Strafgericht BL

06. April 2017 05:51; Akt: 06.04.2017 05:51 Print

Zahnpasta-Managerin zweigte 1,7 Millionen ab

Für den Betrieb ihres Restaurants und persönlichen Luxus zweigte eine Finanzmanagerin von ihrem Arbeitgeber 1,7 Millionen Franken ab. Dafür soll sie nun vier Jahre hinter Gitter.

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Als ihr Betrug Ende April letzten Jahres aufflog, platzte der Traum vom eigenen Restaurant: Die Schliessung des Lokals Paris-Warszawa an bester Lage nahe des Barfüsserplatzes in Basel machte lokal Schlagzeilen, als ruchbar wurde, dass die Geschäftsführerin hinter Gittern sass. Die heute 45-jährige Polin hatte während vier Jahren 1,76 Millionen Franken von ihrem Arbeitgeber, dem Colgate-Palmolive Konzern, abgezweigt.

Sie arbeitete seit 2011 in Therwil für die Colgate-Tochtergesellschaft Gaba, wo sie zuletzt als Senior General Accountant arbeitete. Ihr letzter Jahreslohn betrug inklusive Bonus 177'306 Fr. Nicht genug, um den Lebenswandel von ihr und ihrem Freund zu finanzieren, mit dem sie im Oktober das Restaurant Paris-Warszawa eröffnete. Der Betrieb war laut Anklage hoch defizitär. Hinzu kamen geleaste Luxusautos, Ferien, teure Restaurant- und Barbesuche und Möbel. Wie sie das Geld ihres Arbeitgeber verprasste ist säuberlich auf Kreditkartenabrechnungen dokumentiert.

Erst vor Gericht kam das Schuldbekenntnis

Die top ausgebildete Finanzexpertin ist geständig. «Es tut mir unglaublich leid», sagte sie. Adrett in einen unschuldig blauen Zweiteiler und High-Heels gekleidet, versprach sie, ein neues Leben aufbauen zu wollen. «Das ist klug», kommentierte Gerichtspräsident Adrian Jent den Gesinnungswandel der Angeklagten. Diese hatte die Vorwürfe nämlich während der gesamten Untersuchung abgestritten und gestand erst zu Beginn der Hauptverhandlung am Mittwoch, dass sie sich unrechtmässig bereichert hatte.

Unklar ist, wie es überhaupt soweit kommen konnte: Die 45-Jährige wurde schon in Polen zweifach wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung verurteilt und mit einem Berufsverbot für buchhalterische Tätigkeiten belegt. Dennoch wurde sie 2008 als Managerin im Finanzbereich von der Colgate Palmolive angestellt. Ihr Anwalt habe ihr gesagt, dass sei kein Problem. «Die Arbeit war ja mehr im Bereich Projekte und weniger buchhalterisch», erklärte sie.

Niemand hinterfragte ihre Zahlungsaufträge

Das rächte sich nun, als sie von Colgate nach Therwil entsandt wurde – ausgestattet mit Zeichnungsberechtigungen für mehrere Firmenkonti. Dringende Zahlungen tätigte sie dort jeweils über eine E-Banking-Plattform. Rasch merkte sie, dass die Kontrollen lasch waren. Sie musste keine Belege im System hinterlegen und die Business-Service-Zentrale in Warschau hinterfragte ihre Zahlungsanweisungen nicht. Sie kannte die zuständigen Personen dort und deren Arbeitsweise von ihrer vorherigen Funktion her ohnehin.

79 Mal gab sie Transaktionen in Auftrag, die angeblich für Quellensteuern, Sozialversicherungen oder Lieferanten bestimmt waren, bevor ihr Tun entdeckt wurde. Ihr war bewusst, dass sie jederzeit auffliegen konnte, hörte aber dennoch nicht auf. «Ich war in einem Teufelskreis. Ich wollte ein neues Leben in der Schweiz anfangen, aber es ging nicht», sagt sie. Jeden Morgen vor der Arbeit habe sie erbrochen. «Aber mit der Zeit denkt man, es ist korrekt, was man tut.»

Haft und ein Schuldenberg

Die Staatsanwaltschaft fordert für die qualifizierte Veruntreuung eine vierjährige Gefängnisstrafe. Die Verteidigung begnügt sich mit drei Jahren teilbedingt und möchte die Forderungen von Colgate Palmolive, die nicht nur 1,76 Millionen Franken zuzüglich Zinsen, sondern auch 118'000 Franken Anwaltshonorar geltend macht, auf den Zivilweg verweisen. Das Urteil wird am Freitag eröffnet.

(lha)