Animierte Werbeanzeige

08. Juni 2018 05:43; Akt: 08.06.2018 05:43 Print

«Wir werden in Zukunft strenger sein»

In den letzten Tagen wurde in Basel Kritik an animierten Werbetafeln am Strassenrand laut. Jetzt räumt das Tiefbauamt ein, man sei zu «grosszügig» gewesen.

Wie gefährlich sind animierte Werbetafeln für die Verkehrsteilnehmer? (Video: daf)
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Auf über 9 Millionen Franken jährlich hat der Kanton seine Einnahmen verdreifacht – Grund dafür sei unter anderem die neue Konzessionsvergabe für Aussenwerbung, nach der auch animierte Werbespots am Strassenrand erlaubt sind. Der Kanton verdiene sich eine goldene Nase auf Kosten der Sicherheit, titelte die «bz Basel».

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Die neuen Werbesäulen am Strassenrand zeigen teilweise Spots, welche die ganze Bildschirmfläche einnehmen. Um die Verkehrsteilnehmer nicht zu sehr abzulenken, dürfen solche Spots gemäss den Bestimmungen jedoch nur ein Fünftel des Bildschirms einnehmen.

«Vielleicht waren wir in dem Fall zu grosszügig»

«Generell gilt die Regel, dass nur 20 Prozent der Fläche animiert sein dürfen. Keinesfalls darf der Eindruck eines grossflächigen Films entstehen», erklärt André Frauchiger, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements, auf Anfrage von 20 Minuten. Der Werbespot einer Fastfood-Kette fiel bei der Betrachtung der neuen Säulen besonders auf, da die Animation die gesamte Fläche einnahm. Diese Anzeige sei «zugegebenermassen nicht ganz okay», sie bleibe jedoch trotzdem, da sie bereits bewilligt wurde, so Frauchiger weiter.

Die 20-Prozent-Regelung sei eine «Richtschnur», an die man sich in Zukunft halten wolle und die in diesem Fall «sehr weit interpretiert» wurde. «Vielleicht waren wir in dem Fall zu grosszügig. Wir werden in Zukunft strenger sein», so Frauchiger über die Handhabung bei zukünftigen Bewilligungen.

Medienunternehmen weist Verantwortung von sich

Das Medienunternehmen Clear Channel, das elf der umstrittenen digitalen Werbeflächen in Basel betreibt, sei sich seiner Verantwortung durchaus bewusst, schreibt Sprecherin Ursulina Stecher in einer Stellungnahme. «Wir sind mit solchen Themen konfrontiert, aber unsere Aufgabe ist es nicht, Vorschriften zu machen», so Stecher.

Des Weiteren würden sie den Vorsatz des Kantons Basel-Stadt, seine Richtlinien zu überdenken, begrüssen: «Je kleiner der Interpretationsspielraum ist, umso verlässlicher können wir unsere Kunden bedienen», schreibt Stecher weiter.

BFU rät von animierter Werbung am Strassenrand ab

Nicolas Kessler, Sprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung, rät strikt von animierter Werbung am Strassenrand ab. «Es ist erwiesen, dass schon einfache Werbeplakate ablenken und es ist ganz klar, dass der Lenker auf eine Animation länger schaut», sagte Kessler gegenüber der «bz Basel».

Frauchiger betont, dass diese Art der Werbung in anderen europäischen Ländern normal sei, so zum Beispiel im Nachbarland Frankreich. Ob die Werbung Verkehrsteilnehmer ablenke und somit eine Gefährdung für die Sicherheit im Strassenverkehr sei, sei laut Frauchiger sehr individuell.

«Man muss sich daran gewöhnen, das ist die Zukunft»

Marcio Dios (38), Mitarbeiter der Heilsarmee Gundeli, findet die neue Werbung schön. «Schauen Sie mal New York an. Man muss sich daran gewöhnen, das ist die Zukunft. Ich finde solche Werbeanzeigen nicht bedenklicher als jede andere Art von Werbung am Strassenrand», sagte er bei einer Strassenumfrage von 20 Minuten.

Nina Graf (20), Psychologiestudentin aus Solothurn, hat sich im Studium schon mit Werbeanzeigen beschäftigt. «Es ist erwiesen, dass sie die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das ist der Sinn davon», erklärt sie. Animationen haben ihrer Meinung nach nichts im Strassenverkehr verloren, da diese noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen würden.

Das sagen Verkehrsteilnehmer zu animierten Werbeanzeigen

(lb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heidi Heidnisch am 08.06.2018 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Werbung ist geistige Umweltverschmutzung und sollte in der heutigen Art verboten werden.

    einklappen einklappen
  • Anakena am 08.06.2018 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu grosszügig?

    Zu geldgierig wäre wohl treffender.

  • Bär14 am 08.06.2018 06:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit und Geld stinken nicht!!

    Hier gehts wie so oft ums Geld!! Wo sind die Sicherheitsexperten die da etwas unternehmen, nirgends!! die das anbringen von Plakaten jeglicher Arten Werbung Wahlplakaten etc. an Strassenpfosten, Strassenkreuzungen etc verbieten möchten? Geld stinkt auch bei der Sicherheit nicht!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nobody am 09.06.2018 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder besseren Wissens

    Habe mal gehört, dass der Mensch nur 3 Gegenstände in kurzer Zeit verarbeiten kann. Zum Beispiel: Person am Strassenrand, Verkehrstafel, Werbetafel; das Kind, welches auf die Strasse rennt, sieht man nicht. Es war halt der 4 Gegenstand, der das Hirn nicht verarbeiten konnte.

  • Maler50 am 09.06.2018 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich

    Eigentlich sollte doch jede mögliche Ablenkung des Verkehrsteilnehmers vermeiden werden,aber steckt die Wirtschaft dahinter wird dieser Grundsatz einfach beiseite geschoben,ach ja auch in der Politik gilt dies auch. Ich denke jedesmal dies wenn Wahlen anstehen.Da werden alle 10 Meter an der Strasse Politikerposter aufgehängt, unsäglich!

  • Max Schlommski am 08.06.2018 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gekaufte Sicherheit

    Aber die Kassen mit Natelverbot am Steuer füllen, ersatzweise ist es sicherer sich mit Werbung ab zu lenken. Irgendwie liest sich das ganze wie ein Schildbürgerstreich. Dabei wird schon überlegt ob das Rauchen im Auto nicht auch zuviel ablenken würde? Es braucht wohl nur genug Geld um Sicherheitsbedenken ad absurdum zu führen. Bleibt abzuwarten wann der erste Verkehrslenker vor Gericht die Werbetafeln als Entschuldigung für ein Menschenleben vorgibt.

  • obey am 08.06.2018 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Orte klagen über Kameras

    In Basel feiert gerade ein Bildschirm-Lieferant Wirtschaftswunder.

  • Sebi am 08.06.2018 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Animierte Werbung in der Öffentlichkeit

    Wieder etwas was die Welt nicht braucht