David Goodall ist tot

10. Mai 2018 10:47; Akt: 10.05.2018 15:28 Print

«Das dauert so schrecklich lange»

Am Donnerstagmittag um 12.30 Uhr hat David Goodall sein Leben freiwillig beendet. Der Australier starb im Kreise seiner Familie in Liestal BL.

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Am Donnerstag kam David Goodall in einer Klinik in Liestal BL an. Dort... ...hat sich der 104-Jährige mittels einer Injektion das Leben genommen. In diesem Zimmer nahm der Grossvater auch Abschied von seinen Enkeln. Er wolle dazu Beethoven hören. Die Enkel Daniel und Duncan gaben gegenüber britischen Medien an, dabei zu sein, wenn ihr Grossvater stirbt. Zuvor hat Goodall noch sein Lieblingsessen eingenommen, wie die britische «Daily Mail» schreibt: Fish and Chips und einen Cheesecake. Ein letzter Ausflug mit der Familie: David Goodalls engste Verwandte reisten nach Basel, um mit ihm noch einmal Zeit zu verbringen. Zusammen besuchte die Familie am Mittwoch den botanischen Garten. Drei seiner Enkel reisten von Paris aus in die Schweiz. Der 104-jährige Goodall hat am 8. Mai angekündigt, sein Leben am Donnerstag, 10. Mai, freiwillig zu beenden. Für die Enkel des Wissenschaftlers war klar, dass sie sich von ihrem Grossvater verabschieden wollen. Ein Abschied für immer. Daniel Goodall (im Bild neben seinem Grossvater) sagte zur «Daily Mail»: «Ich fühle mich privilegiert, dass ich da sein kann, wenn mein Grossvater geht.» Auch vor Ort: Ein Kamerateam aus Taiwan, das einen Dokumentarfilm über Goodall dreht. Die Moderatorin umarmt den Protagonisten. Schon vor dem Abflug in Perth Anfang Mai verabschiedete sich Goodall von einem seiner Enkel. Am Mittwoch trat der Australier in Basel vor die Medien. Der... ...Andrang war riesig. Goodall betonte in seiner Rede noch einmal, dass es seine eigene Entscheidung sei. Er wolle nicht mehr länger leben. David Goodall kam am Montag in Basel an, wo er in einer nahe gelegenen Klinik Sterbehilfe in Anspruch nehmen will. Der 104-jährige Wissenschaftler löste damit in seiner Heimat Australien eine Kontroverse aus. Dort ist Sterbehilfe verboten. Unterstützung erhält Goodall von Vertretern von Exit International, die sich in Australien für eine Aufhebung des Sterbehilfeverbots einsetzen.

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Am Donnerstagmorgen hat sich der Australier David Goodall begleitet von seinen Enkeln zu seinem «letzten Termin» begeben. Mittels Infusionskanüle an seinem Arm hat sich der 104-Jährige selber ein tödliches Medikament verabreicht. Bis zuletzt hätte er gemäss Sterbehilfeorganisation Exit seinen Entscheid rückgängig machen können. Jetzt ist Goodall um 12.30 Uhr in Liestal BL gestorben.

«Das dauert so schrecklich lange», hat Goodall laut «Daily Mail» nach der Infusion gesagt. Arzt Philip Nitschke ergänzte, dass der 104-Jährige wohl kaum habe erwarten können, dass es vorbei sei. Bisher habe noch niemand über die Wirkungszeit geklagt.


Nach seiner Ankunft in der Schweiz am Montag hatte Goodall Konsultationen mit zwei Ärzten der Stiftung Lifecircle, darunter ein Psychiater. Diese gaben gemäss Exit grünes Licht für das Vorhaben.

Fish and Chips und «Ode an die Freude»

Am Donnerstag gab die Sterbehilfeorganisation Exit International bekannt, dass Goodall keine Beerdigung wünsche. Er wolle seinen Körper der Medizin zur Verfügung stellen. Wenn das nicht möglich sei, solle seine Asche verstreut werden.

