Vom Gericht getrennt

03. Dezember 2015 06:11; Akt: 03.12.2015 06:11 Print

«Ich mache mir Sorgen um meinen Bruder»

Seit das Amtsgericht Dornach zwei Brüder gegen ihren Willen getrennt hat, ist der Kontakt zwischen ihnen abgebrochen. Jetzt wurde auch das Bundesamt für Justiz eingeschaltet.

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Am 22. Oktober hat Ben* (11) seinen Bruder James* (7) zum letzten Mal gesehen. Drei Tage zuvor hatte das Amtsgericht Dornach in einem Obhutsentscheid verfügt, dass der jüngere seiner Mutter zugewiesen wird, die mit ihm nach Kanada ausreisen darf – gegen dessen ausdrücklichen Willen. James lebt seither in Quebec und hat kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben. Ben und sein Vater versuchen seit Wochen vergebens, Kontakt zu ihm herzustellen. «Ich habe seit über einem Monat nichts mehr von ihm gehört. Was habt ihr euch dabei gedacht, als ihr James meiner Mutter gegeben habt?», so Ben.

Besonders belastend: James feiert nächste Woche seinen achten Geburtstag. Erstmals werden sein älterer Bruder und sein Papa nicht dabei sein können. Weil die Mutter den Kontakt zwischen den Geschwistern nicht ermöglicht, hat der Vater nun das Bundesamt für Justiz eingeschaltet. Am 1. Dezember hat das Bundesamt unter Berufung des Haager Übereinkommens über die zivilrechtlichen Aspekte der internationalen Kindsentführung dem Justizministerium von Quebec ein Schreiben zugestellt, in dem auf den Misstand hingewiesen wird.

Hoffnung auf ein Wiedersehen schwindet

Das Amtsgericht Dornach hatte am 19. Oktober verfügt, dass Ben und James zwei Mal wöchentlich Kontakt via Email oder Skype haben und im Rahmen des gegenseitigen Besuchsrechts die Schulferien gemeinsam verbringen dürfen. «Wir haben unsere Ferienpläne gemacht und erwarten, dass James für die zweite Woche der Weihnachtsferien bei uns sein wird», so der Vater. Er habe auch die Kesb gebeten, das in die Wege zu leiten. «Sie haben es der Mutter mitgeteilt, aber keine Antwort erhalten – wie auf alle anderen Anfragen.»

Wie aus E-Mails zwischen Ben und der Kindsanwältin sowie zwischen seinem Vater und der zuständigen Kesb-Mitarbeiterin der Sozialregion Dorneck hervorgeht, konnten weder die Anwältin noch die Kinderschutzbehörde mit der Mutter kommunizieren, seit sie nach Kanada gezogen ist.

Der ältere Bruder Ben weigert sich derweil, nach Kanada zu gehen. Er befürchtet, dass ihn die Mutter nicht mehr zurück zu seinem Vater gehen lassen würde. Mittlerweile hat er die Hoffnung aufgegeben, dass er seinen Bruder zu Weihnachten sehen wird. «Ich mache mir Sorgen um ihn und bin mir sicher, dass meine Mutter ihn nicht zu uns in die Ferien kommen lässt.» Auch der Vater ist resigniert: «Wir hoffen immer noch, James zu Weihnachten zu sehen, aber wir realisieren, dass das sehr wahrscheinlich nicht passieren wird», so der Vater.

Vater befürchtet das Schlimmste

Dass sich die Kindsmutter während des Scheidungsverfahrens schon früher nicht an gerichtliche Anordnungen gehalten hat, ist derweil aktenkundig. Ihr Noch-Ehemann fürchtet das Schlimmste: «Das Kind ist in Gefahr.»

Gegen den Obhutsentscheid des Dornacher Amtsgerichts läuft ein Rekurs. Das Solothurner Obergericht wird den Fall erneut beurteilen müssen.

*Namen geändert

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ianca am 03.12.2015 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständliche Gesetze

    Wie steht es hier mit der so viel gepriesenen Menschenrechtskommission? Ein Kind wird gegen seinen Willen aus der gewohnten Umgebung gerissen, und darf Bruder und Vater nicht mehr sehen! Unglaublicher Entscheid der Behörden, und völlig egoistisches Verhalten einer Mutter!!!

  • Cadoc am 03.12.2015 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fluchtgefahr verneint...

    Wenn Richter entscheiden über das Kindswohl entscheiden müssen wird es meistens traurig. Schlimm ist dieser Entscheid hier, weil das Gericht in der Urteilsbegründung festgehalten hat, dass keine Fluchtgefahr bestehen würde..... Ein krasser und folgenreicher Fehler!! Arme Kinder, ich hoffe ihr seid bald wieder hier in der Schweiz zusammen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cadoc am 03.12.2015 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fluchtgefahr verneint...

    Wenn Richter entscheiden über das Kindswohl entscheiden müssen wird es meistens traurig. Schlimm ist dieser Entscheid hier, weil das Gericht in der Urteilsbegründung festgehalten hat, dass keine Fluchtgefahr bestehen würde..... Ein krasser und folgenreicher Fehler!! Arme Kinder, ich hoffe ihr seid bald wieder hier in der Schweiz zusammen.

  • ianca am 03.12.2015 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständliche Gesetze

    Wie steht es hier mit der so viel gepriesenen Menschenrechtskommission? Ein Kind wird gegen seinen Willen aus der gewohnten Umgebung gerissen, und darf Bruder und Vater nicht mehr sehen! Unglaublicher Entscheid der Behörden, und völlig egoistisches Verhalten einer Mutter!!!