Gewalt im Nachtbus

12. Juli 2017 21:16; Akt: 12.07.2017 21:16 Print

Chauffeur nach Angriff auf Fahrgast freigesprochen

Ein Nachtbus-Chauffeur wurde nach einer Schlägerei vom Strafrichter in Muttenz freigesprochen. Gewalt gegen ÖV-Personal ist auch bei BVB und BLT ein Dauerthema.

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Vor allem in der Nacht kann es für Chauffeure und Kontrolleure brenzlig werden erst recht wenn Alkohol im Spiel ist. (Bild: zvg. )

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Ein 53-jähriger Chauffeur eines Postauto-Nachtbusses von Dornach-Arlesheim nach Bretzwil wurde am Dienstag vom Strafgericht Muttenz freigesprochen. Er musste sich wegen einfacher Körperverletzung verantworten, da er im Mai 2016 bei einem Streit mit Jugendlichen handgreiflich wurde, so die «BZ Basel».

Einer der jungen Männer hatte kurz vor der Eskalation gegen den Bus getreten. Der Busführer stieg aus, um den Verantwortlichen zur Rede zu stellen. Daraufhin geriet die Situation ausser Kontrolle: Ein 18-Jähriger schlug den Fahrer ins Gesicht, woraufhin dieser ihm das Knie in die Magengegend rammte. «Ich habe mich lange genug zurückgenommen. Aber als ich Schmerzen hatte, musste ich ja irgendwas tun. Er hat mir den Arm verdreht. Die waren gewaltbereit und hoch aggressiv», so der 53-Jährige.

Chauffeur war Opfer

In den Augen von Gerichtspräsident Andreas Schröder war das Verhalten des Mannes nachvollziehbar: «Sie standen einer ganzen Horde von alkoholisierten Jugendlichen gegenüber. Das war in der Tat eine höchst bedrohliche Situation. Für das Gericht ist eindeutig, dass Sie das Opfer waren.»

Gewalt gegen ÖV-Angestellte sei ein präsentes Thema – vor allem die Hemmschwelle für Gewaltäusserungen würde sinken, weiss BVB-Sprecherin Claudia Demel. «Vor allem verbale Gewalt nimmt gegenüber unserem Fahr- und Kontrollpersonal zu.» Problematisch werde es, wenn bei den Angreifern Alkohol im Spiel sei. Die Nächte und frühen Morgenstunden am Wochenende seien besonders heikel.

BLT ist zufrieden

Mit obligatorischen Deeskalationskursen und Sicherheitspersonal, das die Kontrolleure am Abend und in der Nacht begleitet, gehe die BVB präventiv gegen Eskalationen vor.

Diese Sicherheits-Standards hätten auch bei der BLT zu guten Ergebnissen geführt. «Grundsätzlich gibt es keine Probeme mit gewalttätigen Fahrgästen, die unser Personal attackieren – wenn man mal von absoluten Ausnahmen absieht», so BLT-Direktor Andreas Büttiker. Zu verdanken sei dies auch der Video-Überwachung in den Bussen und Trams, die auf potentielle Täter abschreckend wirke. Büttiker: «Wir haben die Verantwortung, unsere Leute zu schützen.»

(jd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bernie S. am 13.07.2017 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt

    Und wieso wird der Jugendliche nicht für die Gewalt gegen Beamte (oder halt Fahrer des ÖV) angezeigt?

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  • Mein Senf am 13.07.2017 05:20 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig entschieden

    Bravo. Es würde mich auch erstaunen, wenn man sich als Opfer nicht mehr wehren darf. Aber bei unserem Rechtssystem wird ja noch häufig das Opfer als Täter hingestellt.

  • peter etter am 13.07.2017 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wo bleibt die sozialkompetenz bei postauto schweiz

    wo bleibt die sozialkompetenz der postauto-verantwortlichen? gemäss artikel zum gleichen vorfall in der gestrigen ausgabe der mittelland-zeitung, basel, wurde der kritische postauto-führer von seinen chefs im regen stehengelassen. d.h. er soll damals von seinem arbeitgeber aufgefordert worden sein den vorfall gütlich zu regeln. dies tat der chauffeur nicht und suchte den richterlichen entscheid. gleichzeitig kündigte er seinen jop bei postauto mangels unterstützung durch den arbeitgeber. es ist zu hoffen, dass postauto schweiz aus diesem gerichtsurteil seine strategie gegenüber seinen arbeitnehmern ändert....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrick Spitz am 13.07.2017 07:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ort des Geschehens

    Falsches Symbolbild zur Geschichte! Wo fand der Vorfall statt? BITTE.

  • Re/Su am 13.07.2017 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind wir denn?

    Für mich steht es ausser Frage, dass sich der Buschauffeur wehren darf! Wenn man mich schlägt, dann schlage ich auch zurück und zwar so, dass der andere keine Chance mehr hat mich zurück zu schlagen. Ich finde es völlig angebracht und so schnell wird dieser Jugendliche sicher nicht mehr zuschlagen!

  • Bernie S. am 13.07.2017 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt

    Und wieso wird der Jugendliche nicht für die Gewalt gegen Beamte (oder halt Fahrer des ÖV) angezeigt?

    • Xeno72 am 13.07.2017 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bernie S.

      Wurde er vielleicht, das geht aus dem Artikel nicht hervor. Zumindest wenn er minderjährig war, wäre es zwingend ein anderes Verfahren nach Jugendstrafrecht. Kein Grund zur Aufregung.

    • A. Rösti am 13.07.2017 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bernie S.

      Weil dies vermutlich in einem separaten Verfahren beurteilt wird? Denken sie doch einfach nach, bevor sie kommentieren.

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  • Mythenmetz am 13.07.2017 07:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man kann nicht immer alles auf den Alkohol schiebe

    Hat der kleine Bengel es tatsächlich gewagt, sein Opfer anzuzeigen? Allein das ist schon dreist, wenn ich den Artikel richtig gelesen habe.

  • a-z am 13.07.2017 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein irreführender Tite

    Ein irreführender Titel ( Wie leider häufig). Der Chauffeur wurde von randalierenden Passanten angegriffen und hat sich gewehrt. Das ist nicht das Gleiche. Leider neigen auch unsere Medien häufig zum Täterschutz!