Oris-CEO

23. März 2017 16:59; Akt: 23.03.2017 16:59 Print

«Smartwatch wäre Verrat an unseren Werten»

von Lukas Hausendorf - Für Rolf Studer (45), den Co-CEO von Oris, ist eine mechanische Uhr auch smart. Er glaubt, dass das Uhrmacher-Handwerk von der Digitalisierung profitieren wird.

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Herr Studer, Sie haben für Coca-Cola gearbeitet, bevor Sie zu Oris kamen. Was hat Sie in die Uhrenbranche gezogen und sehen Sie Parallelen zu ihrer früheren Tätigkeit in der Getränkebranche?
In die Uhrenbranche zog mich meine persönliche Faszination für Uhren und schön gemachte Dinge. Mein Vater war Bootsbauer, da ging es um Mahagony, schöne Beschläge, das geht alles in die gleiche Richtung. Ein Objekt, das in sich stimmig ist und schön älter werden kann. Das faszinierte mich schon immer an der Uhrenbranche. Und dann ist das ein Schweizer Produkt, das global funktioniert. Das ist etwas vom Schönsten an der Branche. Man geht raus und kann gute Schweizer Werte unter die Leute bringen. Und ja, Parallelen zur Getränkebranchen gibt es insofern, als dass viele Uhrenmanager aus der Konsumgüterindustrie kommen. Dort hat man gelernt, richtig Gas zu geben mit Verkaufs- und Marketingkonzepten.

Umfrage
Haben Sie schon eine Smartwatch?
12 %
7 %
57 %
24 %
Insgesamt 2258 Teilnehmer

Die Uhrenindustrie durchläuft gerade eine Baisse. Nicht aber Oris, warum bleiben Sie von der Krise verschont?
Ja, es sind schwierige Zeiten im Moment, das ist definitiv so. Wir sind stets ehrlich geblieben zum Konsumenten, wir haben beim Produkt einen guten Job gemacht. Unser Produkt stimmt, unser Preis stimmt und hat immer gestimmt. Wir haben immer faire Preise verlangt für unsere Produkte, auch als das noch weniger en vogue war als jetzt. Darum müssen wir das jetzt auch nicht ändern. Ich denke, das gibt uns eine enorme Glaubwürdigkeit. In Genf war das grosse Thema dieses Jahr «Becoming more accessible». Ja, was sind sie denn vorher gewesen? Das ist ja ein Witz, wenn ich dann sagen muss, jetzt gehe ich mit dem Preis runter. Das ist kein seriöser Umgang mit einer Marke und es ist nicht ehrlich gegenüber dem Kunden. Wir haben immer ein gutes Produkt gemacht für Leute, die arbeiten für ihr Geld. Das ist Oris. Das haben wir vorher nicht anders gemacht und das werden wir auch nicht anders machen.

Ihr neustes Modell, die Artelier Calibre 113, hat zwar einen Business-Kalender, aber dennoch ist es keine Smartwatch. Warum baut Oris keine Smartwatch?
Da muss ich Sie fragen: Was ist denn eine Smartwatch? Zum Beispiel eine, die man immer reparieren kann, die man ein ganzes Leben lang hat? Eine, die man zum Sport anziehen kann, aber auch zum Arbeiten? Eine, bei der man die Batterie nie wechseln muss? Das ist auch eine smarte Watch.


Rolf Studer erklärt den Business-Kalender der Artelier Calibre 113. (Video: 20 Minuten/Lukas Hausendorf)

Also ein bewusster Verzicht auf Elektronik, Konnektivität und alle Schlagworte, die derzeit in der Branche die Runde machen?
Wir machen nur mechanische Uhren und das seit Jahrzehnten. Wir sind eine der ersten Firmen, die sich wieder auf die mechanische Uhr fokussiert hat, und waren lange Zeit die einzigen und sind jetzt eine der wenigen, die nur mechanische Uhren machen. Es wäre ein Verrat an unseren Werten, würden wir jetzt auf den Connectivity-Zug aufspringen. Persönlich finde ich die Smartwatch eine gute Sache. Das erschliesst auch neue Kunden für unsere Produkte. Mein Beispiel ist immer, wenn jemand barfuss aufwächst, dann wird es schwierig, den in einen Halbschuh zu zwängen. Aber wenn jemand mit einem Turnschuh aufwächst, will der auch irgendwann einen gut gemachten Lederschuh haben. Ich glaube deshalb, am Ende hilft die Smartwatch der mechanischen Uhr.

Junge Erwachsene von heute sagen sich, ein Smartphone reicht als Uhr doch völlig aus. Wie wollen Sie eine junge Kundschaft für mechanische Uhren begeistern?
Wie gesagt, ich denke, dass die Smartwatch ein guter Einstieg ist. Die mechanische Uhr ist eine Form von Kultur. Das findet man mit 20 vielleicht noch nicht so attraktiv. Aber je mehr man sich im Laufe des Lebens mit kulturellen Dingen auseinandersetzt, desto mehr interessiert man sich auch für eine mechanische Uhr. Ich glaube, in dieser sehr elektronisch geprägten Zeit, in der wir heute leben, werden handwerklich gemachte Sachen, die man verstehen kann, an Wert gewinnen. Die Uhrenbranche wird nicht an der zunehmenden Digitalisierung leiden, eher im Gegenteil.

