«Der Horror»

14. Februar 2018 05:40; Akt: 14.02.2018 05:40 Print

Chauffeure ekeln sich vor den eigenen Trams

von David Frische - Die Chauffeure der Basler Verkehrs-Betriebe beschweren sich über schmutzige Trams. Die Scheiben und Rückspiegel seien manchmal so dreckig, dass die Fahrt nicht mehr sicher sei.

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«Dass s'Drämmli immer suuber wär, wünscht sich unsere BVBär.» Mit diesem Spruch und dem eigenen Bären-Maskottchen appellierten die BVB jahrelang an ihre Fahrgäste, die Trams und Busse sauber zu halten. Der BVBär wurde Kult. Auch gilt seit eh und je ein Ess- und Trinkverbot in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

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Selbst scheinen es die BVB aber mit der Sauberkeit nicht so genau zu nehmen. Angestellte, allen voran Chauffeure, beklagten sich in den letzten Tagen auf Social Media über schmutzige Trams. Insbesondere zwei der wichtigsten Teile würden nicht sauber geputzt: Frontscheibe und Rückspiegel. Ein User hat Fotos von verschmierten Rückspiegeln auf Facebook gepostet: «Manchmal frage ich mich schon, ob sich die Putzequipe einen Lappen für alle Trams teilen muss», schreibt er dazu.

«Jedes Kamel würde es besser machen»

«Letztens hatte ich während eines Diensts zwei Flexity (Tram-Modell der BVB) und bei beiden waren die Innenscheiben genauso verschmiert wie die Aussenspiegel. Das ist der Horror, wenn die Sonne rein scheint», berichtet ein Chauffeur. Ein Anderer beschreibt die Frontscheibe bei Sonneneinstrahlung gar als «Nebelwand». Und das knappe, aber vernichtende Urteil eines dritten Kommentierenden über die Putzarbeit bei den BVB lautet: «Jedes Kamel würde es besser machen».

Die mangelnde Sicht beeinträchtigt nach Einschätzung von Chauffeuren auch die Fahrsicherheit. Man sehe teils fast nichts. Ein Fahrer berichtet, dass er Innen- und Aussenscheibe des Trams bei der Endstation auch schon mit Wasser geputzt habe, um die Sicht zu verbessern.

Seit Oktober neue Putzfirma

Die Fahrzeuge der BVB werden von einer externen Firma gereinigt. Laut Chauffeuren wurde der Putzauftrag von den BVB schon mehrfach neu vergeben. Die BVB teilen auf Anfrage mit, dass man vergangenen Oktober erstmals nach vier Jahren die Reinigungsfirma gewechselt habe.

«Den Vorwurf einer schlecht verrichteten Arbeit können wir nicht nachvollziehen», teilt die BVB-Medienstelle auf Anfrage mit. Die Sauberkeit der Fahrzeuge für die Fahrgäste und das Personal habe «sehr hohe Priorität». Zudem überprüfe man die Reinigungsqualität laufend und verbessere sie, wenn nötig.

Allerdings wird nicht in Abrede gestellt, dass es zu Reklamationen gekommen ist. «Die Fahrdienst-Mitarbeitenden haben intern verschiedene Möglichkeiten, allfällige Mängel zur Sauberkeit zu melden. Davon wird auch Gebrauch gemacht.» Und sie ziehen ihr Personal auch in die Verantwortung: Wichtig für die Sicherstellung der Qualität sei vor allem, dass die Mitarbeitenden Mängel zeitnah und konsequent meldeten.

Ex-Chauffeure als Putzkräfte?

Die betroffenen Tramführer haben eine eigene Lösung parat, wie die Drämmli sauberer werden könnten: Ehemalige Chauffeure als Putzkräfte anstellen. «Das Resultat: Glückliche Leute, die weiter beschäftigt sind und blitzsaubere Fahrzeuge», glaubt eine BVB-Mitarbeiterin. Andere ÖV-Unternehmen würden dies bereits so handhaben.

Tatsächlich haben auch die BVB diese Option in Erwägung gezogen. «Sie musste jedoch aus verschiedenen Gründen, vor allem der Planbarkeit, verworfen werden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • onixox am 14.02.2018 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    externe firma

    genau das gleiche hatten wir in unserer firma auch. die reinigungsmannschaft hat hungerlöhne erhalten und sehr knappe reinigungszeiten als vorgabe. da wird dann nur husch husch gereinigt und weggelassen was nicht dreckig ist obwohl die vorgaben klar waren. billig muss es sein!

  • Kein BVB-Kunde am 14.02.2018 06:32 Report Diesen Beitrag melden

    Und bei jeder Ausschreibung wurde

    wohl erwartet, dass die Angebote noch etwas tiefer liegen als zuvor. Irgendwo muss schliesslich das Geld wieder reingeholt bzw. eingespart werden, das nach Frankreich abfliesst.

    einklappen einklappen
  • Khun Hans am 14.02.2018 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Outsourcing an den Billigsten

    Das Resultat sieht man, nichts gegen da Outsourcing generell, aber die Kosten dürfen nicht das einzige Kriterium sein! Sauberkeit und Sicherheit gehen vor! Kein Unfall wegen Geiz ist geil Managern!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ken-Guru am 14.02.2018 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umstellung beim Streusalz

    Die vermehrt verschmierten Scheiben und Rückspiegel, kann man auch am eigenen Auto beobachten. Meiner Meinung nach hat dies im Winter stark zugenommen, seit man beim Strassenunterhalt statt Streusalz, neu die flüssige Salzsole verwendet!

  • Sulejka am 14.02.2018 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Putzequippen

    wie wäre es wenn man die Putzequipe besser bezahlen würde, dann könnte man auch mehr erwarten resp. fordern.

  • Mike Wunderlin am 14.02.2018 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aso... zu gut?

    Ach so, kann man denn Herren und Damen der BVB nicht zumuten, dass sie zumindest die Seitenspiegel selber reinigen? Die Polizisten/Polizistinen reinigen das Fahrzeug auch selber.

  • Jürä 1963 am 14.02.2018 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertriebene Sparmassnahmen

    Mit Verboten kommen andere in Verlockung. Nach dem Trink- und Ess-Verbot wird zu gross beim putzen gespart. Da gehen die Sparmassnahmen bei den ÖVs zu weit.

  • TheRealSchnauz am 14.02.2018 08:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBB

    Dort werden die Züge auch nur noch selten gereinigt. Vor 20 Jahren wahren diese noch sauberer.