Basel

17. Mai 2018 14:49; Akt: 17.05.2018 15:24 Print

Dieser Hundehaufen lag 800 Jahre unter der Erde

In Basel haben Archäologen Kot ausgegraben, der seit Jahrhunderten im Boden steckte. Die Knochenreste darin verraten: Es stammt von einem Hund.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im Spiegelhof, mitten in der Basler Innenstadt, legen Archäologen derzeit ein frühmittelalterliches Handwerkerviertel frei. Dieses befindet sich direkt unter dem heutigen Polizeigebäude. Nun haben die Forscher einen Fund der etwas anderen Art gemacht: Was auf den ersten Blick wie Steine aussah, entpuppte sich schnell als «natürlicher Abfall». Ausgrabungsleiter Simon Graber: «Der Finder kam rasch zum Schluss, dass es sich um Hundekot handelt.»

Entscheidend seien die Reste von Knochen und kleinen Zähnen, die überall im Kot sichtbar sind. «Der Kot muss von fleischfressenden Tieren stammen. Die Auswahlmöglichkeiten sind in einem Handwerkerviertel ziemlich beschränkt, weshalb wir von Hunden ausgehen», so Graber. Der gefundene Kot wird aber noch einer genauen Analyse unterzogen werden, damit man seinen Urheber definitiv bestimmen kann.

Fest steht schon einmal, dass die Menge an Stuhl aussergewöhnlich ist. So viel mittelalterlicher Kot auf einem Haufen sei in der Schweiz bislang vermutlich noch nie zum Vorschein gekommen, schreibt die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt auf Facebook. Und die Wissenschaftler merken an: «Der mineralisierte Kot ist übrigens überhaupt nicht mehr eklig, er ist geruchslos und hart».

Haben Handwerker Kot bewusst gesammelt?

Wieso finden die Archäologen so viel Ausscheidungen auf einmal? «Die mittelalterlichen Handwerker könnten den Kot gesammelt haben, weil sie darin einen Nutzen sahen», meint Graber. So sei Hundekot beispielsweise in der Lederverarbeitung verwendet worden. Das sei aber alles noch Spekulation.

Da der mineralisierte Stuhl ausserhalb der Handwerkerstuben gefunden wurde, könne man sich fragen, was dies über die Hygieneverhältnisse im Mittelalter aussage. Die Epoche ging ja bekanntlich nicht als Zeitalter der Sauberkeit in die Geschichte ein. «Die Hunde verrichteten ihr Geschäft jedenfalls nicht im Haus», steht für Graber fest.


Archäologe Simon Graber erklärt die Besonderheiten der Ausgrabungsstätte. (Video: archaeologie-live.ch/20M)

(daf)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Didi Weidmann am 17.05.2018 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wer bekommt jetzt die Busse?

    Also hat da einer vor 800 Jahren den Hundekot nicht weggeräumt. Stellt die Basler Stadtpolizei nun den Nachkommen des Hundebesitzers, sofern diese denn ausgemacht werden können, die entsprechende Ordnungsbusse mit Verzugszinsen über 800 Jahre zu?

    einklappen einklappen
  • Mariachi am 17.05.2018 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    konservierung

    Wow, was hatte der Hund denn da gegessen, das der noch nicht verrottet ist und zu erde verwandelt wurde. Vielleicht verrottet von uns auch nichts mehr, dank der ganzen Konservierungsmittel in allem :D

  • bimbam am 17.05.2018 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tja

    endlich hats jemand weggeputzt! damals gabs anscheinend noch keine robidogs..?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Akelei am 17.05.2018 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finderlohn?

    Uiui, was liegt denn noch so unter der Erde. Hoffe er stinkt nicht mehr. Wird er jetzt ausgestellt oder einfach im RobiDog versenkt?

  • Miley am 17.05.2018 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich!

    Wow, Fund des Jahres! Gratuliere an alle Involvierten!

  • Otto am 17.05.2018 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wäre es mit frischem Kot?

    Also, ich wusste nicht, dass alter Kot so interessant sein kann, dann müsste ein Frischer noch viel mehr Begeisterung auslösen.

    • Miley am 17.05.2018 16:23 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Bin auch Ihrer Meinung, vor allem würde der Neue noch so wunderschön riechen und wäre warm und weich.

    einklappen einklappen
  • Smd Winterthur am 17.05.2018 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Steuer auf den Hund gekommen!

    Warum machen alle so ein Theater wegen ein bisschen Hundekot? Viel schlimmer finde ich die Pferdehaufen die überall liegen und keiner muss sie zusammen nehmen, dies alles Steuerfrei!

    • Daniel am 17.05.2018 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Smd Winterthur

      Weil Wildtiere oder weidetiere sterben können bei Verzehr von Hundekot, bei rosskot ist grundsätzlich nur Grass drin und dies schadet niemanden! Stinken tut es auch nur halb so schlimm!

    • Smd Winterthur am 17.05.2018 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Daniel

      Im Pferdekot sind meistens Rückstände von Antibiotika die der Natur und Gewässern nicht gut bekommen und so in unsere Nahrungskette gelangen, da sie in den Kläranlagen nicht abgebaut werden können. Mahlzeit die Damen und Herren!

    einklappen einklappen
  • John Hunki am 17.05.2018 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Mol mol

    Nun forschen sie schon im 800 Jahren alten Hundkot. ;-) )

    • Terminator am 17.05.2018 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @John Hunki

      Was die Forscher dort machen? Man erforscht einfach alles, egal in welchem Bereich um noch mehr Wissen zu sammeln und das ist auch gut so! Und was hats uns eingebracht? Ah, ja die Lebenserwartung ist von 34,5 Jahren auf 81.2 Jahre angestiegen, der Wohlstand ist grösser als in all den früheren Jahrhunderten, Mörder kommen nicht mehr davon, weil sie durch Forensik-Methoden (wie zB Kotanalyse) zu über 98,5% geschnappt werden, es gibt das Internet, Flugzeuge, Computer, Handys...alles nur wegen Forschern und deren wissenschaftlichen Methoden.

    einklappen einklappen