Kunstskandal

09. Mai 2018 05:50; Akt: 09.05.2018 07:58 Print

Christie's versteigerte Nazi-Raubkunst

Das traditionsreiche britische Auktionshaus Christie's weigert sich, das NS-Raubkunst-Gemälde, das es vor neun Jahren einem Basler Kunsthändler verkaufte, zurückzunehmen.

Der Kunsthändler Alain Dreyfus wehrt sich gegen das britische Auktionshaus. (Video: 20 Minuten/sis)
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Bevor ein Kunsthändler ein Objekt kauft, erkundigt er sich bei offiziellen Stellen nach der Herkunft, um Hehlerware auszuschliessen. Ausnahmen macht man bei grossen, bekannten Händlern, wie zum Beispiel dem traditionsreichen britischen Christie's: «Ich bin davon ausgegangen, dass Christie's entsprechende Nachforschungen anstellt, bevor es Ware versteigert», sagt der Basler Kunsthändler Alain Dreyfus.

Der 71-Jährige ersteigerte im November 2008 in New York ein Gemälde des französischen Impressionisten Alfred Sisley mit dem Titel «Premier jour de printemps à Moret» von 1889, für damals 338'500 US Dollar. Nun stellte sich heraus, dass das Gemälde eigentlich der jüdisch-französischen Familie Lindenbaum gehört – es handelt sich also um NS-Raubkunst.

Mondex deckt Raub auf

Die Nationalsozialisten raubten das Bild im Jahr 1940; bis Kriegsende verblieb es in der Kunstsammlung von Reichsmarschall Hermann Göring. Das findet sich in der sogenannten Provenienz, also in der Herkunftsangabe zum Gemälde, die Christie's zum Zeitpunkt des Verkaufs angab, jedoch nicht. Laut Christie's war der Sisley 1923 im Besitz von M. Perdoux und wurde 1972 von Wildenstein et. Cie. in Paris gekauft. Für die Zeit dazwischen machte das Auktionshaus keine Angaben.

Vor zwei Jahren kontaktierte Mondex, eine Firma, die auf Raubkunst spezialisiert ist, Dreyfus, um ihn auf die Herkunft seines Gemäldes hinzuweisen. Der Kunsthändler forderte daraufhin das Restitution Department von Christie's in New York auf, das Bild zurückzunehmen. «Ich habe ihnen gesagt, dass das Bild gestohlen ist und ich mein Geld zurück möchte», sagt Dreyfus. Christie's zeigt sich zwar bereit, bei der Aufklärung der Sache zu helfen, zahlen wollen sie jedoch nicht.

«Polizisten standen vor meiner Tür»

Derweil hat Familie Lindenbaum sich an die französischen Behörden gewandt, die anordneten, das Gemälde sicherzustellen. Einem Rechtshilfeersuchen, das 20 Minuten vorliegt, hat die Basler Staatsanwaltschaft am 20. November 2017 stattgegeben. «Zwei Schweizer Polizisten standen mit einem Hausdurchsuchungsbeschluss vor meiner Tür und wollten das Gemälde mitnehmen», erzählt Dreyfus. Da es sich jedoch zu dem Zeitpunkt in einem Banksafe, durfte es dort auch verbleiben. Nur: «Verkaufen darf ich es nicht», so Dreyfus.

Auf Anfrage von 20 Minuten liess Christie's New York verlauten, dass man sich zu dem laufenden Verfahren, in dem mehrere Parteien involviert sind, nicht äussern möchte.

Dreyfus möchte Betreibung einleiten

Dreyfus fordert, dass Christie's das Bild zurücknimmt oder entsprechende Arrangements mit den Lindenbaums trifft, um das Bild für ihn freizustellen. Er hat dem Auktionshaus mittlerweile eine Rechnung über 750'000 Franken geschickt – denn soviel sei das Bild mittlerweile wert.

Zahlt das renommierte Auktionshaus innerhalb der Frist nicht, werde er eine Betreibung einleiten, was bedeutet, dass ein Gericht über den Fortlauf der Sache entscheiden wird.

(sis)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thom am 09.05.2018 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche beurteilung

    Tja.. sicherlich verstehe ich den Käufer das er Schadenersatz wil. Bei Diebesgut kann er aber bestimmt nicht den Mehrwert verlangen. Er kann nur was er bezahlt hat verlangen

  • RicBellini am 09.05.2018 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hehler-ei?

    Ist dies nun Hehlerei? Oder wird Christies geschützt weil sie es nicht wussten dass es Raubkunst ist. Raub beinhaltet das Wort stehlen. Wer gestohlene Ware weiter verkauft ist ein Hehler! Konsequenz: Nicht wissen schützt vor Strafe nicht.

  • Maler50 am 09.05.2018 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfach

    Christie's macht sich die Angelegenheit doch sehr einfach. Das Haus sollte das Geld dem Käufer zurück geben y es muss seine abläufe überprüfen/ändern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Maria Kräuter am 09.05.2018 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Merkwürdig

    Mittlerweile CHF 750'000.00 wert? Schon interessant das der Käufer auf den neuen Preis besteht.

  • Maler50 am 09.05.2018 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfach

    Christie's macht sich die Angelegenheit doch sehr einfach. Das Haus sollte das Geld dem Käufer zurück geben y es muss seine abläufe überprüfen/ändern.

  • Tobias Hünninger am 09.05.2018 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Furchtbares Benehmen

    Ein Kunsthändler, der sich nicht über die Herkunft eines Gemäldes informiert, bevor er es kauft. Ja klar. Und dann noch das Doppelte verlangen anstatt das Gemälde einfach mal zurückzugeben und dann den Verkaufspreis zurückzuverlangen. Sympathischer Zeitgenosse.

  • Alex Keller am 09.05.2018 06:54 Report Diesen Beitrag melden

    Eine komische Geschichte

    Eigentlich hätte Herr Dreyfus die Familie Lindenbaum informieren müssen, dass er im regen Kontakt mit dem Auktionshaus Christies ist und es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Somit wäre ein Rechtshilfeersuchen gegen Ihn gar nicht nötig, sondern man müsste eher Druck auf Christies ausüben. Der Fehler liegt klar bei denen.

  • RicBellini am 09.05.2018 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hehler-ei?

    Ist dies nun Hehlerei? Oder wird Christies geschützt weil sie es nicht wussten dass es Raubkunst ist. Raub beinhaltet das Wort stehlen. Wer gestohlene Ware weiter verkauft ist ein Hehler! Konsequenz: Nicht wissen schützt vor Strafe nicht.