen. So mietete er langfristig und begann, seine Ladenfläche anderen Marken zur Verfügung zu stellen. Dann fing er an, nebenbei Ladenkapazitäten zu vermitteln. Seit 2015 ist Popupshops.com mit über 2000 Mietern und über 200 Vermietern ein erfolgreiches Geschäftsmodell.

«Früher kannte man leere Ladenflächen nicht, so gefragt waren sie», erklärt El Ashker. Doch heute müssten die Eigentümer umdenken, sagt er. So sei laut der Immobilienberatung Wüest & Partner in der Schweiz so viel Verkaufsfläche verfügbar wie noch nie. «Manche Vermieter wollen nichts Kurzfristiges oder halten Popup-Shops für unseriös. Wir können das relativieren: ein Popup-Shop ist besser als ein leerer Laden.» Andere Vermieter würden dies langsam realisieren, so El Ashker. Zudem könne man mit Shop-Sharing saisonalen Schwankungen entgegenwirken: Ein Wintersportladen brauche im Sommer nicht seine ganze Fläche, meint er.

Shop kommt gut an

«Wir bewerten das Konzept als sehr positiv», findet Mathias Böhm, Geschäftsführer des Vereins Pro Innerstadt Basel. Denn das Geschäftsfeld habe sich in den vergangenen Jahren extrem stark verändert. Dies bringe Probleme aber auch sehr viele Chancen mit sich. «Man muss sich damit beschäftigen. Man kann Neues zeigen und Flächen optimaler nutzen», sagt er. Allerdings brauche die Zwischenbespielung einen neuen Aufwand seitens Eigentümer – dort bestehe noch Sensibilisierungsbedarf.

Dass die Popup-Shops die Grossanbieter vollständig verdrängen werden, glaubt Böhm aber nicht. Diese böten eine Erlebniswelt für ihre Kunden, die sich über die Konsumerfahrung auch auf das Erleben der Produkte auswirke. Dies sei auch ihre Stärke, denn «Kunden wollen heute mehr als nur einkaufen», so Böhm. Somit drohe der Stadt auch kein Identitätsverlust. Auch könne sich eine Zwischennutzung langfristig etablieren, wie der Hinterhof zeige.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oberländi am 12.05.2016 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gelungenes Konzept

    Superidee. Dieses Konzept besteht in der Schweiz schon - auch das Berner Oberland mit dem Namen Kulturgarage.

  • allele am 12.05.2016 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    tolles Konzept

    Super! So sind auch die horrenden Mieten in der Freie Strasse einigermassen bezahlbar.

  • Maurice am 12.05.2016 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Konzep

    War schon ein paar mal da, lohnt sich erst recht wegen dem guten Essen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Basil Kaufmann am 12.05.2016 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freie Strasse wird belebt

    Na die Herren Spira sind ja Besitzer der Immobilie und dürften die Mietkosten auf sehr erträglichem Niveau - wenn auch nicht zu marktgerechtem Preise - haben. Das Konzept finde ich innovativ. Es steht und fällt jedoch mit den Mietern und deren Angebot. Ein reger Wechsel der Untermieter macht das Angebot auch attraktiv. Gibt immer wieder einen Grund reinzuschauen. Viel Erfolg!

  • Romanrussia am 12.05.2016 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preise

    Es ist nocht der starke Franken. Es ist die hässliche Kleidung zu höchsten Preisen.

  • Maurice am 12.05.2016 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Tolles Konzep

    War schon ein paar mal da, lohnt sich erst recht wegen dem guten Essen!

  • K.Berger am 12.05.2016 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schuss in den Ofen!

    Bringt nichts, Schuss in den Ofen! BS leidet extrem als Grenzstadt unter den Grenztouris. Wenn selbst grosse, globale Ladenketten das Handtuch werfen, ist alles klar.Wer nicht über die Grenze hüpft, bestellt im Web.Zalando&Amazon lassen herzlich grüssen.Gelangweilte junge Hipstershopper können nie die Umsätze bringen, die es braucht, um die abstrusen Mieten an der Freistr. zu blechen.Selbst wenn die Horrormiete geteilt wird.

    • Alfi am 12.05.2016 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @K.Berger

      Eben drum teilen sich ja das find ich gut.

    einklappen einklappen
  • allele am 12.05.2016 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    tolles Konzept

    Super! So sind auch die horrenden Mieten in der Freie Strasse einigermassen bezahlbar.