Stadtentwicklung

17. August 2016 16:59; Akt: 17.08.2016 18:13 Print

Basel benötigt dringend mehr Wohnraum

Junge zieht es wieder in die Stadt und sie bleiben dort. Jedoch: Werden nicht mindestens 400 neue Wohnungen pro Jahr gebaut, trocknet der Wohnungsmarkt aus.

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Basel geht es blendend, findet Stadtentwickler Thomas Kessler. Er spricht sogar von einer «Idealsituation», die man in Basel zurzeit vorfinde. Die Bevölkerung wächst moderat, aber kontinuierlich und der Flächenbedarf der neuen Stadtbewohner steigt nicht mehr. Und vor allem: Die Leerstandquote steigt wieder. In Basel wurden letztes Jahr gegen 800 zusätzliche Wohnungen für 860 neue Bewohner gebaut.

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Die Leerstandquote erhöhte sich das zweite Jahr in Folge und liegt aktuell bei 0,4 Prozent. Um diese Quote zu halten, braucht es jährlich mindestens 400 neue Wohnungen. Erfreulich: die Mieten stiegen in den letzten Jahren nur moderat um 1 bis 1,2 Prozent pro Jahr. 40 Prozent der Wohnungen in Basel kosten weniger als 1000 Franken. «Wir haben die tiefsten Mietpreise unter den grossen Schweizer Städten», sagt Kessler.

Das tiefe Mietzinsniveau ist für die zukünftige Entwicklung zentral. «Studenten und Berufsanfänger sind unsere Hauptzielgruppe», sagt Kessler. Junge Menschen sollen also in die Stadt gelockt werden. Und sie sollen dort möglichst lange bleiben.

Aktuelle Zahlen zum Basler Wohnungsmarkt
Die wichtigsten Eckdaten zur Entwicklung des Basler Wohnungsmarkts.

Familienfreundlichkeit ist Trumpf

Der Urbanisierungstrend hält nun bereits zehn Jahre an und Basel erntet die ersten Früchte. Auch die Kinderzahlen steigen wieder. «Das schlägt in der Schulraumplanung voll durch», so Kessler. Familienfreundlicher und preiswerter Wohnraum mit nahen Schulen, sauberen Spielplätzen und sicheren Schulwegen tun daher Not. Das sind die eigentlich harten Faktoren. «Bei einem Umzug entscheidet die Frau.» Familienfreundlichkeit sei darum am wichtigsten, weiss Kessler.

In mehreren Quartieren haben Genossenschaften grössere Projekte in petto. Alleine beim ehemaligen Felix-Platter-Spital sind 500 und auf der Erlenmatt 300 genossenschaftliche Wohnungen geplant. Überhaupt: Basel steht unter Druck, immer mehr Wohnraum zu bauen. Bis 2035 sollen bis zu 30'000 neue Arbeitsplätze in Basel entstehen. Und wer in der Stadt arbeitet, soll möglichst auch dort wohnen. Die Regierung rechnet mit 20'000 zusätzlichen Einwohnern.

Es muss also weiter verdichtet werden. Das Potenzial muss optimal genutzt werden, sagt Kessler. Vor allem auch, um die Landschaft zu entlasten. «Jede nicht gebaute Wohnung in Basel führt zu einem höheren Landverbrauch im Umland.»

Die leise Stadt duldet keinen Lärm

Das Wachstum der Wohnbevölkerung führt indes auch zu neuen Konflikten. Das Ruhebedürfnis steigt. Ein Beispiel dafür sind die Strassenreinigungsfahrzeuge, die nach Reklamationen nun elektrifiziert und damit leise gemacht werden. Das Gewerbe fürchtet, immer mehr verdrängt zu werden, und opponiert etwa gegen die Umnutzung des Lysbüchel-Areals nördlich des Voltaplatzes.

«Das ist ein Trend, der in ganz Europa zu beobachten ist», erzählt Kessler. Steht das nicht im Widerspruch zu den Bemühungen, die Stadt zu beleben? «Nein», glaubt er. Am belebten Rheinufer funktioniere das weitgehend. Kessler nennt das «kulturelle Reife». Ganz ohne Konflikte geht es dennoch nicht. Die Belebung der Rheingasse und der Wunsch nach mehr Leben auf dem Boulevard passt nicht allen Anwohnern.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max Brown am 17.08.2016 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Basel braucht keinen...

    ...neuen Wohnraum, sondern die Erde braucht dringend weniger Menschen!

    einklappen einklappen
  • Denise am 17.08.2016 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    So so

    Ach ne, jetzt sind die Jungen schuld, wird ja immer besser. Ich dachte die Schweizer stehen kurz vor dem Aussterben!

    einklappen einklappen
  • Lauterbach am 17.08.2016 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    Kessler erhält Unsinn

    Kessler sagt nicht die Wahrheit. Er lässt weg, dass selbst Normalverdiener kaum eine Wohnung auf dem Basler """Markt""" für freie Mietwohnungen finden. Wenn doch einmal eine Wohnung etwas wäre, die besichtigt wird, melden sich zu viele Leute. Eine Wohnung auf dem """freien""" """Markt""" finden ist (praktisch) unmöglich. Nur das Ende der positiven Nettozuwanderung und eine Erhöhung der Baulandmenge in Basel und seiner Peripherie können helfen. Das Bauland darf natürlich nicht von Spekulanten gehortert werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nobody am 23.08.2016 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Alles eine Frage des Geldes

    Wenn man einen Lohn hat wie der Herr Kessler ist Wohnraum kein Problem. Es hat freie Wohnungen, die sind aber nur für die besser Verdienden.

  • R.Crusoe am 21.08.2016 23:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wohnungsnotstand

    Mehr Wohnraum ja, aber günstiger als das was angeboten wird.

  • Gerd Müller am 18.08.2016 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Subventioniertes Wohnen

    Solange Asozis auf Staates Kosten logiert werden, wird das Spiel weitergehen. Eine künstlich erzeugte Nachfrage hilft nur Spekulanten und Herrn Kessler und seinen Kumpels. Die Kosten trägt der Mittelstand.

  • Peter am 18.08.2016 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Eine starke Regierung ist gefragt

    Die Völkerwanderung überschwemmt uns..Wir brauchen weniger Menschen in unserem kleinen Land.So werden wir ruiniert von unseren Politikern.Allen voran:Frau Somaruga.

  • tinu am 18.08.2016 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Wohnungen

    ...ja für wen denn?