Frau am Steuerknüppel

08. März 2018 05:47; Akt: 08.03.2018 09:44 Print

«Mütter, schickt eure Töchter ins Cockpit»

Nur vier Prozent aller Piloten weltweit sind weiblich. Julia Bostel fliegt ab Basel und ist eine von nur 11 Pilotinnen bei Easyjet Schweiz. Sie möchte mehr Frauen fürs Cockpit gewinnen.

Easyjet-Pilotin Julia Bostel setzt sich ein für mehr weibliches Personal im Cockpit. (Video: 20 Minuten)
Zum Thema
Fehler gesehen?

«Ach, musst du Pilotin werden? Sowas Spektakuläres», war die Reaktion ihrer Mutter, als Julia Bostel ihren Berufswunsch offenbarte. Denn die Fliegerei ist nach wie vor fest in Männerhand: Nur vier Prozent aller Piloten weltweit sind weiblich. Bostel sitzt seit über vier Jahren für Easyjet im Cockpit. Die 38-jährige ist eine von elf Easyjet-Pilotinnen in der Schweiz. Bei der Airline liegt der Frauenanteil bei sechs Prozent und der soll kräftig steigen.

Umfrage
Haben Sie sich bei der Berufswahl von Gender-Stereotypen beeinflussen lassen?

Im Rahmen ihrer Amy-Johnson-Initiative hat es sich die Airline zum Ziel gesetzt, diese Quote bei den neu eintretenden Piloten bis 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen. Wie begeistert man Frauen für eine Männerdomäne?

Bei Julia Bostel war es die Familie. Ihr Onkel, ein Privatpilot, inspirierte sie. Trotzdem begann sie zunächst, in einer Werbeagentur zu arbeiten. Nur ein Jahr später wechselte sie dann von der kreativen in die fliegende Branche. Als schwer würde sie die Aubildung nicht unbedingt bezeichnen, zumindest sei sie «nicht schwerer als ein Studium», sagt Bostel. «Ein gutes Verständnis für Zahlen und Interesse an gewissen technischen Komponenten sollte man aber schon mitbringen.»

Mädchen kommen fast nie ins Cockpit

«99 Prozent der Kinder, die uns im Cockpit besuchen, sind Jungen. Mütter haben da immer noch Bedenken, dass der Pilotenberuf ihre Tochter interessieren könnte. Das finde ich schade. So vermittelt man den Mädchen direkt, dass sie gar nicht ins Cockpit gehören», erklärt Bostel.

Eine aktuelle Studie von Easyjet zeigt, dass die meisten Männer schon als kleine Buben den Wunsch verspüren, Pilot zu werden. Das hänge vor allem mit den Rollenvorbildern aus der Kindheit, der genderspezifischen Erziehung, Film und Fernsehen und der Werbung zusammen.

Roger Federer flog schon mit ihr

Mit solchen Stereotypen wird auch Bostel regelmässig konfrontiert. Immer wieder passiere es ihr, dass die Leute sie für eine Stewardess halten. Auch ihre 98-jährige Oma denkt bis heute, dass ihre Enkelin als Flugbelgleiterin arbeitet: «Sie leidet zwar etwas an Altersdemenz, aber eine Frau im Cockpit, das passt eben einfach nicht in ihre Welt», lacht Bostel.

Bevor sie beim orangen Budget-Flieger anheuerte, arbeitete sie unter anderem für private Business-Airlines und den ADAC. Sie flog bereits Superstars wie Roger Federer, Richard Gere und Shakira um die Welt.

Notsituation über London

Angst vor brenzligen Situation hat Bostel nicht. Als Pilot werde man alle möglichen Notsituation geschult. Eine solche erlebte sie in ihrer Zeit als Privatpilotin auf einem Flug über Grossbritannien, als die Windschutzscheibe wegen eines technischen Defekts bei der Scheibenheizung plötzlich zu brennen anfing: «Wir haben dann Mayday gefunkt und daraufhin sofort Priorität im Himmel bekommen», erinnert sich Bostel. In London seien sie dann schnell und sicher notgelandet.

"Mütter, schickt eure Töchter ins Cockpit"

(sis)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Denkpause am 08.03.2018 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte ...

    ... das Baugewerbe, Müllabfuhr etc. nicht vergessen.

  • Mike Zac am 08.03.2018 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur wenige Frauen arbeiten auf dem Bau

    sofort Frauenquoten von 50% einführen. Darunter geht nichts. Oder die Stellen bleiben leer. Lg Ironie.

    einklappen einklappen
  • Noquote am 08.03.2018 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und das im cockpit..

    Ob gut oder nicht gut.. hauptsache man erreicht quote.. Ich kenne es zu gut..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Casile am 08.03.2018 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein bitte nicht!

    Warum? Es gibt jetzt schon tausendmal Arbeitslose Piloten/innen da braucht es nicht noch mehr. Und sie sind nicht nur arbeitslos sondern auch hoch verschuldet. Es ist also ein blödes Beispiel. Aber gern mehr Frauen an die Arbeitsplätze die sie wollen.

  • t.t. am 08.03.2018 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Keine schwere Arbeit bitte!

    Wieso wollen Feministinen Frauenquoten nur an solchen Arbeitsplätzen einführen, an denen es sich angenehm arbeiten lässt? Ich habe noch nie eine Feministin für eine Frauenquote auf dem Bau oder anderen Handwerklichen Berufen einstehen sehen.

  • B.S. am 08.03.2018 11:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wehrpflicht

    Ich bin für die absolute Gleichberechtigung von Frauen im Beruf. Dazz gehört für mich auch die Wehrpflicht. Diese betrifft nur Männer

  • Toni S. am 08.03.2018 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Blödsinn, Mütter brauchen ihren Töchtern nicht zu sagen, was sie einmal werden sollen. Mütter sollen ihre Töchter in ihrer eigenen Berufswahl unterstützen und fördern.

  • Z Heidi von der Alm am 08.03.2018 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    # me too

    Allen Queten zum trotz! Ihr Frauen lasst euch,eure träume NICHT nehmen.Bis jetzt haben es Frauen in der Geschäftsleitung über Militärpilotinen bis zu einem Staatsoberhaupt geschafft.