Offener Brief

16. Januar 2017 12:24; Akt: 16.01.2017 14:35 Print

Kickboxer Beqiri attackiert Baselbieter Staatsanwalt

Drei Jahre nach dem Überfall auf Shemsi Beqiris Kampfsportschule gibt es noch immer keine Anklage. Der Kickboxer lässt nun in einem offenen Brief Dampf ab.

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Der Fallkomplex «Dojo» beschäftigt die Baselbieter Staatsanwaltschaft schon seit drei Jahren. Im Februar 2014 hatte Thaiboxer Paulo Balicha mit einem Schlägertrupp die Kampfsportschule seines Rivalen und ehemaligen Schülers Shemsi Beqiri in Reinach überfallen. Ins entsprechende Strafverfahren sind rund 70 Personen involviert, davon 23 als Beschuldigte. Die Akten füllen mittlerweile dutzende Bundesordner. Aber noch immer kam es zu keiner Anklage.

Shemsi Beqiri, Opfer der Tat, verliert mit dem leitenden Staatsanwaltschaft Stefan Fraefel jetzt die Geduld. In einem offenen Brief, der am Montag als Inserat in der «Basler Zeitung» publiziert wurde, fordert er Fraefels Absetzung. «Ich persönlich hege den Verdacht, dass Ihre Abteilung mit den laufenden Ermittlungen überfordert ist», schreibt Beqiri.

Ehrverletzende Verdächtigungen

Überdies fühlt er sich von Fraefel auch zu Unrecht beschuldigt. Der Staatsanwalt verdächtigte ihn, verbotenerweise Verfahrensakten herausgegeben zu haben, aus denen die «Basler Zeitung» zitiert hatte. «Ihre ehrverletzenden Verdächtigungen und haltlosen Anfeindungen gegen mich als Opfer einer Straftat erreichen damit einen neuen Höhepunkt», heisst es im Brief.

Beqiri vermutet, dass die Angriffe des Staatsanwalts das Ziel verfolgen, ihn mundtot zu machen. «Sie wollen offenbar unter dem Vorwand, das Untersuchungsgeheimnis zu schützen, verhindern, dass in der Öffentlichkeit das Versagen der Strafverfolgungsbehörden, innert nützlicher Frist das Verfahren zur Anklage zu bringen, diskutiert wird.» Beqiri hält sich mit Vorwürfen nicht zurück: Fraefel trete die Meinungsäusserungsfreiheit mit Füssen, wenn er ihm oder seinem Anwalt einen Maulkorb auferlegen wolle.

Strafprozessordnung behindert rasches Verfahren

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft hatte im Frühling letzten Jahres noch gehofft, den Fall «Dojo» bis im Herbst zur Anklage bringen zu können. Jetzt soll die Anklage bis Mitte 2017 stehen. Die Behörde machte für den schleppenden Verlauf des «Mammut-Verfahrens» stets die umfassenden Teilnahmerechte verantwortlich, die die Strafprozessordnung den Beschuldigten zugesteht.

So hatten bei Einvernahmen stets alle 23 Beschuldigten das Recht, dieser in Begleitung ihres Anwalts beizuwohnen. An über 100 Befragungen hätten im Schnitt 20 Personen teilgenommen, erklärte die Erste Staatsanwältin des Kantons im Frühling. Die Kosten dafür sind immens. Eine einzige Konfrontations-Einvernahme schlug jeweils mit 25'000 Franken zu Buche. Allerdings seien bei mehreren Beschuldigten noch weitere Delikte zur Anklage hinzugekommen. «Alleine die Bearbeitung eines Rechtshilfeersuchens durch die US-amerikanischen Behörden hat zwei Jahre gedauert», konterte die Staatsanwaltschaft in einer Stellungnahme am Montag.

Staatsanwaltschaft weist Vorwürfe von sich

Beqiri lässt diese Erklärungen nicht gelten. Vielmehr hegt er die Vermutung, dass die Staatsanwaltschaft sich von den Strafverteidigern instrumentalisieren lässt. «Diese haben offenkundig ein Interesse an jeder Verfahrensverzögerung – bis die Sache irgendwann verjährt ist.»

