Villa Kuhnterbunt

28. Oktober 2015 06:00; Akt: 28.10.2015 06:13 Print

Crowdfunding soll Kühe vor Schlachtbank retten

Der Lebendhof Villa Kuhnterbunt ob Läufelfingen BL beherbergt über 30 Kühe, denen die Schlachtbank erspart wurde. Das geht ins Geld – nun hilft die Crowdfunding-Plattform «I Care for you».

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Bea Gutzwiller ist keine Bäuerin. Trotzdem hat sie ein Herz für Kühe. Die Tiere haben es ihr schon als Kind angetan. Schon damals wusste die heute 38-Jährige: «Ich will eines Tages einen Gnadenhof.» Das ist ein Ort, an dem Nutztiere ihr Leben bis an ihr natürliches Ende geniessen können.

Vergangenen Sommer kaufte die Ergotherapeutin dann ihre erste Kuh frei. Dem Besitzer musste sie dafür den Schlachtpreis entrichten. «Aber dann fand ich keinen Platz für sie», erzählt sie. Alle Gnadenhöfe, die Gutzwiller anfragte, waren voll. Über ein Inserat in der «Tierwelt» fand sie zum Hof der Familie Hess in Läufelfingen. «Die machten sofort mit. Dann ging es ratzfatz.» Innert elf Monaten explodierte die Population auf dem Hof. Jetzt sind schon über 30 Kühe in der «Villa Kuhnterbunt» untergebracht, wie Gutzwiller den Gnadenhof taufte.

Kühe retten ist kostspielig

Für die letzten Neuzugänge Marina und Selina wurde nun ein Crowdfunding auf der neuen Plattform «I Care For You» lanciert. Diese hat der ehemalige Glückskette-Chef Roland Jeanneret für kleinere soziale Initiativen, die sich keine teuren Fundraising-Kampagnen leisten können, ins Leben gerufen. Für ein Jahr Leben in der Villa Kuhnterbunt müssen 7000 Fr. zusammenkommen. Pro Kuh und Monat müsse man 250 Franken rechnen, sagt Gutzwiller.

Eine geringe Subvention wird auch für sie vom Bund ausbezahlt. Allerdings brauchen sie Futter, Pflege und Platz und das für lange Zeit. «Eine Kuh wird zwischen 20 und 30 Jahre alt», erklärt sie. Eine Patenschaft ist also eine langfristige Verpflichtung. Zumal die Kühe meist noch sehr jung sind, wenn sie auf den Gnadenhof kommen. Fleischrind-Rassen sind schon nach ein bis zwei Jahren schlachtreif, bei Milchkühen dauert es bis zu fünf Jahre. Mittlerweile wurden schon über 100 Patenschaften abgeschlossen. Der Betrag ist für einzelne Spender frei wählbar. «Cow-Sharing» ist der Normalfall.

Hof stellte Geschäft komplett um

Der Landwirtschaftsbetrieb der Familie Hess war zuvor eine konventionelle Viehhaltung. Rinder wurden so lange aufgezogen, bis ihr Fleisch verkauft werden konnte. Nachdem sie Gutzwillers erste gerettete Kuh aufgenommen hatten, war damit Schluss. «Familie Hess war wirklich mutig. Das war ein grosses Risiko», sagt sie. Anfangs seien sie dafür oft ausgelacht worden. Aber mit ein wenig Kreativität wird auch ein Gnadenhof als Geschäft interessant. Gutzwiller möchte ihren Beruf damit verknüpfen und tiergestützte Therapien anbieten. Zudem sollen vermehrt Gruppen und Schulklassen zu Besuch kommen.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Elfe am 28.10.2015 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schön

    Finde ich grossartig! Die Kühe haben es verdient nicht nur als Nutztiere zu leben.

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  • Ch Tanner am 28.10.2015 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Bravo! Sollte viel mehr gemacht werden!

  • Maya am 28.10.2015 07:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das seine

    Eigentlich werden diese Kühe ja gezüchtet, um geschlachtet und gegessen zu werden. Aber jedem das seine, oder? Wer spenden will, soll das tun. Massentierhaltung wird nie ein Ende finden, solange wir alle so viel Fleisch essen wollen. Bin kein Vegi, aber ich will auch nicht für das Leiden tausender Tiere verantwortlich sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Angela Schweizer am 20.11.2015 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    In eigener Sache

    In eigener Sache.!! Früher dachte ich immer,dass Menschen die Schweigen nicht viel zu sagen haben,doch heute weiss ich,das sie an die Schwelle im Leben gekommen sind an der sie verstanden haben,das alles redens vergebens ist wenn es keinen gibt der sie versteht.Du kannst reden und erklären soviel du willst,jeder pickt sich das raus was ihm passt und jeder versteht nur soviel wie er verstehen will,..... Angela

  • U.W. am 01.11.2015 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Totkrank .......

    Was passiert mit einer Kuh die totkrank ist und nur noch leidet? ....... wenn der Tierarzt auch nichts mehr machen kann?

  • Sabine Massler am 29.10.2015 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    Liebe Bea! Ein sehr gutes Vorhaben. Es ist jedes Mal eine Freude, die geretteten Kühe zu sehen nach all den Greuelfotos von dem Leid, das die gierige Menschheit den Tieren antut!! Wir werden Dich auf jeden Fall unterstützen..

    • Angela Schweizer am 12.11.2015 14:08 Report Diesen Beitrag melden

      Unterstützung

      Liebe Sabine,da schliessen wir uns Ihnen an. Bea,Lukas,Simone,all die anderen, und die ganze Kuhschar durften mein Mann und ich im August kennenlernernen einfach nur TOLL ! Super Team und super Leute.Weiter so,mit unserer Hilfe...! Ohne die geht es nicht,zumindest "dann" nur, sehr Mühsam. Liebe Grüsse, Angela & Uwe aus Deutschland

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  • Blödsinn am 28.10.2015 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ein

    Ein Seniorenheim für Kühe das klingt gut. Woher kommt dann unser Steak und der feine Braten.

  • Cowboy am 28.10.2015 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das korrekt ?

    Crowdfunding für Kühe? Hiesse es dann nicht Cow-funding ?