Strafgericht BL

21. Februar 2017 18:10; Akt: 21.02.2017 18:10 Print

Legte Mann wegen Polizei-Fetisch sieben Brände?

Einem 27-Jährigen wird vorgeworfen, sieben Brände gelegt und diverse Ausweise und Urkunden gefälscht zu haben. Ein Beweggrund soll seine Bewunderung für die Polizei gewesen sein.

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Ein 27-Jähriger soll sieben Brände gelegt haben. Am Dienstag sass er vor dem Strafrichter. (Bild: baselland.ch)

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Der rote Faden, der sich durch den Prozessauftakt am Dienstag zog, war die ausgeprägte Polizei-Bewunderung des Beschuldigten. Verantworten musste sich der 27-jährige Koch unter anderem wegen Brandstiftung in sieben Fällen sowie Fälschung von zwei Polizeiausweisen, einer Waffentragbewilligung, diverser Arztzeugnisse und einem Darlehensvertrag sowie der Irreführung der Polizei.

Der Angeklagte, der vor der Dreierkammer in Muttenz und einem vollen Gerichtssaal nur vage in sein Inneres blicken liess, bestritt ein Grossteil der Straftaten. «Ich will ihnen nicht immer alles aus der Nase ziehen. Wie konnte es denn soweit kommen?», verlor Gerichtspräsident Andreas Schröder allmählich die Geduld.

Polizei-Schrein in der Wohnung

Die Fälschung von Ausweisen und Verträgen schob er Dritten in die Schuhe. Weder die gefälschte Waffenbewilligung noch den Ausweis der Polizei Basel-Stadt, die bei einer Hausdurchsuchung gefunden wurde, habe er für eigene Zwecke missbrauchen wollen. «Ich hab sie einfach in meine Vitrine getan», sagte er. Nebst den Ausweisen stiessen die Polizisten auf eine Schaufensterpuppe in Polizeiuniform sowie Fotos und Abzeichen rund ums Thema Blaulicht – ein «Polizei-Schrein», wie es die Staatsanwältin nannte.

Seit Kindertagen habe ihn der Wunsch, Polizist zu werden, begleitet. «Welcher Junge findet das nicht toll?», fragte der 27-Jährige. «Auch während der Lehre zum Koch hatte ich den Berufswunsch Polizist im Hinterkopf.» Ein Schuldenberg und körperliche Beschwerden liessen den Traum schliesslich platzen.

Überfall vorgespielt

«Die Taten haben ihnen was gebracht. Sie waren im Mittelpunkt, von Polizisten umringten sie. Das entspricht doch ganz dem Polizei-Fetisch, den sie haben. Nach den Delikten fühlten sie sich jeweils Polizei-like», sagte Schröder provokativ.

Die Vermutung liegt nahe, dass die Affinität zur Polizei auch 2014 eine Rolle gespielt hat. Damals soll sich der Mann selbst geknebelt und an Händen und Füssen gefesselt haben, um eine möglichst realistische Überfall-Szene vorzutäuschen. Per Telefon informierte er die Polizei. Die Nummer wählte er laut der ersten Einvernahme mit der Nase. Vor Gericht gestand er jedoch, dass der Überfall nie stattgefunden hat.

«Ich fühlte mich bestätigt»

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm zudem vor, 2015 für sechs Brände in Allschwil und einem in Münchenstein verantwortlich zu sein. Für sechs der Feuer legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Den erste angeklagten Fall, ein brennender Anhänger am Waldrand, habe er lediglich entdeckt und der Polizei gemeldet. Dieses Erlebnis sei schliesslich für die folgende Reihe an Brandstifungen ausschlaggebend gewesen. «Es war toll, dass ich eine wichtige Rolle spielen konnte, als ich die Polizei alarmierte. Ich fühlte mich bestätigt und es hat gut getan, dass ich etwas beobachtet habe, dass der Polizei geholfen hat», sagte der Beschuldigte in einer Voruntersuchung.

Die Schadenssumme beläuft sich auf rund 490'000 Franken. Der letzte Brand auf einer Grossbaustelle in Münchenstein wurde dem Beschuldigten schliesslich zum Verhängnis. Es folgte die Festnahme und Untersuchungshaft. Zurzeit wohnt der Angeklagte wieder in seinen eigenen vier Wänden. Per GPS und elektronischem Mornitoring wird er überwacht.

Die Verhandlung ist auf drei Tage angesetzt. Das Urteil folgt am Donnerstag.

(jd)