Strafgericht BS

08. August 2017 05:47; Akt: 08.08.2017 14:56 Print

Lärmige Baustelle – Frau wirft Flaschen aus Fenster

Einer Frau (53) wurde am Montag vom Gericht eine psychiatrische Behandlung angeordnet. Sie schleuderte im Mai 2015 mehrfach Glasflaschen aus ihrem Fenster.

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Der Stress wegen der Baustellen rund um ihre Wohnung an der Hochstrasse brachten die Frau dazu, Flaschen aus dem Fenster zu werfen. (Bild: stv)

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Sie fühle sich so weit gut, habe Freunde, eine feste Tagesstruktur, gehe zur Therapie und nehme die verordneten Medikamente, sagte die 53-Jährige zu Beginn der Massnahmeverhandlung am Montag. Im Mai 2015 sei ihr Gesundheitszustand jedoch alles andere als stabil gewesen. Damals hatte sie starke psychotische Angst- und Wahnvorstellungen. Die Bauarbeiten in und vor ihrer Wohnung an der Hochstrasse im Gundeli hätten ihr «den Teppich unter den Füssen weggezogen».

Ob sie sich denn daran erinnern könne, dass sie am 12. Mai eine Kirsch-Flasche aus dem Fenster im 2. Stock beförderte, die nur knapp neben einem Baurbeiter zerschellte, fragte sie Gerichtspräsidentin Dorrit Schleiminger. «Nicht wirklich. Ich war ziemlich betrunken», antwortete die schuldunfähige Frau. Mit einer zweiten Flasche traf sie ein parkiertes Auto. Fünf Tage später warf sie erneut spätabends zwei Flaschen, dieses Mal eine Vodka- und eine Sekt-Flasche, Richtung Baustelle. Personen hielten sich zu diesem Zeitpunkt keine auf der Strasse auf.

Enorm gestresst

«Ich war enorm gestresst, da ich keinen Lebensraum mehr hatte. Küche, WC und Keller wurden neu gemacht. Ich hatte den gesamten Kellerinhalt und fremde Menschen in meiner Wohnung», beschrieb sie ihren damaligen Zustand. Ihr sei nicht bewusst gewesen, dass sie mit den Flaschen jemanden hätte verletzen können. Ihr Verteidiger betonte in seinem Plädoyer: «Geplagt von ihrer Krankheit und inneren Stimmen, fand sie keinen anderen Weg, mit ihrer Angst umzugehen.» Die Art und Weise, wie sie sich abgeregt habe, sei sicherlich nicht gut. Aber die Tat sei lediglich fahrlässig gewesen und habe kein Leben gefährdet.

Die Gerichtspräsidentin schloss sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an und verordnete die ambulante psychiatrische Massnahme beim Psychiater, der die 53-Jährige seit dem Vorfall regelmässig behandelt, weiterzuführen.

Sie habe die Tatbestände der versuchten einfachen Körperverletzung und der Gefährdung durch Gegenstände erfüllt, sei jedoch aufgrund ihrer Schizophrenie schuldunfähig. «Sie wussten, dass es dort Bauarbeiter hatte, und nahmen Verletzungen in Kauf», betonte Schleiminger. Nebst der Behandlung werde ihr ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt, an den sie sich wenden kann, falls der Alltag einmal nicht zu meistern wäre.

(jd)