Ihr Betrieb expandiert, Sie haben vor kurzem in Hölstein ein Centre of Excellence gegründet. Was passiert dort?
Das ist unser Innovationszentrum. Dort arbeiten unsere Ingenieure, die unsere mechanischen Spezialitäten weiterentwickeln, Dinge wie die Calibre 113 und all die Dinge, die Sie dann nächstes Jahr sehen werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Til am 23.03.2017 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einstellungssache

    Die Einstellung gefällt mir gut.

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  • Saella am 23.03.2017 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor vielen Jahren

    Zum 5. Geburtstag hab ich meine erste Uhr bekommen - eine Oris

  • Isolabella am 23.03.2017 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oris forever

    Vor 25 Jahren habe ich mir mit meinen 500.- Bonusgeld von der gut gelungenen Lehrabschlussprüfung eine Mechanische Oris gekauft. Langsam sieht sie gut getragen aus, läuft immernoch tip top und ich erfreu mich weiterhin an der Uhr wie am ersten Tag. Danke, Oris, für diesen fairen Preis, und den treuen Begleiter in schlichtem, ehrlichem Design.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Das ABC am 24.03.2017 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Dumbwatch

    Ich mag ja vieles weils Technik ist, aber bei der Uhr ist Schluss. Eine wunderschöne mechanische Uhr mit sichtbarem Uhrwerk, das gefällt mir! Da muss man vieleicht alle 4 Jahre einmal die Batterie wechseln und sie nicht jeden Abend aufladen um darauf SMS zu lesen, was auf dem Handy sogar noch besser geht weil ich da einen grösseren Bildschirm habe. Dazu noch so viel Geld ausgeben damit die nach 2 Jahren nicht mehr funktioniert? Nein danke!

    • Vincenzo Sospiri am 24.03.2017 12:40 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Ahnung aber gross tönen

      Eine mechanische Uhr hat keine Batterie... Durch Bewegungen des Handgelenks wird mit einer Art Schwungrad die Gangreserve aufgeladen. Wird die Uhr oft getragen, muss sie nie manuell aufgezogen werden.

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  • Canuslupus am 24.03.2017 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach schön

    Der Mann hat nicht unrecht. Ich habe immer Uhren getragen und als junger Mann vor allem Quarz-Uhren. Je älter ich wurde, desto mehr schätzte ich aber die Schönheit und Komplexität einer mechanischen Uhr. Kommt noch dazu, dass die Uhr für einen Mann das einzige Schmuckstück ist, welches nicht protzig wirkt. Mittlerweile kaufe ich nur noch mechanische Uhren. Und ja, ORIS ist auch meine Lieblingsmarke, weil das Gesamtpaket (Preis, Design, Verarbeitung) einfach stimmt.

  • Antonov am 24.03.2017 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kennen wir schon was passierr.

    Ja das hat Nokia damals mit ihren Tastaturen auch gedacht.

    • Patrick Soppelsa am 24.03.2017 12:58 Report Diesen Beitrag melden

      Und Blackberry?

      Im Gegenzug gibt es Blackberry nur noch wegen der Tastatur. Oder andere Frage, warum züchtet man Rennpferde? Jedes Motorrad ist schneller. Weil es Leute gibt, die Rennpferde, Natel's mit Tastatur und eben mechanische Uhren lieben. Die bereit sind,statt alle zwei Jahre neues Fallobst kaufen zu müssen, sich einmal eine schöne , aber teure Uhr kaufen und sich dann über Jahre daran erfreuen. Die sind vielleicht nicht so laut, aber schlussendlich nicht eine so kleine Minderheit, sie brauchen einfach nicht jedes Jahr ein neues Teil.

    • Antonov am 24.03.2017 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick Soppelsa

      Entschuldigung ich muss fragen, vieleicht bin ich zu jung, black... was für Teil?

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  • Butch am 24.03.2017 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    Smartwatches?

    Apple & co haben eine Smartwatch. Mit der kann man aber nicht mal telefonieren! Ich habe kürzlich eine Smartwatch für Kinder gesehen, mit der man sogar telefonieren kann. Apple ist so was von gestern. Ich trage nur mechanische oder Digitaluhren. Eine Smartwatch bzw. ein Spion kommt mir nicht ans Handgelenk.

    • benny am 24.03.2017 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Butch

      Du hast vergessen zu erwähnen, dass die Apple "Uhr" auch noch potthässlich aussieht. Jedesmal zum fremdschämen, wenn dieses Teil an einer erwachsenen Person gesehen wird.

    • Butch am 24.03.2017 18:44 Report Diesen Beitrag melden

      @benny

      Naja, das Design ist Geschmacksache. Mir gefällt sie auch nicht. Die Samsung sieht besser aus.

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  • Th1990 am 24.03.2017 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja ja Coca Cola

    Solche Argumente die dieser Coca Cola Manager ins Feld führt hat man auch gehört als die Quarzuhren aufkamen. Offenbar war der junge Mann damals noch zu klein um den riesigen Einbruch mitzuerleben, denn das Ereignis scheint mir wiederholt sich - insbesondere wenn ich solche abgehobenen Aussagen lese wie er sie macht!

    • Migi100 am 24.03.2017 10:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Th1990

      Da haben sie leider nicht ganz unrecht. Vor 50 jahren hat man die gleichen worte der ASUAG oderSSIH Bosse gehört und man weiss ja wie es gekommen ist. Lieber nicht allzu hoch auf dem Ross sitzen und dafür überleben. Das sollten sich die bosse von oris auch hinter die ohren schreiben auch wenn es gerade gut läuft!!!

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