In Basel voll integriert

30. August 2017 05:48; Akt: 30.08.2017 05:48 Print

Abdul – vom Flüchtling zum Musterlehrling

Der Afghane Abdul Bais Chinjani (28) kam nach vierjähriger Flucht 2012 nach Basel. Jetzt ist er im vierten Lehrjahr zum Elektroinstallateur – und voller Pläne.

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In der Berufsschule ist Abdul Bais Chinjani der Klassenälteste. Der 28-jährige Afghane flüchtete 2008 aus Kabul und landete vier Jahre später in Basel. Jetzt ist er im vierten Lehrjahr zum Elektroinstallateur. «Abdul ist ein Musterlehrling», sagt sein Lehrmeister Gionatan Sindaco. «Er zeigt grossen Willen und seine Lehrer sind begeistert.»

Chinjani klopfte 2012 bei Elektro Basilisk an die Türe und stellte sich vor. «In gebrochenem Deutsch fragte er, ob er bei uns arbeiten kann», erzählt Sindaco. Da war Chinjani erst ein halbes Jahr in der Schweiz. «Als ich im Asylheim war, besuchte ich als erstes einen Deutschkurs», sagt Chinjani. Seinen künftigen Arbeitgeber beeindruckte das – man bot ihm ein Praktikum an, anschliessend bekam er die Lehrstelle.

Der Betrieb wurde zur Familie

Dafür musste Chinjani zuerst die Abschlussprüfung auf Sekundarniveau bestehen. Doch der Afghane weiss, wie man lernt: In Kabul hatte er Agrarwissenschaften studiert, flüchtete aber, bevor er abschliessen konnte. In der Berufsschule glänzt er mit einem Notenschnitt über 5. Nur bei Sprachen und Allgemeinbildung hapere es noch ein bisschen. «Da habe ich nur eine 4,5», erzählt er. Chinjani möchte sich nach der Lehrabschlussprüfung nächstes Jahr auf seinem neuen Beruf weiterbilden.

Durch die Lehre fand Chinjani auch sozialen Anschluss in Basel. Und aus den Mitarbeitern bei der Elektro Basilisk wurden Freunde. «Sie sind wie eine Familie für mich», sagt er.

Seine Familie in Afghanistan hat er seit 2008 nur noch über Skype gesehen. Nach seiner langen Flucht möchte Chinjani in Basel sesshaft werden und hier eine eigene Familie gründen. Die Aufenthaltsbewilligung B hat er bereits beantragt.

Basler Erwerbsquote über Schweizer Schnitt

Bei seiner beruflichen Integration wurde Chinjani von der Sozialhilfe begleitet, bei der sich ein Team um die Arbeitsintegration vorläufig Aufgenommener und Flüchtlinge kümmert. «Die Motivation von Flüchtlingen, zu arbeiten und Geld zu verdienen, ist grundsätzlich hoch», sagt Amtsleiter Ruedi Illes. Allerdings seien nicht alle gewillt, eine Berufslehre zu machen. Der tiefe Lohn schrecke einige ab. «Gerade Ältere suchen sich lieber einen Hilfsjob, bei dem sie mehr verdienen», so Illes.

Die Bemühungen der Behörden, Flüchtlinge beruflich zu integrieren, tragen Früchte. In Basel sind über 32 Prozent der Vorläufig Aufgenommenen und Flüchtlinge erwerbstätig, das ist deutlich über dem nationalen Schnitt.

Motivierte Flüchtlinge, zufriedene Arbeitgeber

Flüchtlinge, die den Weg in eine Lehre schaffen, seien dafür in der Regel hoch motiviert, einen Abschluss zu machen. «Das bekommen wir auch von den Arbeitgebern immer wieder zu hören», so Iles. Die Sozialhilfe bemüht sich denn auch zusammen mit dem Gewerbeverband, potentielle Ausbildungsbetriebe für Flüchtlinge zu finden. Auf einen Flyerversand habe es zahlreiche Anfragen von Firmen gegeben. Die Hürden für die Betriebe sind denn auch tief. «Wir hatten keinen Aufwand, das hat alles das Migrationsamt geregelt», sagt Sindaco.

(stv/lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Theorie & Praxis am 30.08.2017 07:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut

    Ich verstehe die ganzen dislikes nicht. Bin auch vorwiegend rechts eingestellt, aber ist doch schön gibt solche die wirklich etwas erreichen möchten und sie integrieren. Leider ist er eine ausnahme

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  • CP85 am 30.08.2017 07:08 Report Diesen Beitrag melden

    Tja ...

    Grundsätzlich gilt: Haben Flüchtlinge eine Perspektive, dann bauen sie auch keinen Mist und engagieren sich (gilt nicht für alle, aber die meisten). Und davon kann man dann auch profitieren. Dass er nach Arbeit auch aktiv gesucht hat, finde ich super. Gratuliere zu diesem Erfolg. Man liest mittlerweile viel zu selten gute Nachrichten.

  • Milky am 30.08.2017 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bravo!

    genau so sollte es sein! Aber seien wir mal ehrlich, wieviele von den Flüchtlingen werden so gut integriert, oder sind dazu bereit? ich schätze nicht mal 10%..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Babett am 30.08.2017 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit gleichen Ellen messen!

    In gewissen Ländern ist die Realität Leider so , das dort nur oder meistens, die Frauen Arbeiten. Und die Männer gerne bedient werden. Und das wäre eigentlich das erste , was man ihnen beibringen muss . Hier arbeiten alle hart . Und hier haben alle , ob Frau oder Mann die gleichen Rechte. Und es gibt genügend Schweizer , die wenn sie scheitern, nicht so eine Unterstützung kriegen.

  • Biker am 30.08.2017 11:20 Report Diesen Beitrag melden

    Einzelfall

    Zählt doch mal umgekehrt auf. Geht in die Gefängnisse und redet mit denen, die sich nicht integriert haben. Bei Kriminellen wird immer von Einzelfällen gesprochen. Zählt mal zusammen wie viele Einzelfälle das sind. Ich denke eher, dass die richtig gut Integrierten die Einzelfälle sind. Beherrschen der Sprache, Teilnahme an unserer Kultur und Gesellschaft, keine Sozialhilfe. Aber eben. Will ja keiner hören.

  • Suzanna am 30.08.2017 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    wieso all das Negative?

    ich bin schockiert über all die negativen Kommentare, er ist ein super Beispiel aber scheinbar ist auch das falsch, wie man's macht es ist in jedem Fall falsch! Erreichen Sie etwa, kommt der Neid und der Frust, dann hat man ja keinen mehr über den man herziehen kann und müsste womöglich noch bei sich anfangen etwas zu ändern, oder wie!

  • Alma Graus am 30.08.2017 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    wäre Selbstverständlichkeit

    Warum wird für solches ein Medienplatz eingeräumt? Weil es ein Einzelfall ist! Würden sich alle integrieren und einer Arbeit nachgehen, wäre es also die Regel, hätte so was keinen Platz. Merkt Ihr etwas?

  • Melanie am 30.08.2017 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    super Sach!

    tolle Geschichte!! auch positives muss mal berichtet werden. Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute und ganz viel Erfolg!