Horror-Crash Rheinfelden

01. Oktober 2015 09:01; Akt: 01.10.2015 19:48 Print

Wirbt Sekte am Unfallort um neue Mitglieder?

Der tragische Unfall von Rheinfelden forderte fünf Tote. Neben Kerzen, Blumen und Trauer-Kärtchen wurden auch Prospekte der Zeugen Jehovas gefunden.

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Von der siebenköpfigen Gruppe, die am vergangenen Samstagmorgen in einem VW Golf in Rheinfelden AG verunfallte, kamen nur die beiden Frauen mit dem Leben davon. Sie überlebten schwer verletzt.

Über die Unfallursache sowie über die Sitzpositionen der Insassen war bisher nichts bekannt. Jetzt hat die Oberstaatsanwaltschaft Aargau erste Ergebnisse von DNA-Proben und toxikologischen Untersuchungen veröffentlicht. Demnach handelte es sich beim Lenker um einen 38-jährigen Serben. Er hatte zum Unfallzeitpunkt 1,32 Promille Alkohol im Blut.

Die übrigen verstorbenen Personen standen gemäss Gutachten ebenfalls unter Alkoholeinfluss mit ähnlich hohem Alkoholgehalt im Blut.

Überlebende rettete Freundin aus Wrack

Die beiden überlebenden Frauen liegen mit schweren Verletzungen im Spital. Der Zustand der beiden ist stabil. Gemäss Mitteilung konnte die 24-Jährige am Donnerstag ein erstes Mal befragt werden.

Sie habe ausgesagt, dass sie von ihrer 34-jährigen Freundin aus dem brennenden Fahrzeug gezogen wurde. Diese konnte aus medizinischen Gründen jedoch noch nicht einvernommen werden.

«Sie hat jeden Knochen im Oberkörper gebrochen, den man sich vorstellen kann», sagte ihre Mutter zum «Blick». Zudem habe ihre Tochter Brandverletzungen erlitten, als sie ihre Freundin aus dem brennenden Wrack gezogen hat. Die 24-Jährige hat ihr Überleben wohl ihrer Retterin zu verdanken. «Sie will aber auf keinen Fall als Heldin dargestellt werden», sagt der Vater im Bericht. Gegenüber 20 Minuten sagte er, es gehe ihr «den Umständen entsprechend».

Unfallhergang unklar

Die Gutachten zum Unfallhergang und zum Zustand des
Fahrzeugs werden längere Zeit in Anspruch nehmen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Wie schnell das Auto unterwegs war, ist ebenfalls noch unklar.

Erst am Mittwoch konnte die Identifizierung der fünf Leichen abgeschlossen werden. Diese gestaltete sich als schwierig, weil die Körper teils bis zur Unkenntlichkeit verkohlt waren.

Der VW Golf mit sieben Insassen war in der Nacht auf Samstag von der Strasse abgekommen, in einen Kandelaber und anschliessend in einen Baum geprallt und in Flammen aufgegangen. Die beiden Frauen konnten sich retten, während ihre fünf männlichen Begleiter im Alter von 23 bis 39 Jahren bei dem Crash ums Leben kamen.

Suchen sich Zeugen Jehovas gezielt trauernde Personen?

Neben Kerzen, Blumen und Trauer-Kärtchen hat man auch Prospekte einer Unterorganisation der Zeugen Jehovas am Unfallort gefunden, das berichtet «Tele Basel» in der heutigen Sendung. Es sei nicht die gängige Praxis der Organisation, trauernde Personen anzuwerben, hiess es in einem schriftlichen Statement der Sekte selbst. Vielmehr sei man besorgt, Trost zu spenden und es sei sicher nicht das Ziel, Profit zu schlagen oder bei tragischen Unfällen um neue Mitglieder zu werben.

Die Fachstelle Infosekta dementiert diese Aussagen allerdings: «Sekten gehen gezielt auf Menschen in Trauer zu und versuchen so, sie zu Mitgliedern zu machen.» Die Prospekte wurden mittlerweile von Unbekannten durch Blumen und Kerzen ersetzt.