Tierquälereivorwürfe

13. Februar 2018 08:02; Akt: 13.02.2018 09:19 Print

Pferde werden im Stall mit Fasnachtsmusik beschallt

Tierschützer wollen Chaisen an der Basler Fasnacht verbieten. Fuhrhalter Daniel Würgler hält dies für übertrieben und zeigt, wie seine Pferde auf die drey scheenschte Dääg vorbereitet werden.

Die Chaisen-Pferde werden gut für die Fasnacht vorbereitet. (Video: 20min/las)
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Ist der Fasnachts-Tumult der richtige Ort für Pferde? Basler Tierschützer sagen nein. Für die «sensiblen Fluchttiere» sei der Cortège zu stressig, so das Argument. Tatsächlich gab es am Montag einen Zwischenfall mit einer Kutsche am Kölner Karneval. Das Gespann raste in eine Menschenmenge deutsche Tagesschau spricht von drei Verletzten. Der Basler Tierschützer und Chaisen-Gegner Olivier Bieli reagierte sogleich mit einem offenen Brief an das Comité und verlangte eindringlich, den Einsatz von Pferdekutschen am Cortège zu untersagen.

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Sollen Chaisen an der Fasnacht verboten werden?

Davon will Daniel Würgler (58) nichts wissen. Der Fuhrhalter vom Fahrstall Leymen fährt seit bald 40 Jahren mit seinen Pferden an die Basler Fasnacht. «Wenn Tier und Kutscher richtig ausgebildet sind, ist das Risiko, dass etwas passiert, minimal», sagt er. Dass man die Tiere nicht zu hundert Prozent kontrollieren könne, sei klar. Die Gefahr sei aber nicht grösser als beim Autofahren. «Auf der Strasse passieren ständig vermeidbare Unfälle. Verboten werden Autos trotzdem nicht», so Würgler.

Nicht alle Tiere sind geeignet

«Natürlich schicken wir nicht irgendwelche Tiere an die Fasnacht», hält Würgler fest. Pferde seien wie Menschen unterschiedlich und ebenso nicht alle dafür geeignet. «Von den 16 Tieren in unserem Stall traue ich es nur fünf zu», sagt er. Davon werden dieses Jahr zwei am Basler Cortège zu sehen sein: Der 23-jährige Generale Cassa und der 19-jährige Lancelot. «Beides Routiniers, die sich nicht aus der Ruhe bringen lassen», versichert Würgler.

Nach einer mehrjährigen Ausbildung seien die Tiere völlig sicher im Verkehr. Ein entsprechend trainierter Kutscher könne sie sicher mit Stimme und Leine dirigieren. Während einem kurzen Ausflug mit dem Zweispanner demonstriert Würgler das Verhalten seiner Pferde. Tatsächlich lassen sie sich auf der Landstrasse nicht von Autos, die mit 90 Kilometern pro Stunde an ihnen vorbeirasen, beunruhigen. Und auch auf engem Raum manövrieren sie souverän.

«Pferde sind Herdentiere. Der Mensch muss sie verstehen und als Alpha-Tier akzeptiert werden. Das erfordert eine kontinuierliche und konsequente Ausbildung», erklärt Würgler. Er fände es Schade, wenn die Tradition der Chaisen durch ein Verbot beendet würde.

Pferde schützen und an die Regeln halten

Die Tiere werden im Stall zur Einstimmung auf die «drey scheenschte Dääg» mit Fasnachtsmärschen beschallt. Für die erfahrenen Pferde sei dies laut Würgler kein Problem. Für die Fahrten bekommen sie extra Ohrenstöpsel. Von Vorwürfen der Tierquälerei will er nichts wissen: «Das Schäumen am Mund ist keine Stressreaktion. Im Gegenteil: Es zeigt, dass das Tier zufrieden ist», erklärt er.

Für Würgler ist es vor allem wichtig, dass die Zuschauer den nötigen Respekt vor den Tieren zeigen. «Wenn eine Mutter ihr Kind unter das Pferd drängt, damit es Süsses auflesen kann, läuft es mir eiskalt den Rücken herunter», sagt er. Er appelliert an die Menschen, die Kutscher zu fragen, ob sie an das Tier heran dürfen und sich nur von vorne zu nähern.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sulejka am 13.02.2018 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pferde an Cortège

    Herr Oliver Bieli vergleicht unsere Pferdehaltung mit jener aus Köln, doch unsere Fuhrhalter hier in der Schweiz sind da bestens vorbereitet. Wenn das Tierquälerei wäre müsste man z.B. die Elger Bereitermusik oder die berittenen Musiken in Bern und Solothurn auch verbieten.Es sollten sich jene die keine Pferde besitzen und keine Kenntnisse haben von Pferden sich nicht einmischen und sich an der Cortège so verhalten dass sie das Pferd nicht stören oder gar Knallkörper vor den Tieren zünden, von diesen haben nicht nur Pferde auch andere Tiere Angst.

  • Herr Masugez am 13.02.2018 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ok

    warum immer tiere bei lauten veranstaltungen benötigt werden ist mir schleierhaft. kein tier würde freiwillig an einen lauten platz gehen. dies ist gegen ihre natur. und bestimmt auch gegen ihren willen und stress für die.

  • Donna M. am 13.02.2018 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierschutz

    Die Tierschützer sollen sich um die armen Tiere kümmern, welche wirklich Hilfe bedürfen. Siehe jene Schildkröten die kürzlich das Thema waren hier.

Die neusten Leser-Kommentare

  • ShaBijan am 13.02.2018 14:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    andere Pferde

    Polizei Pferde? Gegen diese habt ihr auch was die armen werden ja auch so Demos eingesetzt oder bei anderen Tumulten

  • Seppl am 13.02.2018 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betüddeln ohne Ende

    Was fällt diesen Hobby-Tierschützern ein Fasnachtspferde so zu bevormunden. Die können das sicher aushalten, sind ja nicht aus Zucker und es sind ja nur ein paar Stunden pro Jahr. Gewitter sind auch laut aber die Pferde überstehen sie...

    • Kd50 am 13.02.2018 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Seppl

      Lieber seppl, Tiere werden nicht bevormundet, sie sind auch nicht aus Watte aber wenn Tiere reden könnten, würden sie ganz sicher über deinen Kommentar ihre Mähne schütteln. Kein einziges Tier mag Lärm. Unfschpn garnicht über längere Zeit.

    einklappen einklappen
  • ShaBijan am 13.02.2018 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wo ist jetzt die Logik? das ist Ansichtssache

    ist Tradition und gehört zu Fasnacht, ist kein Tierquälerei. baut lieber weniger Skilift in den Bergen denn das ist Tierquälerei.

  • Thor mjoelnier am 13.02.2018 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und täglich güsst das murmeltier

    Liebe tierschützer, Schützt euch vor euch selber.

  • Ste Jae am 13.02.2018 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oje

    Die armen Tiere :(. Nacher sind diese bestimmt Gehörgeschädigt