Vor seinem Tod hatte der Wissenschaftler laut britischen Medien im Kreise seiner Familie noch ein Mittagessen eingenommen: Fish and Chips und ein Stück Cheesecake – sein Lieblingsessen.

«Er war ruhig und gelassen. Er wollte, dass alles so schnell wie möglich geht», sagte ein Sprecher von Exit. Begleitend zur Infusion sei auf den Wunsch des Sterbenden «Ode an die Freude», die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven aufgelegt worden.


Einen Tag vor seinem begleiteten Freitod trat Goodall in Basel ein letztes Mal vor die Medien. Video: SDA/Keystone

Weltweit bekannter Wissenschaftler

Goodall hatte an der Edith Cowan Universität in Westaustralien gearbeitet. 2016 war er weltweit bekannt geworden, als ihn seine Universität im Alter von 102 Jahren endgültig in den Ruhestand schicken wollte - obwohl er seit seiner offiziellen Pensionierung unentgeltlich arbeitete.

Nach Protesten und Solidaritätsbekundungen von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt nahm die Universität die Entscheidung zurück. Goodall hat Dutzende Forschungsarbeiten veröffentlicht und noch bis vor kurzem für verschiedene Fachzeitschriften gearbeitet.

(bla)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sonne am 08.05.2018 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Exit

    Wenn ein Tier krank oder unter starker Altersschwäche leider, wird es eingeschläfert. Der Mensch darf das in den meisten Länder nicht selbst entscheiden. ich verstehe seine Entscheidung.

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  • drUwe am 08.05.2018 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich Gut

    Ich finde das viel besser als das man Selbstmord begehen muss!

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  • Stardust am 08.05.2018 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er hat völlig Recht

    Es sollte jedem das Recht zugestanden werden auf eigenen Wunsch würdevoll aus dem Leben zu scheiden. Besonders bei gesundheitlichen Problemen und auch Lebenssatt oder Alter

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hoffnung am 08.05.2018 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Würde Sinn Frieden

    Mein VATER ist STERBENSKRANK, hatnen wirklich schwierigen, herausfordernden Leidensweg zu bewältigen....! An seiner Seite, meine liebe, geduldig ertragende Mutter, welche es auch gar nicht einfach hat...! Er, hat vor mehr als 1 Jahr alle Therapien abgebrochen, wartend im Glauben, dass Gott weiss, WAS ER TUT+VORHAT. Er hat wiederkehrend unerträglich Schmerzen, wird inmobiler, doch Mitmenschen erleben ihn stets fröhlich, versucht sicher auch durch Gespräche/Gemeinschaft Ablenkung zu finden. Er BETET, vertraut+kennt seine ZUKUNFT+freut sich sehr darauf!! Wer Frieden hat, findet Trost im Leid.

  • Sergio Fasano am 08.05.2018 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Der Freidenker meint:

    Es gibt Situationen, da sind aus Vernunft und Emotionalität dem Leben fast keine positiven Werte mehr abzugewinnen. Mein Freund setzte seinem Leben mit Exit ein Ende, nachdem er am unheilbaren Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte und dieser in so fortgeschrittenem, schmerzhaften und entstellendem Stadium war, dass es für ihn unerträglich wurde, trotz allerstärksten Schmerzmitteln. Auf der ganzen Welt sollte jemand in solcher Situation seinem Leben ein würdiges Ende geben dürfen. Und zwar ohne den Segen von Vater Staat einholen zu müssen.

  • marko 33 am 08.05.2018 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz Sterbebett

    Das hoffe ich nicht

  • Helftmir am 08.05.2018 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naund?

    Na und wo liegt das Problem? Seinen Tod selbst zu bestimmen muss doch legal sein. Der Selbstmörder wird auch nicht hinterfragt. Ausserdem hinterlassen SM oft schlimme Spuren, welche andere dann wegräumen müssen.

  • Morto am 08.05.2018 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zombis

    Und was ist mit Personen, die eigentlich Tot sind und mit Maschinen am Leben erhalten werden, weil sich die Angehörigen weigern abstellen lassen?