Die Tigermücke kommt

07. Juni 2018 05:47; Akt: 07.06.2018 05:47 Print

Gibt es in der Schweiz bald Tropenkrankheiten?

Die Asiatische Tigermücke gilt als Überträgerin von Krankheiten wie Dengue-Fieber. Ihre Bekämpfung wird in der Region Basel nun grenzüberschreitend koordiniert.

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«Die Tigermücke hält sich nicht an Ländergrenzen», so Lukas Engelberger, Vorsteher des Gesundheitsdepartements Basel-Stadt, zur Begrüssung der Veranstaltung «Gemeinsam gegen die Tigermücke» im Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut am Mittwoch. Bei der Veranstaltung wird klar: Auch die Bevölkerung muss ihren Beitrag zur Bekämpfung der invasiven, schwarz-weiss gestreiften Stechmücke leisten.

In den vergangenen Jahren konnte sich die Asiatische Tigermücke, die als Überträgerin tropischer Krankheiten gilt, in der Oberrheinregion ansiedeln. Das im Juni startende trinationale Projekt Tiger möchte die Bekämpfung der Mücke besser koordinieren und ein Handeln über die Ländergrenzen hinweg ermöglichen. Das Projekt läuft über drei Jahre und ist mit einem Gesamtbudget von 1,7 Millionen Euro veranschlagt.

Mehrfach Funde der Mücke in der Region Basel

«Es gibt keine Willkommenskultur für die Tigermücke», sagt Engelberger in Bezug auf die Massnahmen gegen die Stechmücke. Um Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung zu verhindern, müsse die Ausbreitung der invasiven Art verhindert werden. Die Bekämpfung sei wegen der hohen Anpassungsfähigkeit eine grosse Herausforderung, gibt Engelberger zu bedenken. «Daher begrüsse ich die grenzüberschreitende Zusammenarbeit sehr», sagt er.

«Seit 2003 gibt es Funde der Tigermücke im Dreiland», sagt Pie Müller, Schweizer Projektverantwortlicher von Tiger. Heute sei sie vor allem in der Mittelmeerregion weit verbreitet. Seit 2015 gebe es auch mehrfach Funde in der Region Basel, die die Bekämpfung des Insekts nach sich zogen. Zuletzt sei eine neue Population in Lörrach festgestellt worden.

In Autoreifen reisen die Mückeneier um die Welt

Die ursprünglich aus Südostasien stammende Stechmücke komme beispielsweise über den internationalen Handel mit Autoreifen in die Schweiz. Im Freien liegende Autoreifen seien ein idealer Brutort für die Mücke, deren Eier zudem sehr trockenresistent seien, so Müller. Mit den Reifen reisen also auch die Mückeneier um die Welt. Zudem könne sich die Art sehr gut ans Klima anpassen, was eine Ausbreitung begünstige. Adulte Tiere reisten teilweise auch in Fahrzeugen, Schiffen oder Flugzeugen mit.

Die Ansiedlung der Mücke solle insbesondere durch den Aufbau eines regionalen Fallennetzwerks und durch Meldestellen für die Bevölkerung eingedämmt werden. Zahlreiche Fallen seien vor allem an Autobahnraststätten schon aufgestellt. An der Raststätte in Pratteln wurde sogar schon einmal eine Tigermücke gefangen, so Müller.

Belästigung durch Stiche der Mücke ist gross

Die Mücken legen ihre Eier insbesondere im Wasser ab. Die Bevölkerung sei daher aufgerufen, so wenige Brutstätten wie möglich zu generieren, so Müller. «Die Bevölkerung muss miteinbezogen werden, um gegen Probleme anzukämpfen», betont auch Jürg Utzinger, Direktor des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts.

«Wir sind noch sehr weit davon entfernt, dass hier Leute an Dengue-Fieber sterben», sagt Müller über das aktuelle Risiko. Theoretisch könnten die in der Region angesiedelten Mücken jedoch Viren übertragen. Wenn eine im Ausland infizierte Person zurück komme und von einer Tigermücke gestochen würde, könne dies also zur Übertragung der Krankheit führen. Die Belästigung durch Stiche sei jetzt schon hoch, vor allem, weil die Mücke hauptsächlich tagsüber steche.

(lb)