Idee geklaut?

29. Dezember 2017 18:57; Akt: 29.12.2017 18:57 Print

Aufregung um die aktuelle Basler Fasnachts-Plakette

Die frisch enthüllte Fasnachts-Blaggedde sorgt bei Enrico Bernasconi für grosse Augen: Sie sieht seinem Entwurf einer Post-Blaggedde zum Verwechseln ähnlich. Der Künstler fühlt sich bestohlen.

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Mit viel Pomp und Freude hat das Fasnachts-Comité am Donnerstag die Blaggedde für die kommende Basler Fasnacht der Öffentlichkeit präsentiert: Ihr Sujet ist das Poststellensterben, das Motto lautet passenderweise «D Boscht goot ab». Idee und Design des aktuellen Schmuckstücks stammen von der Künstlerin Clelia Zoller.

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Enrico Bernasconi kann es nicht fassen. Seine Kreation wurde vom Fasnachts-Comité schon früh aussortiert, die Sache war für ihn gegessen. Doch als er gestern die nagelneue Blaggedde zu Gesicht bekam, traute er seinen Augen nicht. Sujet und Design von Zollers Blaggedde sind fast identisch zu seinem Entwurf. Auch Bernasconi hatte beim Comité eine Zeichnung eingereicht, die Fasnächtler in einem Briefkuvert samt Stempel zeigt (siehe Bildstrecke). Kann das Zufall sein?

«Ein absoluter Zufall»

«Ich weiss, jedes Jahr kommt einer, der behauptet, sein Entwurf sei geklaut worden», sagt Bernasconi zu 20 Minuten. «Aber dieses Jahr finde ich es schon krass.» Der Künstler aus Hofstetten SO fühlt sich betrogen. Das Fasnachts-Comité bestätigt auf Anfrage den Eingang von Bernasconis Entwurf im vergangenen August. Und Blaggedde-Chef Adrian Kunz erklärt: «Es ist ein absoluter Zufall.»

Bernasconi wirft der Siegerin Zoller nichts vor. Sie habe seine Idee sicher nicht geklaut, das sei unmöglich. Er hat vielmehr das Fasnachts-Comité im Visier: Dieses könnte sich während des Auswahlverfahrens bei seiner Idee bedient haben, so seine Vermutung. «Es ist ja nicht nur der Entwurf, sondern auch noch das Sujet», erklärt Bernasconi.

Denn wie es der Zufall so will, trägt die Siegerblaggedde auch noch dasselbe Motto wie Bernasconis Version: «D Boscht goot ab» schwebte auch ihm als passender Slogan fürs Poststellensterben vor. Die Idee sei ihm nach 2012 zum zweiten Mal eingefallen. Damals habe die Fasnacht in Hoftstetten dieses Thema ebenfalls aufgegriffen, Bernasconi hatte da laut eigener Aussage genau jenes Motto beigesteuert. Denn er gestalte seit mehreren Jahren die Plakette der dortigen Fasnacht.

Auswahl nach Künstler?

Der Künstler bezweifelt, dass beim Auswahlverfahren der Blaggedde durchs Fasnachts-Comité alles mit rechten Dingen zu- und hergeht. «Ich glaube nicht, dass das Comité den Entwurf und das Sujet aussucht, ohne zu wissen, wer der Künstler oder die Künstlerin ist.» Er vermutet, dass bei ähnlichen Entwürfen nach dem Künstler und nicht nach dem Entwurf entschieden wird. Zudem wirft Bernasconi dem Comité vor, «Ideen zusammenzutragen und neu zu erarbeiten».

Ist die Blaggedde-Auswahl also ein abgekartetes Spiel? «Überhaupt nicht», entgegnet Kunz. Sämtliche eingegangenen Entwürfe für Blaggedden würden vom Sekretariat anonymisiert und mit Nummern versehen, damit die Jury die Entwürfe keinen Personen zuordnen könne. In einem mehrstufigen Verfahren werde dann der Sieger auserkoren. «Es wird kein Lobbying betrieben», so Kunz.

Nicht zum ersten Mal ein Zufall

Den aussergewöhnlichen Zufall erklärt sich Kunz damit, dass das Thema Post den Künstlern keine grosse Auswahl an Motiven liefere: «Ein Päckli, Briefmarke oder ein Couvert ...» Zollers Entwurf gefiel besser, die grafische Qualität von Bernasconis Idee genügte den Ansprüchen des Comités nicht.

Die Blaggedde-Doublette ist übrigens nicht die erste in der langen Geschichte der Basler Fasnacht. Bereits 2011 seien zwei Entwürfe für eine Puzzle-Blaggedde eingegangen, erinnert man sich beim Comité.

(daf/lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Carol Von Büren am 29.12.2017 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll denn das?

    Herr Bernasconi, das ist wie beim Eurovision Contest!!!! Ich verstehe Ihren Unmut.

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  • Fant von der Insel am 29.12.2017 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dicke Post!

    Lieber Herr Bernasconi - ich verstehe Ihren Unmut sehr gut! Von wegen anonym - das kann glauben, wer die Hose mit der Zange anzieht! Ich hoffe, dass Sie wenigstens wieder die Blagedde von Hofstetten entwerfen dürfen. Bonne Chance!

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  • Maria Burgin am 29.12.2017 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht schön...

    So eine Kopie!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rino Solari am 04.01.2018 16:23 Report Diesen Beitrag melden

    Beide Versionen zeigen

    wie soll sowas beurteilt werden, wenn nur 1 Version gezeigt wird?

  • René am 04.01.2018 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Also...

    ...dass der Sujetnamen derselbe ist, ist überhaupt nicht ungewöhnlich. Ich war an der Vernissage und als Kunz vor dem Enthüllen erwähnt hat, dass das diesjährige Thema mit dem Poststerben zu tun hat, schoss mir "d Boscht goot ab." ebenfalls durch den Kopf.

  • Raymond F. am 31.12.2017 22:59 Report Diesen Beitrag melden

    Die bessere Lösung hat gewonnen

    Zollers Lösung ist plakativer und für eine "starke" Blagette einfach besser geeignet. Bernasconi muss noch lernen, dass gerade in der Kunst auch das Scheitern immer auch ein Gewinn sein kann.

  • nico basler am 31.12.2017 10:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zum gähnen

    alle jahre wieder. irgendein künstler fühlt sich immer "betrogen". zum gähnen.

  • freddy am 30.12.2017 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kopie

    ganz klar eine kopie...sieht doch jeder blinder

    • Rino Solari am 04.01.2018 16:20 Report Diesen Beitrag melden

      woher die Gewissheit?

      wo ist die Version von Bernasconi zu sehen? sonst kann man ja nicht beurteilen, ob sie mindestens ähnlich sind

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