Strafgericht BS

09. Januar 2018 18:35; Akt: 09.01.2018 18:35 Print

Mit Trick Diamanten für 340'000 Fr gestohlen

Ein professioneller Dieb soll an der Baselworld zwei Edelsteine entwendet haben. Er soll der chinesischen Juwelendieb-Bande Pink Panda angehören.

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Ein Mitglied der chinesischen Pink Pandas stahl an der Baselworld 2014 zwei Diamanten im Wert von über 300'000 Franken. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

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In Jeans, Lederjacke, einem Drachen-T-Shirt und Fussfesseln sass der angeklagte Chinese am Dienstagmorgen vor der Basler Richterin. Er wird beschuldigt, dem organisierten Verbrechen anzugehören und als Teil der chinesischen Juwelendieb-Bande Pink Panda mindestens zwei Mal nach Basel gereist zu sein. Das einzige Ziel seiner Reisen: der Raub von Diamanten.

Die Basler Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, 2014 an der Baselworld einen 5,53- und einen 11-karätigen Juwel gestohlen zu haben. Unter dem Vorwand, ernsthaft an einem Kauf interessiert zu sein, liess er sich die edlen Steine von einem Aussteller zeigen. Der 52-Jährige soll die Unaufmerksamkeit des Standpersonals genutzt haben, um das Diebesgut im Wert von 341'208 Franken in seine Tasche wandern zu lassen. Dabei wendete er einen Trick an: Damit das Fehlen der Edelsteine nicht augenblicklich auffiel, verwendete er ein kostengünstiges Fake, einen sogenannten Zirkoniastein, mit dem er den kleineren der Diamanten ersetzte.

«Ich brauche nichts zu erklären»

Gefasst wurde der Sohn eines Parteifunktionärs jedoch erst drei Jahre später, als er am 23. März 2017 erneut die Hallen der Baselworld betreten hatte. Er war in Begleitung von mehreren Personen, zwei davon trugen besagte Zirkoniasteine auf sich. Seither ist das mutmassliche Bandenmitglied in Untersuchungshaft.

Der Mann machte an der Verhandlung einen wenig motivierten Eindruck, sich zu den Vorwürfen zu äussern. «Ich brauche gar nichts zu erklären. Was soll ich jemandem erklären, der mir nichts nachweisen kann», sagte er während der Voruntersuchung.

Juwelenmessen auf der ganzen Welt nachgereist

In den Augen der Staatsanwaltschaft ist die Beweislage erdrückend. Der Chinese soll um die ganze Welt gejettet sein und jeweils in jenen Destinationen einen kurzen Halt eingelegt haben, wo Edelstein-Messen stattfanden; so landete er in Russland, Japan, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie in Frankreich und Italien. Auf seinem Handy konnten Kontakte in die Welt des professionellen Juwelen-Diebstahls nachgewiesen werden. Einige der Betreffenden stecken heute bereits hinter Gittern.

Auch auf internationalem Parkett sei der Mann kein unbeschriebenes Blatt: Laut Interpol ist er wegen Diebstahl vorbestraft. «Die Rolle in der Bande ist nicht geklärt, aber er scheint fallweise den Lead übernommen zu haben. Zumindest wurde er 2017 von seinen Kollegen als Leader wahrgenommen», fügt die Staatsanwältin an. Sie forderte, den Beschuldigten wegen gewerbsmässigen und bandenmässiger Diebstahl für vier Jahre zu verurteilen.

Rückreise nach China auf Staatskosten

Zerpflückt wurde die Anklage von der Verteidigerin aufgrund der fehlenden Beweislage. Niemand habe ihren Mandanten 2014 an der Baselworld beobachtet: Es gebe weder Videoaufnahmen, die ihn zeigen, noch wurde er bei der formellen Einvernahme mit dem Stand-Personal als Täter erkannt. Hinzu komme, dass auf dem Fake-Stein zwar eine DNA gefunden wurde, es handle sich jedoch nicht um diejenige ihres Mandanten.

Sie halte einen Freispruch für angemessen. Die Rückreise nach China sowie eine Haft-Entschädigung von rund 56'000 Franken soll der Staat tragen. Das Urteil folgt am Mittwochmorgen.

(jd)