Die Staatsanwaltschaft weist die Vorwürfe zurück, wonach der Verfahrensleiter persönliche Vorbehalte gegenüber Beqiri und seinem Rechtsbeistand hege. «Die komplexe Verfahrenssituation sowie die anhaltenden Indiskretionen erfordern eine strikte Verhandlungsführung seitens des Staatsanwalts gegenüber allen Parteien», teilte die Behörde schriftlich mit.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • DANIELE DON BORDELLO am 16.01.2017 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EinWitz

    Da kommt ne maskierte Gruppe zu dir und bedroht dich vor all deinen Schülern... Und dann musst du ca. 3 Jahre auf GERECHTIGKEIT warten? Dann wundert sich der eine oder der andere wenn man den Glauben an die JUSTIZ verliert.

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  • Stadex am 16.01.2017 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefahr!

    Diese Schlägertypen laufen wohl frei und anonym herum. Wer solche Delikte begeht und vorallem wenn Beweise wie zb Videos vorliegen sollte als Konsequenz bis zum Ende der Verhandlung inhaftiert bleiben.

  • Escobar am 16.01.2017 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verstehe ihn

    Nichts neues, man beachte nur schon die Zahlubgsmoral der Ämter.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Anakena am 17.01.2017 00:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer's glaubt

    Das hat er nie und nimmer selbst geschrieben. Wird wohl vorgeschoben, von jemandem, der gegen die Stawa schiessen will, aber den Mut dazu nicht hat.

  • Ninush am 16.01.2017 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Prozess (Kafka)

    Nichts läuft... Zeit und Geld geht verloren. Gedemütigt vom Staat

  • Bonifatz am 16.01.2017 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Dutzende Ordner voll Papier und nichts passiert..Macht Eure Arbeit!! Ich bin stinksauer das zu lesen weil ich im kleineren Rahmen auch fast zwei Jahre warten musste auf einen Prozess..Wenn Unrecht geschieht muss sofort etwas passieren.Nicht erst nach Jahren..Für was bezahlt man eigentlich diese Anwälte??

  • Cartman1993 am 16.01.2017 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hahaxD

    Ob unsere "Kuscheljustiz" sinnvoll ist oder nicht, darüber lässt sich streiten, jedoch würde dieser Fall in Russland, Polen, Rumänien oder einem anderen Land mit weniger Kuscheljustiz als hier auch nicht schneller verhandelt, denn auch da gelten juristische Grundsätze.

  • DANIELE DON BORDELLO am 16.01.2017 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EinWitz

    Da kommt ne maskierte Gruppe zu dir und bedroht dich vor all deinen Schülern... Und dann musst du ca. 3 Jahre auf GERECHTIGKEIT warten? Dann wundert sich der eine oder der andere wenn man den Glauben an die JUSTIZ verliert.

    • Cartman1993 am 16.01.2017 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @DANIELE DON BORDELLO

      naja aber wenn man bedenkt, dass man nicht wegen eines Verbrechens zweimal angeklagt werden darf, ist es doch intelligenter, wenn die Anklage stichfest ist oder sollen unsere Staatanwälte damit beginnen jemanden nur auf Grund einer Zugehörigkeit anzuklagen?

    • DANIELE DON BORDELLO am 17.01.2017 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cartman1993

      Was soll den das bedeuten? Es gab noch keine einzige Anklage..

    • Cartman1993 am 19.01.2017 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @DANIELE DON BORDELLO

      ja eben wweil wenn die Anklage scheitert, kann man den Verdächtigen nicht ein zweites mal für das gleiche Verbrechen verurteilen, somit macht es sinn zu warten bis die Anklage stichfest ist

    • DANIELE DON BORDELLO am 20.01.2017 03:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cartman1993

      Warten gut und Recht aber nicht so lange. Definitiv nicht. Wenn es ein kapitales Verbrechen wäre, in dem der Staat kassiert, dann wär die Anklage ruck zuck vollzigen...

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